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Riedls Dax-Radar 36.667 Euro für zwei Tassen Kaffee täglich

Im Umfeld der Italien-Wahl bleiben die Märkte vorerst nervös. Die Liquiditätsschwemme aber sollte größere Verluste verhindern. Die Kaffee-Weisheit spricht eher für steigende Aktien.

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Was Sie noch nicht über Kaffeetrinker wussten
Signature-Latte-Art-Kaffe Quelle: dpa
Im Jahr 2011 lag der Pro-Kopf-Verbrauch nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes bei 149 Litern. Und die Aral Kaffee-Studie zeigt, dass in den vergangenen zwölf Monaten die Lust auf die aromatischen Bohnen weiter gestiegen ist. 75 Prozent aller Befragten gönnen sich täglich Kaffee – 2 Prozentpunkte mehr als 2011. Quelle: dpa
Noch immer die klare Nummer eins, aber der Vorsprung bröckelt: Bevorzugt kochen Deutsche den Muntermacher mit einer klassischen Kaffeemaschine. Allerdings schrumpfte der Anteil von 40 auf nun 37 Prozent. Damit setzt sich der Wandel bei der Zubereitung des Kaffees in den eigenen vier Wänden fort, denn nach Erhebungen des Deutschen Kaffeeverbandes sank 2011 der Verbrauch von klassischem Filterkaffee um 1,1 Prozent. Nutznießer dieser Entwicklung sind laut der neuen Aral Studie Pad-Maschinen. Ihr Anteil stieg um 4 Prozentpunkte von 19 auf 23 Prozent. Sie versprechen im Vergleich zur konventionellen Kaffeemaschine eine größere Auswahl an Geschmacksrichtungen, mehr Frische und Bequemlichkeit. Die Marktanteile verschieben sich fast nur zwischen Pad-Systemen und der klassischen Kaffeemaschine. Quelle: dpa
Im Geschlechtervergleich liegen die Männer (74 Prozent tägliche Kaffeetrinker) leicht hinter den Frauen (77 Prozent). In den verschiedenen Alterssegmenten zeigen sich gravierende Unterschiede. 85 Prozent aller Befragten in der ältesten Gruppe ab 46 Jahren trinken täglich Kaffee, in der mittleren Altersgruppe zwischen 36 und 45 Jahren 81 Prozent. In der jüngsten Vergleichsgruppe im Alter von 18 bis 35 Jahren sind es nur noch 63 Prozent. Quelle: obs
Eindeutige Unterschiede zeigen sich im Vergleich zwischen dem Kaffee in den eigenen vier Wänden und dem Coffee-to-go: Kaffeespezialitäten wie Cappuccino, Milchkaffee, Latte Macchiato oder Espresso spielen bei der häuslichen Zubereitung mit 7 Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Beim Coffee-to-go schnellt dieser Anteil auf 21 Prozent hoch – Platz zwei hinter Kaffee mit Milch und Zucker (29 Prozent). Vor allem Frauen gönnen sich beim Coffee-to-go den besonderen Genuss. 28 Prozent entscheiden sich bevorzugt für eine Spezialität, bei den Männern nur 12 Prozent. Quelle: dapd
Ein größerer Komfort animierte in der Vergangenheit auch immer mehr Kunden zum Kauf eines Vollautomaten, doch scheint der Markt gesättigt zu sein: Die technisch anspruchsvollen und vergleichsweise teuren Maschinen verlieren unter den Studienteilnehmern einen Prozentpunkt von 18 auf 17 Prozent. Alle anderen Zubereitungsarten in den eigenen vier Wänden stagnieren auf niedrigem Niveau: Sowohl Kapsel- Maschinen (8 Prozent), löslicher Kaffee (7 Prozent) oder die Handbrühung (4 Prozent) haben zwar eine treue Anhängerschaft, können aber keine Marktanteile hinzugewinnen. Quelle: dapd
„Black is beautiful“ gilt nur noch für jeden fünften Kaffeetrinker: Nur 21 Prozent der Befragten bevorzugen ihren Kaffee zu Hause schwarz. Das Alter beeinflusst, wie oft die Standardvariante getrunken wird. Nur noch 17 Prozent der 18- bis 35-Jährigen greifen zum schwarzen Kaffee, bei den über 46-Jährigen sind es 27 Prozent. Bei  ihnen steht die unkomplizierte Variante sogar ganz oben auf der Beliebtheitsskala, während die Jüngsten einen Kaffee mit Milch und Zucker (37 Prozent) bevorzugen. Schwarzer Kaffee ist eher ein Getränk von Männern (24 Prozent) als von Frauen (19 Prozent). Über alle Vergleichsgruppen hinweg ist der Kaffee mit Milch und Zucker (28 Prozent) das beliebteste Getränk. Quelle: dpa

