Rendite mit Maschinen So investieren Sie in Roboter

Um Kosten zu sparen, kaufen Unternehmen neue Roboter für ihre Fabriken. Die Automatisierung steht in vielen Branchen noch am Anfang – das bietet Anlegern Chancen zum Investieren.

Quelle: dpa

Er arbeitet hinter Gittern, schnell, gezielt und leise, ohne Murren, trotz der stupiden Arbeit. Nur ein Surren klingt aus dem Käfig, immer im gleichen Takt: Pappe ansaugen, aufs Band legen, Folie draufsetzen. Immer und immer wieder. Roger Schlender beobachtet seinen neuen Roboter bei der Arbeit und flachst: „Einen Vorteil hat das Ding ja: Aufs Klo gehen muss er nicht.“

Schlender führt ein kleines Unternehmen in Hattingen im Ruhrgebiet, seine 15 Mitarbeiter fertigen Ringordner und edle Verpackungen. Keine Massenware, alles auf Bestellung. Vor wenigen Monaten hat sich der Chef einen neuen Mitarbeiter liefern lassen – einen Industrieroboter des Augsburger Roboterbauers Kuka. Schlender hat ihn für 35.000 Euro gekauft, um seine Angestellten von einfachen, aber anstrengenden Arbeiten zu entlasten, wie er sagt. Nebenbei liefert die Maschine eine durchgehend perfekte Qualität, schnell ist sie auch und nimmt außerdem nie Urlaub, nicht einmal ein freies Wochenende.

Besser. Schneller. Mehr. Mit diesen drei Worten lässt sich eine Entwicklung beschreiben, die nicht nur in Hattingen, sondern auf den Werkbänken der ganzen Welt Einzug hält: Das Zauberwort für Effizienz heißt Automatisierung.

Wer glaubt, die Industrie sei schon weitgehend automatisiert, der irrt. Für den Automobilbau ist das richtig, in japanischen Autofabriken etwa stehen pro 1000 Arbeiter bereits mehr als 150 Roboter am Band. Aber viele Branchen stehen noch ganz am Anfang. Die Unternehmensberatung McKinsey rechnet damit, dass die Automatisierung in zehn Jahren Umsätze von mehr als zwei Billionen US-Dollar schaffen wird – jährlich. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 179.000 Industrieroboter verkauft, das sind 40 Prozent mehr als noch zu Beginn der Dekade.

Gewinne automatisieren
Die Aktien von ABB, Fanuc, Kuka und Yaskawa bieten Chancen
Unternehmen (Land)ISINUmsatz¹Gewinn¹KGV²Dividende¹,³
(in Millionen Euro)
ABB (CH)CH001222171630.850279021,43
Fanuc (JP)US3073051027330080925,61,3
Kuka (DE)DE00062044071774,558,326,71
Yaskawa (JP)JP39320000072654,1128,619,11

¹ 2013; 

² KGV auf Basis des für 2014 geschätzten Gewinns;

³Dividendenrendite in Prozent;

Quelle: Bloomberg

Einfacher und günstiger

„Wer diesem Megatrend mit seinem Kapital folgen will, sollte auf Unternehmen setzen, die Roboter bauen und technisch weit fortgeschritten sind“, sagt Georg von Wallwitz, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Eyb & Wallwitz in München. In seinen Portfolios hält er Aktien des Siemens-Konkurrenten ABB, von Kuka und Papiere des japanischen Anbieters Fanuc.

Der größte Automatisierungstreiber seien die steigenden Lohnkosten in China, sagt von Wallwitz. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt sind die Löhne in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um mehr als zehn Prozent pro Jahr gestiegen. Gleichzeitig sinkt die Arbeitsproduktivität. Daher müssen die Hersteller Kosten sparen – folglich ist China der größte und am schnellsten wachsende Robotermarkt der Welt. iPhone-Fertiger Foxconn etwa hat jüngst 10.000 Roboter bei Google bestellt.

Google will bei der Roboter-Rallye mitmischen und hat acht Start-up-Unternehmen aus dem Bereich Robotik gekauft. „Der Markteintritt von Google bedeutet die größte Veränderung in der Robotikindustrie“, sagt Thomas Bauernhansl. Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung erwartet von Google eine Software, die herstellerübergreifend auf verschiedenen Robotern laufen kann – so wie das Betriebssystem Android auf fast allen Smartphones. Das bringe die Branche in neue Dimensionen, weil Roboter einfacher und günstiger werden.

