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Prognosen für 2014 Experten warnen vor Übertreibung bei Aktien

Die Aussichten für 2014 sehen blendend aus, gerade in Aktien sehen viele Anleger ihr Glück. Doch die Verheißung auf schnelle Rendite könnte trügerisch sein. Banken warnen vor überhitzen Märkten – und raten zur Vorsicht.

Gestützt von positiven Vorgaben aus den USA und Asien sowie von guten US-Konjunkturdaten überwand der Dax erstmals in seiner Geschichte die Marke von 9500 Punkten. So wird es aber nicht bleiben. Quelle: dpa

In den Chor der für 2014 optimistischen Aktien-Experten mischen sich zunehmend skeptische Stimmen. Die Börsenprognosen der meisten Banken und Anlageberater gehen zwar davon aus, dass ein weltweit steigendes Wirtschaftswachstum und eine Entspannung in der Eurokrise zusammen mit weiterhin niedrigen Zinsen die Aktienmärkte weiter beflügeln werden. Aus dieser Sicht spreche alles für Aktien und nichts für Staatsanleihen. „Aktien klar übergewichten“ ist der Tenor der meisten Einschätzungen für 2014.

Im vergangenen Jahr war diese Strategie erfolgreich: Europäische Aktienindizes legten zwischen zehn und 20 Prozent zu. Die US-Börse stieg um mehr als 20 Prozent. Auch an der Schweizer Börse können sich die Anleger über Kursgewinne von rund 20 Prozent freuen. Mit sicheren Franken-Anleihen war dagegen kein Geld zu verdienen. Den Trend aber einfach fortzuschreiben könnte sich als Fehler erweisen. „Anlegerinnen und Anlegern, die von den Kursgewinnen der letzten Jahre verwöhnt worden sind, raten wir, ihre Erwartungen zu dämpfen“, hieß es im Marktausblick der Großbank UBS. Im kommenden Jahr dürften die Börsen im Rahmen des Wachstums der Unternehmensgewinne um nur noch fünf bis zehn Prozent steigen, schätzte der Anlagestratege der Zürcher Kantonalbank, Claude Zehnder.

