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Politische Börse Dax-Rekord nach Frankreichwahl

Die Börse zündet den Turbo: Die Erleichterung über den Sieg Macrons bei den Wahlen in Frankreich und gute Stimmung in der Wirtschaft verhelfen dem Dax zum neuen Allzeitrekord, Gold und Bundesanleihen verlieren.

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Die Tops und Flops seit dem Allzeithoch 2015

Der Jubel an der Börse nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist riesig: Der deutsche Aktienleitindex Dax übersprang am Montagvormittag seine bisherige Rekordmarke von 12.390,75 Punkten aus dem Frühjahr 2015 und stieg um 2,9 Prozent auf 12.398,05 Zähler – rund acht Punkte über dem bisherigen Allzeithoch bei 12,390 Punkten.

"Die Mitte ist stärker, als die Populisten glauben"
Nach Ansicht von Kanzleramtschef Peter Altmaier hat das französische Wahlergebnis gezeigt, dass "die Mitte stärker ist als die Populisten glauben". Er twittert: "Das Ergebnis für @EmmanuelMacron zeigt: Frankreich UND Europa können gemeinsam gewinnen!" Quelle: dpa
Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht hat das gute Abschneiden des sozialliberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron in Frankreich bedauert. Wäre der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon in die Stichwahl gekommen, hätte die französische Bevölkerung eine echte Alternative, sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Der ehemalige Investmentbanker Macron dagegen steht für die Fortsetzung und Verschärfung genau jener Politik des Sozialabbaus und forcierter Privatisierungen, die den reaktionären Front National Le Pens erst stark gemacht hat und absehbar weiter stärken wird“, sagte Wagenknecht. Macron zieht Hochrechnungen zufolge mit der Rechtspopulistin Marine Le Pen am 7. Mai in die Stichwahl um das Präsidentenamt. Er gilt als Favorit. Wagenknecht gratulierte Mélenchon „zu seinem grandiosen Ergebnis“. Quelle: dpa
SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sieht den Erfolg des linksliberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron im ersten Wahlgang in Frankreich auch als Auftrag für die Parteien in Deutschland. „Nach den Niederländern haben nun auch die Franzosen den Europafeinden mehrheitlich eine Absage erteilt: Europa wählt europäisch“, sagte Oppermann der Deutschen Presse-Agentur. Er sei sehr zuversichtlich, dass sich Macron auch in der Stichwahl in zwei Wochen durchsetzen werde. „Nun gilt es in Deutschland dafür zu kämpfen, dass die immer weiter nach rechts driftende AfD nicht in den Bundestag einzieht.“ Quelle: dpa
Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hat den Wahlerfolg des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron begrüßt. „Zu sehen, wie die Flaggen Frankreichs und der EU das Ergebnis von Emmanuel Macron begrüßen - das ist die Hoffnung und die Zukunft unserer Generation“, schrieb die Politikerin am Sonntagabend bei Twitter. Quelle: AP
AfD-Chefin Frauke Petry hat der Vorsitzenden der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, zum Einzug in die Stichwahl in Frankreich gratuliert. Die Abstimmung habe gezeigt, dass Frankreich ebenso wie Deutschland „den Mehltau aus Stagnation und übertriebener politischer Korrektheit eine deutliche Ablehnung erteilt und sich Alternativen wünscht“, meinte die nach dem Kölner AfD-Parteitag vom Wochenende angeschlagene Bundes- und sächsische Landesvorsitzende am Montag in Dresden. Viele Bürger hätten für Le Pen gestimmt, weil sie einen Umbau wollten. „Ich freue mich mit ihr zusammen über dieses klare Signal an die Spitzen der EU und auch an bundesdeutsche Politiker, dass ihre Politik des Ausgrenzens und Stigmatisierens der Wähler inzwischen als das gesehen wird, was es in Wahrheit ist: eine übermoralisierende Impertinenz“, sagte Petry. Quelle: dpa
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat sich nach den ersten Hochrechnungen zur Präsidentenwahl in Frankreich optimistisch gezeigt. „Ein Signal für Europa, ein Signal der Erneuerung“, twitterte der Politiker am Sonntagabend nach ersten Hochrechnungen. „Emmanuel Macron macht auch Deutschland Mut.“ Quelle: dpa
„Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel am Sonntag in der jordanischen Hauptstadt Amman. „Er war der einzige pro-europäische Kandidat, der sich nicht versteckt hat hinter Vorurteilen gegenüber Europa.“ Macron sei ein „toller Präsidentschaftskandidat“, aber auch „ein ungeheuer sympathischer Mensch und ein guter Freund“. Quelle: dpa