Bei uns im Handelsblatt-Haus gibt es seit einiger Zeit eine schöne kleine Kaffee-Ecke, bei der man einen richtig guten Kaffee bekommt. Natürlich, mit rund 1,80 Euro je Tasse (je nachdem, was man nimmt), ist das nicht billig; aber wenn man vielleicht zweimal am Tag statt zum 40-Cent-Becher aus dem Automaten zum guten Kaffee greift, sollte das kaum ins Gewicht fallen. Allerdings: Wenn man sich diesen Luxus jeden Tag gönnt, vertilgt man dabei die Zinsen eines ganzen Anleihedepots, das einen Nominalwert von 36.667 Euro hat – nach folgender Rechnung:

  • 1,80 Euro je Becher, zweimal am Tag, macht im Jahr (bei 220 Arbeitstagen) 792 Euro.
  • Rechnet man Kapitalertragssteuer und Kirchensteuer dazu, sind dafür 1100 Euro jährliche Zinseinnahmen notwendig.
  • Selbst wenn man Anleihen mit einer schon etwas höheren Verzinsung nimmt, sagen wir einmal drei Prozent Jahresrendite, ist dafür ein Investment von 36.667 Euro notwendig.

36.667 Euro reichen gerade mal für zwei gute Tassen Kaffee am Tag! – Eine solche Relation muss man sich vor Augen halten, wenn man meint, man könne mit Zinsanlagen ein normales Leben finanzieren oder sogar Vermögen aufbauen.

Die Kaffee-Weisheit spricht eher für steigende Aktien

Nun, was hat die Kaffee-Rechnung mit der aktuellen Entwicklung an den Kapitalmärkten zu tun? Sie zeigt, dass die Zinsen, selbst wenn man sich etwas ins Risiko wagt, nichts mehr mit ihrer ursprünglichen Funktion zu tun haben: einen fairen, der Ausfallgefahr angemessenen Ertrag für die Überlassung von Kapital zu bieten.

Natürlich wissen wir hier nicht, welche Kaffeeautomaten in den Büros der amerikanischen Fed stehen. Aber es wundert nicht, dass sich dort die Stimmen mehren, die permanente Niedrigzinspolitik (einschließlich solcher Extremmaßnahmen wie Anleihekäufe) könne auf Dauer nicht gut gehen; gerade weil es ja auch immer wieder Anzeichen dafür gibt, dass sich die Wirtschaft zumindest etwas erholt. (Auch hierzulande ist der aktuelle Ifo-Index wieder einmal besser als erwartet.)

Anleihen sind bei Niedrigzins uninteressant

Wo Deutsche investieren – und wovor sie sich fürchten
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise. Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten. Quelle: Schroders Investment Management GmbH Quelle: REUTERS
EuropaDie Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren. Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren. Quelle: dapd
ImmobilienImmobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher. Quelle: dpa
AktienmärkteDas ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft. Quelle: dapd
DeutschlandDie Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
AsienDie asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent. Quelle: dapd
ChinaKnapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent. Quelle: AP

Das jüngste Grummeln der Fed war ein Grund, warum die Aktien in den vergangenen Tagen kräftig einbrachen. In Amerika nicht so stark wie in Europa (da grassiert zudem die Berlusconi-Angst), aber der Dämpfer im Dow ist nicht zu übersehen. Der Kursrutsch in den vergangenen Tagen zeigt zweierlei:

Zum einen die klassische Denkweise, dass steigende Zinsen schlecht für Aktien sind (weil andere Anlagen dann attraktiver werden, steigende Zinsen die Realwirtschaft drosseln und damit auch die Gewinne der Unternehmen);

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Zum anderen die aktuelle Denkweise, dass Anleihen angesichts des niedrigen Zinsniveaus keine lukrative Anlage mehr sind und bei sinkenden Kursen (also wenn die Zinsen steigen) sogar richtig gefährlich werden können.

Was gilt nun?

Entscheidend für die mittelfristige Tendenz an den Aktienmärkten dürfte vorerst eher die zweite Sichtweise sein, also die Weisheit aus der Kaffee-Tasse: Solange die Zinsen insgesamt ein so niedriges Niveau haben, sind Anleihen eine tendenziell uninteressante Anlage und deshalb wird weiter Geld in Aktien fließen. Dieses Geld wird immer dann vermehrt kommen, wenn Korrekturen am Aktienmarkt auftreten, die damit aufgefangen werden, also nicht zu heftig ausfallen sollten.

Börse



Kurzfristig wird es für die Aktien ohne Frage spannend. Der Schwächeanfall wurde im Dax bisher bei knapp unter 7600 aufgefangen, im Euro Stoxx haben nicht einmal die mehrmals genannten 2600 gehalten. Beides macht ohne Frage vermehrte Wachsamkeit notwendig. Ein Rutsch des Dax unter 7580 könnte einen schnellen Verfall auslösen bis zunächst 7440, dann in Richtung 7200.

Natürlich, entscheidend dafür wird der Ausgang der Wahl in Italien. Aktuell, jetzt am Freitag Vormittag, sieht es nicht nach einem Durchmarsch von Berlusconi aus – immerhin.

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