Was Experten für den Kapitalmarkt 2014 erwarten
Jeden Winter veröffentlichen die internationalen Banken ihren Kapitalmarktausblick für das kommende Jahr: Wie entwickeln sich einzelne Währungen, Staatsanleihen, die Inflation, das Wirtschaftswachstum einzelner Länder und Wirtschaftsregionen oder die Leitindizes. Als Rückversicherung geben viele Geldhäuser neben ihren Prognosen aber auch gleich noch mit an, dass natürlich alles ganz anders kommen kann. So gab beispielsweise der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Burkert, zum Abschluss seines Kapitalmarktausblickes zu, dass gleich ein ganzes Bündel möglicher Gefahren die Zuversicht der Investoren ins Wanken bringen und sämtliche Aktienprognosen über den Haufen werfen könnte. So könnte die Angst vor dem Platzen von Preisblasen an den Finanzmärkten für Verunsicherung sorgen. Im Folgenden also die Analystenprognosen - wie immer ohne Gewähr. Quelle: Fotolia
Aktienprognose von SchroedersDie Experten der britischen Vermögensverwaltung Schroeders gehen davon aus, dass europäische Aktien auch 2014 ein starkes Aufwärtspotenzial haben. "Ein verbessertes Ertrags-Momentum dürfte als nächster Impulsgeber für einen Aufschwung bei europäischen Aktien dienen", sagt Rory Bateman, Leiter britische und europäische Aktien bei Schroders. Für ihn ist im kommenden Jahr ein Stockpicking-Ansatz der Schlüssel zum Erfolg, um die Gewinner unter den europäischen Werten zu ermitteln. "Anleger sollten sich nun darauf konzentrieren, zwischen den verschiedenen Grautönen innerhalb des europäischen Marktes zu unterscheiden. Allgemeingültige Anlagestrategien für bestimmte Sektoren oder Ländern sind nämlich nicht mehr angebracht. 2014 wird für den europäischen Aktienmarkt ein Jahr der Einzeltitelauswahl", ist der europäische Aktienexperte überzeugt. Er rät beispielsweise zu Papieren von Unternehmen aus dem Lebensmittel- und Getränkesektor sowie zu Konsumgüterherstellern. Quelle: Screenshot
Schroeders zur Entwicklung bei den BankenMit Blick auf die viel befürchtete Bankenkrise in Europa kann Bateman beruhigen: „Das Risiko einer systemischen Bankenkrise in Europa ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Banken in der Region haben den Fremdkapitalanteil und die Risikopositionen in ihren Bilanzen abgebaut und geben Aktien aus. Der Sektor ist also auf dem richtigen Weg, um die in Basel III festgelegte Kernkapitalquote von zehn Prozent bis Ende 2013 umzusetzen – weit vor der gesetzlich vorgesehenen Frist.“ Außerdem werde die Europäische Zentralbank (EZB) 2014 die Vermögensqualität im Bankensektor prüfen. Und auch wenn einzelne Banken vermutlich zusätzliches Kapital benötigen werden, geht der europäische Aktienexperte davon aus, dass das Vertrauen damit nicht nur wiederhergestellt, sondern auch signalisiert werde, dass die europäischen Banken kein systemisches Risiko mehr darstellen. Während spanische Banken aufgrund von Immobilienkrediten mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, würden notleidende Kredite auch den italienischen Banken gewisse Unsicherheiten bescheren. Quelle: dpa
DAX-Prognose der TargobankDer Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang blickt optimistisch in das kommende Börsenjahr: „Wir sehen für den DAX ein Rückschlagpotenzial bis 8.300 Indexpunkte, erwarten ihn aber zum Jahresende 2014 bei rund 10.700 Zählern“, sagt er. Obwohl der deutsche Leitindex in den letzten zwei Jahren gut 30 Prozent zugelegt habe, sei er noch nicht überwertet. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in der Nähe der langfristigen Durchschnitte", so Lang. Die große Skepsis der Vergangenheit, die sich in sehr niedrigen Bewertungen niederschlug, sei in hoffnungsvolle Erwartungen umgeschlagen. Quelle: obs
Rohstoffausblick der TargobankBei den Rohstoffmärkten werde sich auch 2014 nicht viel tun, so Lang. Jedenfalls lasse die Aufwärtsbewegung weiter auf sich warten. Quelle: dpa
Targobank zur Inflation und GeldpolitikChefvolkswirt Lang geht davon aus, dass die US-Notenbank FED unter neuer Führung eine Wende in der Geldpolitik einleiten, aber sehr, sehr viel Augenmaß walten lassen wird. "Die Notenbanken werden ihre Geldpolitik nur ändern, wenn die Konjunktur anzieht." Es sei dennoch möglich, dass die FED im Laufe des zweiten Quartals 2014 ihr Anleihen-Ankauf-Programm reduziere. Und weiter: "Je lockerer die europäische Geldpolitik wird, desto fester notiert der Euro." Der Glaube an mögliche Wunderwaffen der EZB und vor allem an den "Magier" Draghi erstaune, solle aber nicht beiseite gewischt werden. "Wir sind skeptisch, ob ein Zurückfahren der lockeren Geldpolitik, womit im ersten Halbjahr 2014 gerechnet werden sollte, in den USA wirklich einen stärkeren Dollar bedingt. Das gilt umso mehr, wenn Europa sich 2014 aus der Rezession befreien kann." Inflation spielt Lang zufolge 2014 keine Rolle. "Es ist sogar möglich, dass sich der Preisauftrieb für den gesamten Euroraum der Null-Linie nähert", prognostiziert er. "Das wird der EZB nicht gefallen." Auch die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den europäischen Südländern dürfte sie beunruhigen. Quelle: REUTERS
Targobank zur Weltkonjunktur und den Anleihemärkten"Die Weltkonjunktur wird sich in den kommenden sechs Monaten nur langsam erholen", sagt Lang. "Belebungseffekte gehen von den USA aus, aber weiter nur sehr verhalten von den Emerging Markets." So werde die chinesische Wirtschaft erst in der zweiten Hälfte 2014 Fahrt aufnehmen. Europa könne sich zwar aus der Rezession befreien, doch ein konjunktureller Aufwärtstrend werde sich frühestens Mitte 2014 herausbilden. "Deutschland kann mit positiven Wachstumsraten rechnen", glaubt der Experte. An den Rentenmärkten haben "Südeuropäische Anleihen Kurspotenzial, weil es der Politik gelingen sollte, die Euro-Krise weiter einzudämmen", sagt Lang. "Die jüngsten, wenn auch nur marginalen Rating-Verbesserungen für Griechenland und Spanien, sind Vorboten einer Stabilisierung in der Eurokrise." Das Schwerpunktinvestment der Targobank blieben aber dennoch Unternehmensanleihen mit kürzeren Laufzeiten. Quelle: dpa

