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Profis setzen auf US-Aktien Starke Wall Street, wackeliges Europa

Profi-Investoren konzentrieren sich zunehmend auf die US-Börsen. Warum amerikanische Aktien derzeit besser laufen als europäische – und wieso das in den nächsten Monaten auch so bleibt.

Es gibt eine Reihe von guten Gründen, warum sich Investoren zunehmend von Europa ab- und den USA zuwenden. Quelle: Getty Images

Wer wissen will, welche Börsen derzeit angesagt sind, muss auf Hedgefonds schauen. Aus mehreren Gründen. Sie sind in der Regel finanzstark und kaum auf bestimmte Anlageklassen oder Maximalrisiken beschränkt. Daher können sie frei agieren. Zudem wetten Hedgefonds nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse – womit sich manchmal deutlich schneller Geld verdienen lässt. Sie haben nur ein Ziel: Rendite machen. Egal wo, egal wann, egal wie. Mit anderen Worten: Hedgefonds sind ein guter Indikator für Anlagetrends.

Derzeit lautet eines ihrer Signale: Raus aus Euro-Land. Denn zunehmend rechnen die Börsenprofis mit einem fallenden Eurokurs. Deutlich wird das auf dem Derivate-Markt. Dort laufen die Wetten auf steigende wie fallende Kurse zusammen. Und dort zeigt sich, dass die Anleger mehr Geld auf einen fallenden als auf einen steigenden Euro setzen.

Starke US-Börse im Vergleich zu Europa

Seit dem Höchststand bei 1,38 Dollar im Mai 2014 ging der Wechselkurs zum US-Dollar steil nach unten. Noch hält sich der Euro mit einem 1,31 Dollar einigermaßen, doch der Druck steigt. An der Derivatebörse CFTC überwiegen nun die Euro-Pessimisten. Der Überschuss der Investments zugunsten eines fallenden Euro – die sogenannten Netto-Short-Positionen - hat mit 25 Milliarden Dollar den Stand von vor zwei Jahren erreicht - einem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise.

Wer auf einen fallenden Euro setzt, sieht den Euro-Wirtschaftsraum vor weit größeren Herausforderungen als andere Währungsräume. Wenn die Wirtschaft lahmt und die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schwindet, müssen Unternehmen ihre Preise senken, um sich am Markt zu behaupten. Daher fällt der Wert des Euro. Unterm Strich sind daher offenbar immer mehr Investoren der Überzeugung, dass die Euro-Zone abwirtschaftet – zumindest im Verhältnis zu besser laufenden Volkswirtschaften.

Europas Schwäche ist zugleich die Stärke der Wirtschaft in den USA. Dort entwickeln sich Konjunktur und Geldpolitik inzwischen in eine andere Richtung als im Europa der zwei Geschwindigkeiten. Die Prognosen zur US-Wirtschaft stimmen Anleger weit optimistischer.

Europa kämpft derzeit gegen Konjunkturdellen, extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit und völlig überschuldete Staatshaushalte. Außerdem ist es von den Krisenherden in Osteuropa und dem Nahen Osten wirtschaftlich stärker betroffen als die USA.

Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot
Rang 10: Moody's CorporationZu den größten Beteiligungen der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, gehört das Finanz- und Analysehaus Moody's, das hauptsächlich für seine Bewertung von Unternehmen und Staatsanleihen bekannt ist. Moody’s ist die zweitgrößte Ratingagentur der Welt und beherrscht 40 Prozent des Rating-Marktes. In den USA müssen Manager, die mehr als 100 Millionen Dollar an Aktien verwalten, das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der Börsenaufsicht einreichen. Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten. Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen. Marktwert der Beteiligung: 2,16 Milliarden US-DollarQuelle: Pflichtmitteilung (13F) von Berkshire Hathaway an die US-Börsenaufsicht, Bloomberg(Stand: 30.06.2014) Quelle: AP
Rang 9: Davita Healthcare PartnersDer Zusammenschluss aus Davita und Healthcare Partners ist einer der größten Gesundheitskonzerne der USA, der sich auf Nierenbehandlungen wie Dialyse spezialisiert hat. Das deutsche Pendant zu Davita Helthcare Partners ist Fresenius Medical Care. Marktwert der Beteiligung: 2,7 Milliarden US-Dollar Quelle: dpa
Rang 8: U.S. BancorpWarren Buffett mag Finanzaktien: Vier seiner zehn größten Beteiligungen sind aus der Finanzbranche. Dazu gehört auch die fünftgrößte Bank der USA: U.S.Bancorp (USB). Marktwert der Beteiligung: 3,5 Milliarden US-Dollar Quelle: AP
Rang 7: Exxon MobilDer Ölgigant Exxon Mobil war das wertvollste Unternehmen der Welt, bis es von Apple überholt wurde. An Apple hatte der Börsengroßmeister Buffett bisher kein Interesse. Grundsätzlich kaufe Buffett keine Technologie-Aktien, da er sich mit Technologie zu wenig auskenne. Marktwert der Beteiligung: 4,1 Milliarden US-Dollar Quelle: AP
Rang 6: Procter & GamblePampers, Pringles und Head & Shoulders: Der Konsumgüterriese Procter & Gamble deckt so ziemlich jeden Lebensbereich ab. Von der Wäsche (Ariel) bis zur Männerrasur (Gilette) begleiten uns Produkte des US-Giganten. Auch Warren Buffett weiß: Mit den Grundbedürfnissen der Menschen kann man gute Geschäfte machen. Marktwert der Beteiligungen: 4,1 Milliarden Dollar Quelle: REUTERS
Rang 5: Wal-MartDer Einzelhandelsriese ist der größte private Arbeitgeber weltweit, beherrscht einen Großteil des US-Marktes und ist das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. Wer damals rechtzeitig einstieg als Wal-Mart 1972 an die Börse ging, darf sich heute glücklich schätzen: Die Aktie hat seitdem mehr als 94.000 Prozent an Wert gewonnen. Marktwert der Beteiligungen: 4,4 Milliarden Dollar Quelle: dpa
Rang 4: IBM„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt“, soll der damalige IBM-Chef Thomas Watson im Jahr 1943 gesagt haben. Er wurde eines besseren belehrt. Die digitale Revolution machte IBM zum Bluechip der Branche mit einer Marktkapitalisierung von 187 Milliarden Dollar. Die Aktie hat seit 1978 um mehr als 10.000 Prozent an Wert gewonnen. Die IBM-Aktie ist bei Buffett eher eine Ausnahme, da er sonst nicht viel von Technologiewerten hält. Marktwert der Beteiligungen: 12,7 Milliarden Dollar Quelle: REUTERS

Investoren wenden sich zunehmend von Europa ab - und den USA zu. Dafür gibt es gute Gründe. Hier die fünf wichtigsten:

1. Amerika gilt als sicherer Hafen

Die Krise in der Ukraine macht Anlegern die besondere Lage Deutschlands bewusst: Als Land, durch dessen Mitte die ehemalige Grenze der geteilten Welt läuft. Diese Lage war ein großer Vorteil, als in den Neunzigerjahren mit dem politischen Tauwetter und dem weltweiten Siegeszug des westlichen Wirtschaftssystems die Expansion in die osteuropäischen und russischen Märkte einsetzte.

Schwellenländer waren für deutsche Unternehmen zuallererst die Nachbarn im Osten und Südosten – und natürlich Russland. Für Unternehmen wie Adidas, Metro oder Stada war das nicht nur Schwellenländer-Fantasie, sondern Kern ihrer Wachstumsstrategie.

Wäre die Ukraine-Krise nur eine begrenzte politische Auseinandersetzung, träfe der alte Spruch von den politischen Börsen mit den kurzen Beinen durchaus zu. Doch die Ukraine-Krise ist weit mehr als ein Scharmützel. Die aktuelle Eskalation deutet darauf hin, dass sie eine neue, kalte Epoche im Verhältnis der Großmächte einleiten könnte. Und je mehr Deutschland Stellung nehmen muss gegen Russland, desto größer ist der wirtschaftliche Nachteil: wegen der Energielieferungen, dem Wegbrechen vielversprechender Märkte und den finanziellen Kosten, die auf Deutschland und Europa zukommen.

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