Team aus Mensch und Maschine

Außerdem wird die Einführung von Leichtbaurobotern (LBR) das Geschäft antreiben. Heute kaufen kleinere Unternehmer wie Roger Schlender nur in Ausnahmefällen Roboter, weil diese meist groß und schwer sind und das Risiko besteht, dass in der Nähe arbeitende Menschen verletzt werden. Künftig sollen Arbeiter die Roboter wie Werkzeuge direkt am Band bedienen, ein Team aus Mensch und Maschine. „In fünf Jahren wird mehr als jeder dritte Roboter ein LBR sein“, glaubt Frank Kirchner, Robotik-Experte vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Die Technik werde dann auch für kleinere Unternehmen attraktiv.

Wichtig ist, in welchen Branchen die Hersteller vertreten sind. Aktuell wird die Automatisierung etwa in der Flugzeugfertigung vorangetrieben. „Auch in der Textilbranche, in der Logistik und bei der Verpackung von Lebensmitteln wird viel automatisiert werden“, sagt Kirchner.

Erfolgreiche Robotik-Unternehmen sind mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von mehr als 20 höher bewertet als herkömmliche Maschinenbauer, deren KGV eher bei 15 liegt. Das liegt daran, dass Anleger von ihnen stärkeres Wachstum und bessere Gewinnmargen erwarten. Vier große Unternehmen dürften von der zunehmenden Automatisierung besonders profitieren.

Robotik-Unternehmen

ABB (Chance: 5/Risiko: 4)

Der größte unter den Automatisierern macht rund ein Viertel seines Umsatzes im Bereich Industrieautomation und Robotik. Im vergangenen Quartal lieferte dieser Bereich ein Drittel des Gewinns. Wie viel davon auf den Robotervertrieb zurückgeht, will ABB nicht verraten. Doch das Geschäft mit den intelligenten Maschinen gilt als Ertragsperle. Einzig im Bereich Energietechniksysteme schwächelt der profitable Siemens-Rivale, allerdings macht dieses Segment nur ein Sechstel des Umsatzes aus. ABB ist in mehr als 100 Ländern aktiv und setzt vor allem auf Großaufträge. Im jüngsten Quartalsbericht konnte das Unternehmen 14 Prozent mehr Aufträge in China vermelden. Dort hat ABB seine globale Produktentwicklung und erschließt neue Märkte mit Leichtbaurobotern, etwa im Bereich Lebensmittelverpackung und Elektronik. Die Dividendenpolitik ist aktionärsfreundlich.

