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Profitabelstes Unternehmen der Welt Saudi Aramco pulverisiert Apple-Rekord – doch das böse Erwachen droht

Aramco steht ursprünglich für Arabian-American Oil Company Quelle: AP

Apple ist das profitabelste Unternehmen der Welt? Mitnichten. Der saudische Öl-Konzern Aramco hat diesen Rekord diese Woche pulverisiert. Doch den Saudis droht Ungemach.

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Die Zahlen, die Saudi Aramco Anfang der Woche veröffentlichte, sorgten weltweit für Aufsehen. Demnach verzeichnet der saudische Ölkonzern für 2018 einen operativen Gewinn (Ebitda) von 224 Milliarden Euro. Viele Beobachter vergleichen Aramco deshalb schon gar nicht mehr mit anderen Ölkonzernen, die alle weit abgeschlagen landen, sondern mit dem Tech-Giganten Apple. Der galt bislang als profitabelstes Unternehmen der Welt – doch dieser Anspruch wurde nun von Aramco pulverisiert: Appels operativer Gewinn ist mit 82 Milliarden Dollar nur gut ein Drittel so hoch.

Aus den Rekord-Zahlen ergeben sich allerdings gleich mehrere Fragen. Wie gelingt es den Saudis, solche Gewinne zu erreichen? Und bedeuten die Zahlen, dass Saudi-Arabien seine zuletzt stark angegriffene Position als Primus unter den Ölförderstaaten zurückerobern kann? Um es vorwegzunehmen: Nein, höchstwahrscheinlich nicht. Es könnte sogar genau das Gegenteil geschehen.

Aber der Reihe nach. Dass Aramco einen so hohen Gewinn verzeichnen kann, liegt zunächst an der enormen Menge an Öl, die in Saudi-Arabien gefördert wird. Mehr oder minder konstant fördert das Land jeden Tag knapp zehn Millionen Barrel. Damit bleibt Saudi-Arabien weltweiter Spitzenreiter.

Der Durchschnittspreis pro Barrel Öl lag 2018 bei ungefähr 70 Dollar. Rechnet man diese Werte zusammen, käme Aramco auf einen groben Jahresumsatz von 255 Milliarden Euro allein durch Öl. Hinzu kommen Einnahmen aus Gas, raffinierten Produkten und Chemikalien, in die Aramco zuletzt in großem Stil investiert hat.

Schon der Umsatz des saudischen Konzerns ist also immens – wie hoch genau, ist unbekannt. Auch die Ebitda-Zahlen sind nur Angaben der Ratingagentur Fitch. Klar ist jedoch: Der Konzern muss außergewöhnlich niedrige Kosten haben, um auf einen so hohen Gewinn zu kommen. Das lässt sich zum Teil mit niedrigen Löhnen, einfacheren Förderbedingungen und Skaleneffekten erklären.

Es dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass Aramco als Staatskonzern stets auf Unterstützung des saudischen Herrscherhauses bauen kann. Dessen Kronprinz Mohammed bin Salman arbeitet mit Hochdruck daran, die heimische Wirtschaft zu stärken – und die fußt bislang vor allem auf Öl.

Doch Aramco bekommt nicht nur Unterstützung durch die Herrscherfamilie, das Unternehmen dient dieser gleichzeitig als Cashcow. So werden auf die Öl-Einnahmen schwindelerregende Steuern von 50 Prozent fällig, über die sich die saudische Führung finanziert. Daraus erklärt sich auch, dass der Netto-Gewinn von Aramco gerade einmal auf 111 Milliarden Dollar geschätzt wird. Wobei „gerade einmal“ auch relativ ist: Das ist immer noch fast doppelt so viel, wie Apple vorweisen kann.

Die Zahlen sind also äußerst imposant. Aber, um auf Teil zwei der Frage zurückzukommen, reichen sie, um Saudi-Arabien wie bislang unangreifbar an der Spitze der Ölförderstaaten zu halten? Es sieht nicht danach aus.

Die größte Gefahr für die Saudis droht schon seit Jahren nicht mehr aus Russland oder gar einem der anderen OPEC-Staaten, sondern aus den USA. Seit die USA mit ihrem Fracking-Öl auf den Markt drängen, ist der Ölpreis empfindlich eingebrochen. Nach einer zeitweisen Erholung 2018 fiel er Ende des Jahres auf knapp über 40 Dollar das Barrel. Heute notiert er wieder bei etwa 70 Dollar. Auch deshalb, weil Saudi-Arabien und die ihnen verbundenen OPEC+-Staaten beschlossen haben, die Fördermenge zu reduzieren. Die meisten Experten erwarten deshalb eine weitere Erholung des Ölpreises.

Allein, um alles wieder zurück in die gute, alte Zeit zu führen, wird das nicht reichen. „Es ist eine kurzsichtige Strategie, die kurzfristig Früchte trägt, also steigende Preise hervorbringt“, sagt Eugen Weinberg, Energieexperte der Commerzbank. „Langfristig resultiert sie jedoch in starken Preisrückgängen und Verlusten der Marktanteile.“

Nutznießer sind naturgemäß all jene Länder, die bei der OPEC-geführten künstlichen Verknappung nicht mitziehen. Das betrifft unabhängige Länder wie etwa Norwegen oder Brasilien, aber natürlich vor allem die USA. Oder, wie es Weinberg formuliert: „Langfristig wird der US-Schieferölsektor zum entscheidenden und preisbestimmenden Faktor werden.“

Die USA haben ihre Fördermenge seit Beginn des Fracking-Booms vervielfacht: Exportierten sie noch 2013 weniger als eine Million Barrel am Tag, so waren es 2018 bereits 4,5 Millionen Tonnen. Die Internationale Energieagentur IEA prognostiziert in ihrem Bericht „Oil 2019“, dass die USA schon in vier Jahren knapp neun Millionen Tonnen am Tag exportieren werden – und damit erstmals mehr als Russland und nur geringfügig weniger als Saudi-Arabien.

„Überall, wo wir hinschauen, entstehen neue Akteure, und die Gewissheiten vergangener Jahre schwinden“, bilanziert Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA. „Dies sind Zeiten außergewöhnlicher Veränderungen für die Ölindustrie.“

Veränderungen, die vor allem Saudi-Arabien hart treffen werden, allen Rekord-Zahlen zum Trotz. Und der Bericht der IEA hält noch einen weiteren Wermutstropfen für die Saudis bereit: Nicht nur, dass die USA Aramco perspektivisch überholen könnten. Ihr Öl hat laut IEA auch eine bessere Qualität.

Den Saudis scheint die drohende Götterdämmerung bewusst zu sein. Zum einen setzen sie bei Aramco auf zusätzliches Kapital. Zwar wurde der ursprünglich geplante Börsengang vorerst abgeblasen. Stattdessen möchte der Konzern diese Woche erstmals Unternehmensanleihen ausgeben und damit etwa zehn Milliarden Dollar erlösen. Das ist übrigens auch der Grund, warum diese Woche überhaupt die Kennzahlen der sonst eher verschwiegenen Saudis publik wurden.

Zum anderen setzt Aramco auf neue Geschäftsfelder - und dabei vor allem auf den Chemie-Sektor. Erst vorige Woche wurde bekannt, dass der Öl-Konzern für gut 69 Milliarden US-Dollar die Mehrheit am saudi-arabischen Chemiekonzern Sabic übernimmt. Für den Clan um bin Salman ändert sich dabei wenig: Sabic war auch vorher über den Umweg eines Staatsfonds in der Hand der Herrscherfamilie.

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