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Ramsch-Anleihen Die Zwei-Billionen-Dollar-Blase

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Von Rekordhoch zu Rekordtief

Bisher haben die Investoren mit Junkbonds satte Gewinne erzielt. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 haben Hochzinsanleihen einen Ertrag von 157 Prozent gebracht, wie Indizes der Bank of America Merrill Lynch zeigen. Inzwischen akzeptieren Anleger jedoch immer niedrigere Renditen als Entschädigung für das Risiko, das sie eingehen. Die Rendite der Junkbonds ist laut Bank of America von einem Rekordhoch bei 23,2 Prozent Ende 2008 auf ein Rekordtief von 5,6 Prozent im Juni gefallen. Die Anleger kaufen trotzdem noch, klagen aber immer häufiger, sie hätten keine andere Wahl, um überhaupt einen Ertrag zu erzielen.

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Nick Hayes, Manager des AXA WF Global Strategic Bonds, hält Hochzinsanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen weiter für attraktiv, schränkt jedoch ein: „Wir gehen selektiv und vorsichtiger vor. Mittlerweile erscheinen die Bewertungen in Teilen des Marktes teuer.“ Das Neuemissionsvolumen habe sich zwar stark erhöht, allerdings sei eine Reihe von bonitätsstarken Titeln mit schwächeren Sicherungsklauseln emittiert worden. „Unserer Ansicht nach dürfte bald das Ende einer sehr starken Phase bevorstehen; auf jeden Fall nähern wir uns dem Ende eines Zyklus, in dem viele Anleger phasenweise höhere Risiken zum falschen Preis kaufen werden“, erklärt Hayes. „Auch wenn wir uns noch nicht an diesem Punkt befinden, ist entsprechende Vorsicht angebracht.“

Angesichts des großen Interesses der Anleger an den Hochzinsanleihen können die Kreditnehmer immer stärker die Bedingungen diktieren. In den USA sind erstmals mehr als die Hälfte der als „Ramsch“ eingestuften Darlehen „covenant-light“. Das bedeutet, sie wurden unter erleichterten Auflagen an Unternehmen vergeben. Der übliche Gläubigerschutz wie beispielweise eine Begrenzung der Schuldenaufnahme im Verhältnis zum Gewinn fehlt.

Die Freigiebigkeit der Notenbanken führt dazu, dass Kreditnehmer, die andernfalls Pleite gegangen wären, fällige Schulden ablösen und die Laufzeiten verlängern konnten. Die weltweite Ausfallquote fiel im Mai auf 2,3 Prozent, zeigen jüngste Daten der Ratingagentur Moody‘s. Der historische Schnitt liegt etwa doppelt so hoch.

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„Hochzinsanleihen sind ein Modekauf geworden, daher gibt es Raum für starke Kurseinbrüche“, sagt Alan Miller, Gründungspartner und Chief Investment Officer bei den Vermögensverwalter SCM Private in London. „Wenn es einen Einbruch am Markt gibt und viele Anleger verkaufen, hätten viele Investmentfonds die entsprechende Liquidität nicht und es würde eine Riesenwelle von Aussetzungen bei Anleihefonds geben.“

Der Tag der Abrechnung ist bereits absehbar. Bei Schuldnern mit einem „Ramsch“-Rating werden in den nächsten fünf Jahren Verbindlichkeiten im Umfang von 737 Milliarden Dollar fällig. Den Höhepunkt wird nach Daten der Ratingagentur Moody‘s das Jahr 2018 markieren. Dann werden die Fälligkeiten den höchsten Stand seit der Finanzkrise erreichen.

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