Wie Roboter den Alltag erleichtern
Krankenpfleger Ein Roboter CARE-O-bot, der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelt wurde, versorgt eine Bewohnerin eines Pflegeheims mit einem Getränk (undatiert). Auch dieser Roboter unterstützt ältere Menschen im häuslichen Umfeld und das Pflegepersonal in Pflegeeinrichtungen. Quelle: dpa
Der KochBremer Forscher präsentierten 2013 den Roboter „PR2“, der Popcorn machen und Pfannkuchen wenden kann. Das nötige Vorwissen habe sich dieser unter anderem aus dem Internet geholt, sagte Professor Michael Beetz von der Universität Bremen. Sein Team arbeitet zusammen mit sieben europäischen Partnern in einem auf vier Jahre angelegten Projekt an lernfähigen Robotern. Ziel sei es, diese neue Form der Programmierung zunächst bei Robotern anzuwenden, die alte und pflegebedürftige Menschen bei einfachen Aufgaben unterstützen. Diese könnten in den nächsten zehn Jahren einsatzbereit sein. Quelle: dpa
Der BarkeeperDer Roboter "James" des Münchener Fortiss-Institutes für Hightech-Forschung in München (Bayern) ist als Barkeeper programmiert und soll bei einer Interaktion mit Menschen seine Aufgaben nicht nur richtig erledigen, sondern dabei auch auf die sozialen Bedürfnisse seines Gegenübers eingehen. Wer sich bei James bedankt bekommt die Antwort: "Always a pleasure". Quelle: dpa
KuschelrobbeDer weiße Sozialroboter namens Paro soll Demenzkranken Zuwendung schenken. Das mit Sensoren vollgestopfte Kuscheltier reagiert auf Berührung, Licht und Bewegung. Es soll für Demenzkranke Zuwendung simulieren - und ist deswegen vor allem nach einer Messepräsentation 2011 heftig umstritten gewesen. Tritt an die Stelle des Zivildienstleistenden oder der Pflegekraft nun der Sozialroboter? 5000 Euro kostet die schnurrende Pelzattrappe. Quelle: dpa
Putzhilfe mit gutem OrientierungssinnInzwischen schon fast ein Klassiker unter den Haushaltsrobotern ist der autonome Staubsauger. Dieses Modell, ein Samsung Navibot SR 8855, sticht vor allem durch seine Navigationsfähigkeiten heraus. Aus Aufnahmen von einer eingebauten Kamera setzt er ein digitales Abbild des Raums zusammen, den er reinigen soll. Das verhindert laut Hersteller sinnloses Kreuz- und Querfahren wie bei anderen Saugrobotern. Hindernissen weicht der Navibot aus, die eingebauten Sensoren erkennen auch Treppenabsätze. Im Handel gibt es den Navibot ab etwa 320 Euro. Quelle: Presse
Freundlicher KrankenpflegerDieses freundlich dreinschauende Gesicht gehört einem Roboter aus dem Hause Panasonic. Das Modell Hospi-Rimo soll als Kommunikationsplattform für bettlägerige Patienten dienen, die mit dem Roboter von zu Hause aus mit Arzt, Freunden oder Verwandten per Videokonferenz kommunizieren wollen. Der Roboter kann dabei laut Hersteller mit fragilen Ampullen und Medikamenten so vorsichtig umgehen wie eine Krankenschwester. Quelle: Presse
HaarpflegerDieser von Panasonic hergestellte Haarwaschroboter widmet sich der Pflege des Haupthaars von bettlägerigen Patienten. Vollautomatisch kann das Gerät eine komplette Haarwäsche durchführen und dabei eine Spülung einmassieren sowie die Haare nach dem Waschen wieder trocknen. Dabei kommen insgesamt 24 robotische Finger zum Einsatz. Quelle: Presse
Ferngesteuerter SpionHobby-Dektive werden ihren Spaß an diesem Spionage-Roboter haben: Der Meccano Spykee the Spy lässt sich via WLAN per PC oder Mac steuern, die eingebaute Webcam liefert Live-Bilder. Ein Bewegungssender kann so eingestellt werden, dass das Gerät Fotos macht, sobald jemand einen Raum betritt. Ein Spielzeug, das mit rund 180 Euro für die meisten Taschengeld-Budgets allerdings eine Nummer zu groß sein dürfte. Quelle: Presse
iPhone-James-BondIn derselben Preiskategorie bewegt sich auch der andere Roboter-Spion aus dem Hause Meccano, das Modell Spykee Cell. Anders als Spykee the Spy wird dieser Roboter nicht mit dem PC, sondern per Handy gesteuert. Die Fotos überträgt das Gerät kabellos per Bluetooth. Mit dem eingebauten Dock ist der Roboter in der Lage, Musik auf dem iPhone abzuspielen. Quelle: Presse
Vollautomatischer GärtnerAuch im Garten können Roboter die Arbeit von Menschen ersetzen. So bietet der Roboter-Hersteller Ambrogio verschiedene autonome Rasenmäher für verschiedene Gartengrößen an – von maximal 1.500 bis zu 10.000 Quadratmetern. Die hier gezeigte Luxus-Variante L400 soll laut Hersteller Gärten bis zu 10.000 Quadratmetern mähen können – und kostet dafür rund 14.000 Euro. Kleinere Modelle wie der Wiper Blitz X gibt es bereits für rund 1.400 Euro. Quelle: Presse
Metallischer Pool-BoyAuch wer einen Swimming-Pool besitzt, kann auf robotische Unterstützung zurückgreifen. Das hier gezeigte Modell Aquacat super von Dinotec gehört mit rund 2000 Euro zu den Spitzenmodellen. Das Gerät reinigt Boden und Wände und wird per Funkfernsteuerung bedient. Laut Hersteller entlastet der Roboter nicht nur die Filteranlage, sondern sorgt auch für eine Umwälzung des Wassers und eine damit einhergehende bessere Verteilung des Wasserpflegemittels im gesamten Pool. Für kleinere Pools tun es auch Modelle ab etwa 1000 Euro. Quelle: Presse
Schwindelfreier FensterputzerAuch wenn Roboter den letzten Winkel der Wohnung gesaugt und gewischt haben – wer kümmert sich jetzt noch um den ungeliebten Fensterputz? Der Fensterputzer Windoro von Eurobots wird Ende Oktober für rund 450 Euro auf den Markt kommen. Er reinigt Flächen bis zu 35 Quadratmetern. Quelle: Presse
Robotischer PutzteufelIst die Wohnung gesaugt, sollte aber noch feucht gewischt werden. Dazu bietet sich beispielsweise dieses Modell, der Dirt Devil EVO M678 Wischroboter, an. Zum Einsatz kommen dabei Swiffer-Einwegtücher, mit denen sowohl trocken als auch feucht gewischt werden kann. Eine eingebaute GPS-Navigation sorgt laut Hersteller dafür, dass um Stellen mit Hindernissen präzise herumgewischt werden kann. Trocken kann der Roboter Räum bis zu 90 Quadratmetern, feucht bis zur Größe von 25 Quadratmetern wischen. Der Preis liegt bei rund 300 Euro. Quelle: Presse