Ein weit verbreiteter Optimismus gilt als Warnsignal. Die von einer allgemeinen Euphorie getragene Aufwärtsbewegung der Börsen gleiche zunehmend einer Blasenbildung, urteilte die Grüebler Vermögensverwaltung aus Zürich. "Das Ausmaß der Hausse ist bei objektiver Betrachtung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur teilweise gerechtfertigt", so die Vermögensverwaltungsfirma. Die Drosselung der Anleihenkäufe durch die US-Notenbank und die Frage der Schuldenobergrenze in den USA sowie ein neues Aufflackern der Euro-Krise könnten jederzeit wieder neue Unsicherheit auslösen.


Tiefzinspolitik noch nicht verdaut

In den ersten drei bis vier Monaten dürfte die positive Entwicklung bei Aktien noch anhalten, erwartet die Bantleon Bank in Zug. Ob dann eine gut laufende Konjunktur die Geldschwemme der Notenbanken als Antriebsmotor für Aktien ablösen könne, sei offen. "Im Laufe des zweiten Quartals werden Wolken aufziehen. Unsere Frühindikatoren lassen einen konjunkturellen Dämpfer erwarten", sagte Bantleon-Chefökonom Harald Preissler. Wegen höherer Zinsen dürften Firmen bei den Investitionen vorsichtiger werden. Der Aufschwung könnte kippen und das Umfeld für Aktien könnte sich verschlechtern. "Dann beginnt die Suche nach sicheren Häfen", sagte Preissler. Gewinner dieser Entwicklung dürften die Staatsanleihen der Schweiz, Deutschlands und der USA sein. „Dann werden Bundesanleihen wegen der Aussicht auf Kursgewinne gesucht.“

Zur Vorsicht mahnt auch die Bank Pictet, die für die Märkte grundsätzlich positiv ist. Die Zinsen seien zu lange nahe Null gehalten worden. „Es ist zu befürchten, dass viele Investitionen getätigt wurden, die bei höheren Kapitalkosten nicht tragbar gewesen wären“, erklärte die Genfer Vermögensverwaltungsbank. Vor allem der übertriebene Optimismus institutioneller US-Anleger könnte zum Risiko werden.

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Von einer Übergewichtung der Aktien sollten Anleger die Finger lassen. „Es ist an der Zeit, gut gelaufene Positionen abzubauen und Gewinne mitzunehmen“, argumentierte der Bantleon Experte.

Welche Szenarien auch immer eintreten, die Schweizer Börse dürfte im kommenden Jahr nicht zu den Spitzenreitern gehören. Die sogenannte defensiven, weniger von der Konjunktur abhängigen Pharmawerte Roche und Novartis sind nach Analysteneinschätzungen ebenso wie Nestle bereits jetzt hoch bewertet. Konjunkturabhängige Titel wie ABB oder der Baustoffkonzern Holcim haben ein relativ geringes Gewicht im Index und können den Gesamtmarkt im Falle einer weltweiten Konjunkturerholung nur in Grenzen nach oben ziehen. "Die Schweiz ist zu teuer und zu defensiv", so Christina Böck, die Chefin von AXA Investment Managers Schweiz.

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