Der Dax legte am Montag zu Handelsbeginn um knapp 2,5 Prozent auf 12.347 Punkte zu. Mit dem satten Plus von knapp 350 Punkten feiern die Anleger, dass es mit dem unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron ein pro-europäischer Politiker in die Stichwahl um Frankreichs Präsidentenamt am 7. Mai gegen die rechtspopulistische und europafeindliche Marine Le Pen vom Front National geschafft hat.

Für noch größere Begeisterung sorgte das Wahlergebnis an der Pariser Börse. Der Auswahlindex CAC40 stieg am Morgen nach der Wahl um vier Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 5268 Punkten in die Höhe. Überall in Europa stiegen die Kurse auf breiter Front. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 3,30 Prozent nach oben. Der MDax, der am Börsenplatz Frankfurt die Aktien mittelgroßer Unternehmen repräsentiert, schaffte mit 24.432 Punkten bereits ein neues Rekordhoch. Zuletzt lag er mit einer Steigerung um 1,80 Prozent knapp darunter. Der Technologie-Index TecDax rückte um 1,60 Prozent auf 2048,75 Punkte vor.

Der Euro zog am Morgen um ein Prozent auf 1,0898 Dollar an, büßte am Vormittag allerdings das Plus teilweise wieder ein und verteuerte sich nur noch 0,3. Am Vormittag kostete der Euro 1,0861 Dollar. Noch in der Nacht hatte der Euro an den asiatischen Börsen sogar um rund zwei Prozent auf 1,0940 Dollar zulegen können.

Gold und Bundesanleihen verlieren

Als sicher geltende Anlagen wie Gold und Bundesanleihen flogen im Gegenzug aus den Depots. Der Goldpreis je Feinunze verlor in Dollar gerechnet mehr als ein Prozent auf 1271, der Preis in Euro fiel um 0,8 Prozent auf 1170 Euro. Durch den fallenden Kurs zehnjähriger Bundesanleihen stieg die Rendite der deutschen Staatsanleihe um 0,34 Prozentpunkte. Im Gegenzug stiegen die Kurse der französischen Staatspapiere, ihre Renditen sanken leicht.

Goldpreis und Anleihen signalisieren somit klar geringere Risiken und mehr Zuversicht für Euro-Anleger durch das Wahlergebnis in Frankreich, sichere Häfen sind weniger gefragt.

"Das ist ein sehr positives Ergebnis für Europa und die Stabilität von Realwirtschaft und Finanzmärkten", sagte Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Die politischen Unsicherheiten, die zur Schwäche des Euro und zum Kapitalabzug aus Europa geführt haben, sind zwar noch nicht vollständig bereinigt, aber immerhin zu 90 Prozent."

Auftrieb für Europas Bankhäuser

Besonders begehrt bei Anlegern waren Banken. Aktien der Deutschen Bank gewannen 6,4 Prozent, Commerzbank-Papiere 8,3 Prozent. Sie waren mit Abstand die gefragtesten Werte im Dax. Auch die Papiere französischer, italienischer und spanischer Institute zogen kräftig an. Die französischen Banken Societe Generale, BNP Paribas und Credit Agricole zogen um je rund acht Prozent an. Der europäische Banken-Index legte 6,4 Prozent zu. Zusätzlichen Rückenwind bekommen die Geldhäuser durch gute Konjunkturperspektiven und steigende Inflationserwartungen. Analysten der Deutschen Bank empfahlen Anlegern, ihr Engagement bei Banken der Euro-Zone nun zu erhöhen. Die Banker des Brokerhauses Kepler Cheuvreux stuften französische Geldhäuser auf "Übergewichten" nach oben.

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