Fanuc (Chance: 7/Risiko:6)

Der Kurs der Japaner ist zuletzt nur seitwärts gelaufen und hat Nachholpotenzial. Vom schwachen Yen konnte Fanuc in den vergangenen Jahren genauso wenig profitieren wie von der Geldschwemme der japanischen Notenbank, weil der Vertriebsschwerpunkt noch sehr stark auf dem Heimatmarkt liegt. Für eine kurzfristige Kurssteigerung spricht der hohe freie Cash-Flow, aus dem Fanuc eigene Aktien zurückkaufen könnte. Mit einer neuen Generation von automatischen Roboterzellen für den Automobilbau sollen neue Kunden gewonnen werden. Im kommenden Geschäftsjahr wollen die Japaner den Gewinn um ein Drittel steigern. Dafür muss sich aber die zuletzt eingebrochene Nachfrage aus China erholen.

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Kuka (Chance 6/Risiko:5)

Die Aktie des Augsburger MDax-Unternehmens geht sei 2010 steil nach oben und hat dieses Jahr schon 25 Prozent zugelegt. Kurzfristig wird die Roboter-Rallye wohl eine Pause einlegen müssen, das Unternehmen ist mit dem dreieinhalbfachen Buchwert sehr hoch bewertet. Allerdings spricht einiges dafür, dass die Augsburger ihre erfolgreiche Börsenstory langfristig fortsetzen: Durch den Kauf des Aerospace-Experten Alema baut Kuka die Flugzeugbausparte aus. Anleger spekulieren auf Aufträge von Airbus, die gegenüber Boeing in der Automatisierung ihrer Fertigung zulegen müssen. Um in China zu expandieren, hat Kuka vor einigen Monaten den Systemintegrator Reis gekauft. In diesem Jahr sollen dort 5000 Roboter produziert werden. Die große Zukunftshoffnung ist ein neuer Leichtbauroboter, der die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen ermöglichen soll und auch für kleine Unternehmen attraktiv sein kann.

Yaskawa (Chance: 7/Risiko:7)

Der japanische Robotikspezialist hat einen großen Wettbewerbsvorteil: Er ist Technologiepartner des Start-ups Argo Medical, dessen motorisiertes Außenskelett als erste Roboter-Gehhilfe für Gelähmte zugelassen wurde. Die Entwicklung bis zur Produktionsreife dauerte Jahre, nun kann Yaskawa als Pionier das Produkt in Asien vermarkten und weiterentwickeln. So will das Unternehmen eine führende Rolle im Bereich Privat-Robotik einnehmen. Hier sind die Margen meist besser als in der Industrie-Robotik. Ab 2015 werden die ersten Umsätze durch die Kooperation erwartet. Alles in allem ist Yaskawa also eher eine Wette auf die Zukunft, auch weil in diesem Jahr erhebliche Investitionen für eine Restrukturierung anstehen.

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