WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rechtsanwalt Andreas Lang "Vertrieb haftbar machen"

Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht warnt vor den Fonds von Proven Oil und verrät, wie Anleger sich wehren können.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Andreas M. Lang Quelle: Presse

Rechtsanwalt Andreas M. Lang, 43, ist Experte für geschlossene Fonds bei der Anlegerschutz-Kanzlei Nieding+Barth in Frankfurt am Main.

WirtschaftsWoche: Herr Lang, würden Sie einen Fonds zeichnen, der Ihnen hohe Renditen in Aussicht stellt, aber zugleich davor warnt, dass „betrügerische Absichten“ von Vertragspartnern „nicht ausgeschlossen“ werden können?

Andreas M. Lang: So eine Formulierung ist mir bisher noch nicht unter gekommen. Wenn ich so etwas in einem Prospekt lese, dann gehe ich als Anleger davon aus, dass das eine unseriöse Geschichte ist. Dann mache ich natürlich einen weiten Bogen drum herum.

In den Prospekten von fünf der acht „Proven Oil Canada“-Fonds finden sich genau solche Warnungen. Die Firma hat von 11.000 Anlegern rund 300 Millionen Euro eingesammelt. Haben die Anbieter aufgrund der Warnung in den Prospekten jetzt einen Freibrief?

Definitiv nicht. So etwas hat keinerlei rechtliche Wirkung. Ansprüche der Anleger werden mit einem solchen Warnhinweis nicht beeinträchtigt. Die Geschäftsführung kann nicht etwa darauf verweisen: „Wir haben euch doch gewarnt.“ Die ordnungsgemäße Überprüfung der Vertragspartner ist eine wesentliche Aufgabe der Geschäftsführung. Wenn sie dieser Aufgabe nicht nachkommt, haftet sie den Anlegern auch für hierdurch entstandene Schäden. Daran ändert sich auch nichts durch eine solche Formulierung im Prospekt.

Was Fondskäufer wissen sollten

Bisher sind die Anleger ruhig – wohl auch wegen der stets erfolgten Vorabausschüttungen.

Hier besteht die Gefahr, dass sich Anleger zu früh freuen. Mit jeder nicht durch Erträge gedeckten Ausschüttung steigt die Haftung der Anleger, und zwar bis zur Höhe des eingesetzten Kapitals. Das bedeutet: Wenn die Fonds in Schieflage geraten sollten, dann kann es passieren, dass die Anleger alle bisher erhaltenen Ausschüttungen auf einen Schlag zurückzahlen müssen.

