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Repo-Markt Das Frühwarnsystem der Finanzwelt zeigt Stress an

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Es mangelt an Papieren

Banken und Hedgefonds, die sich am Repo-Markt finanzieren, brauchen immer Papiere, die sie als Sicherheiten für Repo-Geschäfte hinterlegen können. Unter angespannten Marktbedingungen benötigt das Finanzsystem der USA insgesamt 11.200 Milliarden Dollar an hochwertigen Sicherheiten, so das Treasury Borrowing Advisory Committee, ein Beratungsgremium des US-Finanzministeriums. Gibt es nicht genug Sicherheiten, wird die Liquidität knapp. Weil die Akteure am Repo-Markt auch Derivate, Anleihen oder Aktien kaufen, hat eine knappe Liquidität hier Folgen für nahezu alle anderen Anlagenmärkte.

Genau diese Knappheit droht nun. Die größte Gefahr für die Stabilität der Finanzmärkte könnte nun erneut von einem Rückgang der Liquidität am Repo-Markt ausgehen. Es mangelt sprichwörtlich an Sicherheiten.

Der Grund dafür ist grotesk. Das Allheilmittel zur Bewältigung der letzten Finanzkrise, der Ankauf von Anleihen durch die US-Notenbank Fed, droht zum Auslöser der nächsten Krise zu werden. Die Fed hat dank ihrer Anleihekaufprogramme (Quantitative Easing, QE) inzwischen US-Staatsanleihen im Volumen von 2437 Milliarden Dollar angesammelt. Damit hält sie gut 20 Prozent aller ausstehenden Schuldpapiere der US-Regierung.

Entzug von Liquidität

Die Staatsanleihen in der Fed-Bilanz aber fehlen am Repo-Markt als Sicherheiten für neue Kredite. Eine US-Staatsanleihe lässt sich schließlich beliebig oft als Sicherheit verwenden. Das Gleiche gilt für hypothekenbesicherte Schuldverschreibungen (Mortgage Backed Securities, MBS), von denen die Fed im Zuge von QE ein Volumen von 1678 Milliarden Dollar aufgekauft hat.

Wenn die Fed Staatsanleihen und MBS kauft, gibt sie zwar Liquidität in den Markt – aber eben nur einmal. Weil die Anleihen danach aber nicht mehr als Sicherheiten für eine weitere Kreditaufnahme zur Verfügung stehen, entzieht sie unter dem Strich den Märkten Liquidität.

Ausstehendes Finanzierungsvolumen der Primary Dealer am Repo-Markt

Die Annahme, die Fed sorge mit ihren Anleihekäufen für zusätzliche Liquidität an den Finanzmärkten, zieht so gesehen also nicht. Abzulesen ist das auch an den schrumpfenden Handelsvolumina: Obwohl das ausstehende Volumen von US-Staatsanleihen seit 2007 von 4340 auf über 12.000 Milliarden Dollar angeschwollen ist, ging deren durchschnittliches Handelsvolumen in diesem Zeitraum von 570 Milliarden auf zuletzt 504 Milliarden Dollar pro Tag zurück.

Washington rechnet mit Defizitrückgang

Inzwischen verringert die US-Regierung ihre Neuverschuldung gar. Während zwischen 2009 und 2012 im Bundesetat noch Finanzierungslücken von über 1000 Milliarden Dollar pro Fiskaljahr klafften, wird in Washington 2014 mit einem Defizitrückgang von 680 auf 649 Milliarden Dollar gerechnet. Entsprechend kleiner wird das Neuemissionsvolumen von Staatsanleihen. US-Banken halten nur noch rund 550 Milliarden Dollar in Staatsanleihen und Schuldverschreibungen staatlicher Institutionen in ihren Bilanzen. Eigentlich benötigten sie mehr davon – um sie als verwertbare Sicherheiten zur Refinanzierung am Repo-Markt einsetzen zu können und weil sie wegen der verschärften Liquiditäts- und Eigenkapitalvorschriften mehr bonitätsstarke Aktiva vorweisen müssen, die sich auch im Krisenfall rasch zu Geld machen lassen.

Über das sogenannte Reverse-Repo-Programm (RRP) kann die Fed Banken, Geldmarktfonds und anderen Akteuren die begehrte Sicherheit US-Staatsanleihen gegen Cash zur Verfügung stellen. Auf diesem Weg sollte die Fed, darauf war das Programm ursprünglich einmal angelegt, die durch ihre Anleihekaufprogramme geschaffene Liquidität dem Bankensystem wieder entziehen.

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