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Preissturz Der Traum vom Gold zerbricht

Der Goldpreis befindet sich im freien Fall. Am Montag sackt der Preis unter 1.400 Dollar. Wo sind die Schnäppchenjäger, die jetzt kaufen? Sie reden von „hervorragenden Kaufgelegenheiten“, trauen sich aber noch nicht.

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Der Goldpreis ist unter 1200 Dollar je Feinunze gefallen.

Wo sind die Schnäppchenjäger? Und wo sind die Leute, die Gold bei Preisen jenseits der 1.900 Dollar gekauft haben? Die müssten doch jetzt erst recht kaufen, wenn sie von Gold überzeugt sind. „Diese Korrektur war wohl nötig“, sagt der US-Investors Jim Rogers. „Wenn der Preis tief genug fällt, werde ich anfangen zu kaufen.“

Der aktuelle Absturz reicht Rogers noch nicht. Dabei ist Gold seit vergangenem Freitag bereits um zehn Prozent gefallen. Das ist der größte Kursrutsch seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der Kursrutsch setzte bereits am Freitagnachmittag ein. Nach Angaben des weltweit größten Goldfonds SPDR wurden allein am Freitag fast 23 Tonnen Gold verkauft. Am heutigen Montag geht die Talfahrt weiter, der Goldpreispreis sackte zeitweise unter 1.400 Dollar.

Ein Schuldiger für den Einbruch war schnell gefunden: Mario Draghi. Der Präsident der Europäischen Zentralbank ließ durchblicken, dass Zypern einen Teil seiner Goldreserven verkaufen könnte, um den Eigenbeitrag zum geplanten Hilfspaket aufzubringen. Nicht dass die zyprischen Goldreserven so groß wären, dass ein Verkauf den Goldmarkt auf den Kopf stellen würde. Zypern besitzt insgesamt 13,9 Tonnen. Doch viele fürchten, dass der Goldverkauf Schule machen könnte. Wenn ein Krisenland wie Italien einen Teil seiner Goldreserven – immerhin 2.500 Tonnen – auf den Markt werfen würde -, wäre das eine ganz andere Dimension.

Neben der Zypern-Frage spielt auch eine Rolle, dass die Konjunktur in den USA zuletzt leicht angezogen hat, was viele Anleger auf ein Ende der Finanzkrise hoffen lässt.

In den vergangenen zwei Wochen warnten gleich mehrere Großbanken vor einem Preisverfall bei Gold. Entweder haben die Analysten eine gute Vorahnung gehabt. Oder ihre Prognosen werden nun zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Den Anfang machten die Franzosen von Societe Generale. Der Goldpreis befinde sich im „Blasen-Bereich“, schriebe die Analysten in einer Studie am 2. April. Die Deutsche Bank senkte am vergangenen Dienstag ihre Goldprognose um zwölf Prozent und verwies darauf, dass „sichere Häfen“ nicht mehr gefragt seien.

Einen Tag später legte Goldman Sachs nach. Nach einer zwölfjährigen Rally beschleunige sich der Trendwechsel im Goldpreis-Zyklus, schrieben die Analysten Damien Courvalin und Jeffrey Currie in einer Studie. Die Bank setzte ihr Kursziel für zwölf Monate auf 1.390 Dollar. „Eine deutliche Erholung des Goldpreises ist unwahrscheinlich, wenn es nicht unerwartet zu einem abrupten Ende der US-Erholung kommt.“ Die Überzeugung, Gold zu halten, schwinde.

Mehr und mehr Analysten stimmen dem inzwischen zu. „Der Einbruch bei Gold ist erst in einem frühen Stadium”, schreibt Georgette Boele, Rohstoffstrategin bei ABN Amro. „Während sich die Wachstumsaussichten verbessern, werden andere Anlagen deutlich attraktiver.“


Preisverfall? „Ich liebe es!“

Seit Monaten ist der Goldpreis unter Druck. Nach Einschätzung der Commerzbank zählen vor allem Hedgefonds zu den Verkäufern. Was das heißt, lässt sich an börsengehandelten Gold-Indexfonds (ETFs) ablesen. Das Anlagevermögen dieser Fonds ist durch Gold besichert. Lange Zeit waren sie deshalb in der Finanzkrise beliebt als „sicherer Hafen“. Doch das hat sich geändert. Der Bestand des weltweit größten Goldfonds, des SPDR Gold Trust, ist auf 1,159 Tonnen gesunken - der niedrigste Stand seit fast drei Jahren. Je mehr Anleger ihre Anteile verkaufen, desto mehr Gold muss wiederum der Fonds veräußern.

Die Menge an Gold, die weltweit nachgefragt wurde, ist im vergangenen Jahr gesunken, um vier Prozent auf 4405,5 Tonnen. Das geht aus den Zahlen des World Gold Council hervor. Damit liegt die Nachfrage zwar immer noch auf hohem Niveau, doch der Trend ist erstmals seit Jahren rückläufig. Besonders deutlich sank die Nachfrage der Investoren nach Goldmünzen und -barren. Während die Nachfrage nach physischem Gold im Jahr 2011 noch bei 1514,4 Tonnen lag, fiel sie 2012 auf 1255,6 Tonnen. Auch die Nachfrage der Juweliere sowie der Industrie ging zurück.

Der Rückgang hätte sogar noch stärker ausfallen können, wenn nicht die Zentralbanken der Schwellenländer mit Käufen dagegen gehalten hätten. Die Notenbanken kauften weltweit 534,6 Tonnen Gold, im Vorjahr waren es noch 456,8 Tonnen.

Manche Investoren, die schon früh auf Gold gesetzt haben, können dem Kursrutsch etwas Gutes abgewinnen. „Ich liebe es“, sagte Marc Faber, Autor des Reports „Gloom, Boom & Doom“, im Gespräch mit Bloomberg. „Das wird hervorragende Kaufgelegenheiten geben.“

Ähnlich sieht das auch Jim Rogers, der sich mit Rohstoffen so gut auskennt wie kaum ein anderer Investor. Im Jahr 1999 sagte er den Beginn einer langanhaltenden Rally an den Rohstoffmärkten voraus. Im August 2011 erklärte er dann, er kaufe vorerst kein Gold mehr. Gleichzeitig warnte Rogers damals davor, dass zu viele Spekulanten im Markt seien.
Einige dürften sich nun wieder verabschiedet haben. Rogers wird es freuen. Er sagte kürzlich in einem Interview: „Wenn der Preis bis auf 1.200 Dollar je Feinunze sinkt, wäre das wunderbar. Dann würde ich günstig zukaufen.“

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