Was Anleger tun können

Mit diesen Werten zocken Anleger am liebsten
15. PlatzDie Commerzbank-Aktie liegt wie Blei in vielen Depots. Viel Freude hatten die Aktionäre in den vergangenen Monaten und Jahren nicht mit den Papieren. Auch die Kursgewinne der vergangenen Wochen ändern daran wenig. Trotzdem oder gerade deshalb gehört die Commerzbank zu den beliebtesten Basiswerten der Zertifikate-Anleger. Mit einem Volumen von 13,5 Millionen Euro wurden an der Stuttgarter Börse Commerzbank Faktor 4x Short DAXF Indizes ge- und verkauft. Das reicht für Platz 15 der beliebtesten Basiswerte, die im September an der Stuttgarter Börse gehandelt wurden. Quelle: Börse Stuttgart Quelle: dpa
14. PlatzAuch die Bayer-Aktie zog zuletzt kräftig an. Seit Juli ist das Papier kontinuierlich im Wert gestiegen. Von den Kursgewinnen wollten auch viele Zertifikate-Anleger profitieren. Sie handelten Papiere mit Basiswert Bayer für 15,5 Millionen Euro. Quelle: AP
13. PlatzIm August brach bei BMW der Neuwagenverkauf um 13,5 Prozent ein. Das belastete auch den Kurs der Aktie. Dennoch waren die Papiere zuletzt bei den Anlegern gefragt. Zertifikate mit Basiswert BMW wurden mit einem Volumen von 19,1 Millionen Euro gehandelt. Quelle: dapd
12. PlatzEntgegen ihrer Ankündigung wird die Commerzbank wohl auch für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende an ihre Aktionäre auszahlen. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus plagen vor allem Probleme im Kreditgeschäft. Zertifikate-Anleger stört das weniger. Sie zockten trotzdem kräftig mit Papieren auf Deutschlands zweitgrößte Bank. Im September wurde der Basiswert Commerzbank an der Börse Stuttgart mit einem Volumen von 21,5 Millionen Euro gehandelt. Quelle: dpa
11. PlatzObjekt der Begierde vieler Anleger war im September auch Silber. Sie kauften und verkauften Papiere mit Basiswert Silber im Volumen von 22,8 Millionen Euro. Quelle: dpa
10. PlatzAnfang Juni war ein günstiger Zeitpunkt, um Aktien der Telekom zu kaufen. Seither hat das Papier rund 20 Prozent zugelegt. Im September war der Bonner Konzern auch bei Zertifikate-Anlegern gefragt. Sie kauften und verkauften den Basiswert Telekom in Höhe von 23,1 Millionen Euro. Quelle: dapd
9. PlatzDie Pkw-Absatzkrise in Deutschland macht auch Volkswagen zu schaffen. Doch was hierzulande schlecht läuft, klappt in den USA umso besser. Dort verbuchen die Wolfsburger Verkaufsrekorde. Ähnlich gefragt wie VW-Fahrzeuge in Übersee, war im September der Wolfsburger Konzern bei Anlegern. Sie kauften und verkauften Zertifikate auf die Aktie im Volumen von 26,2 Millionen Euro. Quelle: rtr

Was können Anleger jetzt tun?

Der erste Schritt ist immer, bei Gesellschafterversammlungen der Fondsgesellschaft Auskünfte zu verlangen. Als Anleger habe ich insbesondere darauf Anspruch, mir selbst ein Bild zu machen, wie sich die Ausschüttungen zusammensetzen und wie die finanzielle Lage der Gesellschaft aussieht, an der ich beteiligt bin. Hierzu gehört auch der Einblick in Unterlagen, meiner Meinung nach insbesondere auch in die testierten Bilanzen der Objektgesellschaften.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Und der zweite Schritt?

Bei fehlerhaften Angaben in Prospekten besteht grundsätzlich die Möglichkeit, den Anbieter auch in Deutschland haftbar zu machen. Dies halte ich hier aber für wenig sinnvoll, weil es sich letztlich um ein kanadisches Firmengeflecht handelt. Selbst wenn ich vor einem deutschen Gericht ein Urteil erziele, bleibt dann immer noch die Frage, ob und wie ich das überhaupt in Kanada vollstrecken kann.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Zudem kann die Sache teuer und langwierig werden, wenn ich zur Rechtsverfolgung eine kanadische Anwaltskanzlei beauftragen muss. Juristischen Schritten in Kanada stehe ich daher eher skeptisch gegenüber.

Was bleibt Anlegern sonst übrig?

Ich würde zunächst überprüfen, ob im konkreten Fall die Möglichkeit besteht, den Vertrieb haftbar zu machen. Beratungsfehler sind in der Realität häufig und scheinen mir im Fall Proven Oil recht wahrscheinlich zu sein. Die Haftung wegen fehlerhafter Anlageberatung ist auch ein scharfes Schwert. Bei einer solchen Vorgehensweise stellt sich allerdings regelmäßig die Frage, ob der Berater überhaupt zahlungsfähig ist. Er sollte möglichst volle Taschen haben, unter einem größeren Haftungsdach organisiert sein, oder idealerweise über eine Versicherung verfügen. Dann bestehen oft realistische Möglichkeiten, zumindest einen Teil des Geldes wieder zu bekommen. Alles andere erscheint mit aufgrund der bei Proven Oil vorliegenden Struktur nicht sehr erfolgversprechend.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%