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Reform des Leitindex Die neuen Stars im Dax

Künftig mit 33 Prozent mehr Inhalt: Der Dax wächst ab September von 30 auf 40 Werte. Quelle: REUTERS

Der deutsche Leitindex wächst von 30 auf 40 Werte an. Welche Unternehmen könnten nun in den Dax aufrücken, welche rausfliegen? Ein Überblick über die mögliche Zusammensetzung der ersten Börsenliga.

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Von September 2021 an erweitert die Deutsche Börse den Deutschen Aktienindex (Dax) um 10 auf dann insgesamt 40 Werte. Das ist das Ergebnis der sogenannten Marktkonsultationen, die die Börse diesen Herbst nach dem Wirecard-Skandal angestoßen hatte. Eine Konsequenz aus der Befragung unter rund 600 Vertretern aus Finanzindustrie, Unternehmen, aber auch Privatleuten ist die Erweiterung des Dax. Zudem wird es leichter, Dax-Kandidaten zu identifizieren. Denn von September 2021 an bestimmt die Börse Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung. Das bisherige zusätzliche Kriterium Börsenumsatz entfällt. Stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität, also eine gewisse Handelbarkeit der Aktie, aufweisen. Wenigstens eine Milliarde Euro im Jahr muss der Börsenumsatz betragen oder ein Fünftel des frei handelbaren Marktwertes, um in den Dax zu kommen. Wer dort bleiben will, dem reicht dann noch ein jährlicher Umsatz von einem Zehntel des frei handelbaren Marktwertes.

Mit der Erweiterung wird der Dax ziemlich sicher bunter. Und schon jetzt dürfen Investorinnen und Investoren spekulieren, wer denn in den Dax aufsteigt. Ziemlich sicher ist das Flugzeugbauer Airbus, der mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von 71 Milliarden Euro auf Augenhöhe mit der Deutschen Telekom sogar gleich ein Top-5-Wert wäre. Airbus kommt dabei zugute, dass ein Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen, wie es das deutsch-französische Unternehmen mit seiner Militärsparte hat, nicht übernommen wurde. Sehr sicher im Dax, falls ihre Kurse nicht deutlich fallen sollten, wären auch der Medizintechniker Siemens Healthineers mit rund 41 Milliarden Euro Börsenwert, der Online-Modehändler Zalando bei derzeit rund 20 Milliarden Euro Marktkapitalisierung, Siemens Energy mit 18 Milliarden, der Bremssystemespezialist Knorr-Bremse (17 Milliarden), die Hannover Rückversicherung (17 Milliarden), der Aromenhersteller Symrise (14 Milliarden), Puma (13 Milliarden) und der Biotech- und Laborspezialist Sartorius, der insgesamt 27 Milliarden Euro schwer ist und dessen Vorzugsaktien gut 12 Milliarden auf die Waage bringen. Dazu gesellten sich der Chemiekonzern Evonik (11 Milliarden). Möglicherweise würde es mit der Jenaer Carl Zeiss Meditec (10 Milliarden) endlich auch ein Unternehmen aus Ostdeutschland in die neuen Top 40 schaffen.



Covestro wackelt

Da einige Konzerne aus der zweiten Reihe, vor allem aus dem MDax, der von 60 auf 50 Werte schrumpfen wird, schwerer sind als einige aktuelle Dax-Mitglieder, könnte die Neuzusammensetzung über eine einfache Aufstockung hinausgehen. Der Chemiker Covestro würde derzeit etwa rausfallen mit seinem Marktwert, der bei nur neun Milliarden Euro liegt. Der Versorger Uniper und der Chemiehändler Brenntag liegen mit je rund zehn Milliarden Börsenwert darüber, der Biotechzulieferer Qiagen ist derzeit genau so viel Wert wie Covestro. Wackelig könnte es auch für das aktuelle Dax-Mitglied HeidelbergCement bei rund zwölf Milliarden Euro Börsenwert werden. Noch abgesichert ist da die Deutsche Wohnen mit 15 Milliarden. Sollten die Kurse ihrer Unternehmen weiter steigen, könnten sich aber auch Aktionäre des Großküchenherstellers Rational (Börsenwert 8,7 Milliarden) und der Immobilienfirma Aroundtown (8,5 Milliarden) Hoffnung auf eine Dax-Mitgliedschaft machen.

Delivery Hero darf bleiben

Neu ist auch, dass bereits von diesem Dezember an Dax-Kandidaten vor ihrer möglichen Aufnahme in zwei Jahresberichten einen positiven Gewinn vor Steuern, Zinsen und Vermögensabwertungen (Ebitda) ausweisen müssen. Das würde etwa gegen Delivery Hero sprechen, die dieses Jahr Wirecard im Dax ersetzt hatten. Der Lieferdienst schrieb etwa im ersten Halbjahr 2020 da einen Verlust von 320 Millionen Euro und bleibt vermutlich auch das Gesamtjahr über auf Ebitda-Ebene in den roten Zahlen. Doch gilt diese Regelung nur für die Neuaufnahme, nicht für bereits im Dax etablierte Unternehmen. Mit einem Börsenwert über 19 Milliarden Euro wäre Delivery Hero deshalb weiter sicher im Dax.

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    Wirecard verhindern

    Damit aber Unternehmen nicht mehr im Auswahlindex bleiben, wenn sie wie Wirecard die Zahlenvorlage verschieben, wird es von März 2021 an verpflichtend sein, testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen zu veröffentlichen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss. Um eine zweite Wirecard zu verhindern, müssen von März an alle Neuzugänge zur Dax-Familie, also zu Dax, MDax, TecDax und SDax, auch einen sogenannten Prüfungsausschusses eingeführt haben. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist bis September 2022. Der Prüfungsausschuss ist ein Zusatzgremium zum Aufsichtsrat, speziell um die Bilanz zu überwachen. Ob damit jedoch Betrug wie im Fall Wirecard verhindert werden kann, ist zumindest zweifelhaft. Denn die Mitglieder rekrutieren sich dort gewöhnlich aus dem bereits bestehenden Aufsichtsrat.

    Nachhaltigkeit spielt keine Rolle

    Neu ist auch, dass die Deutsche Börse den Dax planmäßig nun zweimal im Jahr überprüft. Zum bisherigen Termin im September kommt einer im März dazu. Nachhaltiges Investieren wird übrigens kein Kriterium sein. Da will die Börse lieber ihren in diesem März gestartet Dax 50 ESG Index zusätzlich vermarkten.

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