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Riedls Dax-Radar

Zitterpartie Richtung 11.000 Dax-Punkte

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Abwärtsrisiko noch nicht ausgeschöpft

Kurzfristig hat sich die Situation eingetrübt, die Korrektur könnte sich sogar ausdehnen – so lautete an dieser Stelle vor einer Woche das Fazit zum Dax. Daran hat sich nach dem jüngsten Abtaucher nichts geändert. Nach dem kurzfristigen Verkaufssignal um 11.700 reicht das Abwärtspotenzial zunächst einmal bis rund 11.000. Hier trifft der Dax auf den seit Oktober bestehenden Aufwärtstrend.

Den sollte er verteidigen, und dabei hilft vor allem eine wahrscheinlich stabilere US-Börse. Seit mehreren Jahren läuft zwischen europäischen und amerikanischen Börsen dieses Spiel: Je nach Zins- und Währungsvorteil ist mal der eine Markt vorne, mal der andere. Beide zusammen verlaufen aber in einer großen Aufwärtsbewegung.  

Entscheidend für langfristige Anleger ist, dass es nicht auch noch zu einer deutlichen Schwäche der US-Aktien kommt. Das wäre dann ohne Frage eine gefährliche Mischung und könnte zu einer Abwärtswende führen. Bisher allerdings spricht mehr für eine Korrektur im Dax als für das Ende der Hausse.

Meilensteine des Dax von 1988 bis 2015

Bei E.On knistert der Kurs

Wieder ins Blickfeld risikofreudiger Anleger rückt die E.On-Aktie. Kein Wunder, dass die Nachzügler genau beäugt werden, da die meisten Dax-Werte eben schon so weit gelaufen sind. Seit E.On die Aufspaltung in das alte Kraftwerksgeschäft (Uniper) und die E.On als Spezialist für erneuerbare Energien verkündet hat, ist der Kurs wie elektrisiert.

Der Grundgedanke hat Charme – und deshalb ist E.On derzeit schon einmal von sich aus interessanter als etwa die trägere RWE. Wenn E.On Mitte 2016 das Kraftwerksgeschäft an der Börse verkauft, wird reichlich frisches Geld an die E.On-Aktionäre fließen. Im Gegenzug wird natürlich die E.On-Aktie eine scharfe Bereinigung erleben, weil ja auch ein großer Teil des Geschäftsvolumens nicht mehr dabei ist.

Dennoch dürfte der Abschlag vielleicht doch nicht so hoch ausfallen, denn E.On neu ist mit seiner Konzentration auf erneuerbare Energien, Verteilung und einigen internationalen Stromgeschäften durchaus rentabel. Zudem sind die alten Belastungen durch die Kraftwerke vom Bein.

Und Uniper auf der anderen Seite sieht auch besser aus als jetzt im Verbund mit E.On, da die Finanzschulden im Wesentlichen bei der Mutter E.On landen. Allerdings, Uniper muss aller Voraussicht nach mehr als 15 Milliarden Rückstellungen für den möglichen Rückbau von Atomkraftwerken tragen.

Rückstellungen sind nicht zu verwechseln mit Rücklagen. Rückstellungen sind im Grunde offene Rechnungen, deren Höhe man heute noch nicht genau weiß, die aber schon einmal gebucht werden. Geld fließt dabei nicht. Das heisst: Wenn etwa Politiker fordern, man sollte doch die Rückstellungen der Atomkonzerne in Stiftungen überführen, so zeugt das von einem völligen Missverständnis der Lage. Rückstellungen sind letztlich Verbindlichkeiten. Einen Kapitalstock gäbe es nur, wenn es Rücklagen wären.

Diese Rückstellungen dämpfen natürlich den Wert von Uniper. Andererseits setzen die Stromkonzerne auch darauf, dass sie aus Atomklagen sogar etwas herausbekommen. Eine solche Entschädigung käme Uniper zugute.

Unterm Strich ist es 2016 sehr wahrscheinlich, dass der Börsenwert von E.On neu und Uniper zusammen deutlich über dem der heutigen E.On liegt. Und weil darauf in den nächsten Monaten wahrscheinlich immer mehr Anleger spekulieren, hilft das den E.On-Kursen schon jetzt. Insgesamt eine risikobehaftete Spekulation im Dax mit einem mehrjährigen Anlagehorizont.

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