Reaktionen am Geldmarkt: Verschärfung der Ukraine-Krise: Börsen erzittern, Russlands Rubel stürzt ab
Der russische Rubel sinkt auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Monaten. Im Gegenzug steigt der Dollar auf bis zu 80,58 Rubel
Foto: imago imagesDer eskalierende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hat am Dienstag zu einer Fortsetzung der Talfahrt an den Aktienmärkten geführt. Der Dax fiel auf ein weiteres Tief seit März vergangenen Jahres. Kurz nach dem Handelsstart büßte der deutsche Leitindex 2,23 Prozent auf 14.402,96 Punkte ein. Der MDax der mittelgroßen Werte sackte um 2,56 Prozent auf 31.503,59 Punkte ab. Europaweit eröffneten die Börsen ebenfalls mit deutlichen Verlusten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 2,12 Prozent auf 3901,10 Punkte nach.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Montag gegen internationalen Protest die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als souveräne Länder anerkannt. Er wies per Dekret auch die Entsendung russischer Soldaten an. Die USA und die EU kündigten Strafmaßnahmen an. „Entscheidend wird jetzt sein, ob der Westen die Schritte Russlands zur Anerkennung der abtrünnigen Gebiete als Invasion betrachtet oder nicht“, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager vom Vermögensverwalter QC Partners. Von der Einordnung der Geschehnisse werde es abhängen, welche Sanktionen kurzfristig in Kraft treten. „Klar ist bereits, dass Sanktionen gegen Russland kommen“, betonte Altmann.
Bei den Einzelwerten führte der Gesundheitskonzern Fresenius im Dax die Verliererliste mit einem Minus von bis zu sieben Prozent an. Die Aktien der ebenfalls im Dax notierten Dialysetochter FMC legten nach Zahlenvorlage zunächst zu, bevor sie ebenfalls ins Minus drehten. Bei Fresenius Medical Care hätten die Zahlen für 2021 etwas unter den Erwartungen gelegen, sagte ein Händler.
Der Einbruch der russischen Börse wegen der Eskalation im Ukraine-Konflikt setzte sich derweil nahtlos fort. Der RTS-Index sackte am Dienstagmorgen um fast 9 Prozent auf 1101 Punkte ab. Damit steuert der Moskauer Leitindex auf den vierten Verlusttag in Folge und einen Gesamtverlust in diesem Zeitraum von mehr als einem Viertel zu. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte gegen internationalen Protest die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als souveräne Länder anerkannt und per Dekret die Entsendung russischer Soldaten angewiesen.
Auch die Märkte in Asien schickte die Verschärfung der Krise am Dienstag auf Talfahrt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 2,1 Prozent tiefer bei 26.351 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 1,7 Prozent und lag bei 1877 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 1,4 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 1,6 Prozent.
Rubel fällt auf 15-Monats-Tief
Der Russland-Ukraine-Konflikt dominiert auch weiterhin das Geschehen auf dem Devisenmarkt. Der russische Rubel sinkt auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Monaten. Im Gegenzug steigt der Dollar auf bis zu 80,58 Rubel. Im Handelsverlauf dämmt die russische Landeswährung ihre Verluste wieder etwas ein. „Mit der Anerkennung der beiden von der Ukraine abtrünnigen ‚Volksrepubliken‘ durch Russlands Präsident Wladimir Putin und mit seiner Ankündigung, reguläre russische Truppen dorthin zu entsenden, hat der russische Machthaber die niedrigste Eskalationsstufe gewählt, die möglich war“, sagt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann.
Nach diesem Schritt Russlands „sind wir einer militärischen Intervention sehr viel näher, was natürlich die Stimmung an den Märkten deutlich verschlechtern wird“, sagte Carlos Casanova, leitender Asien-Ökonom bei UBP. Die kurzfristige Volatilität an den Märkten sei sowohl durch geopolitische Faktoren als auch durch die US-Notenbank „unerbittlich“. Die Folgen seien höhere Ölpreise, ein Ausverkauf von Aktien und eine Flucht in sichere Anlagen.
Brent-Öl aus der Nordsee verteuerte sich am frühen Dienstagmorgen um zwei Prozent auf 97,35 Dollar pro Barrel. In der Spitze zieht der Preis kurzfristig bis auf 97,66 Dollar pro Barrel und damit auf den höchsten Stand seit September 2014. Der Preis für die US-Sorte WTI zieht knapp vier Prozent auf 94,47 Dollar an.
Der Euro bewegte sich am Dienstag nach der Berg- und Talfahrt zu Wochenbeginn zunächst nur wenig. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Morgen zeitweise unter 1,13 Dollar und wurde zuletzt bei 1,1309 Dollar gehandelt. Dies entspricht in etwa dem Niveau vom Vorabend. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,1338 Dollar festgesetzt.
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