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Riedls Dax-Radar

Aktienmärkte mit russischem Risiko

Die Gefahr einer neuen Eiszeit im großpolitischen Szenario bringt die Aktienmärkte mächtig unter Druck. Wie groß ist das neue Risiko, das sich aus den Turbulenzen um die Ukraine ergibt, für die Börsen wirklich?

Obama warnt Russland vor Intervention in der Ukraine

Seitdem Putin seine Truppen in Bewegung setzte, seitdem müssen die Märkte wieder mit dem politischen Risiko rechnen. Wirtschaftsdaten, Hausbauzahlen, Arbeitslosigkeitsstatistik, ja selbst die gefürchtete Inflation/Deflations-Debatte verblassen dagegen.

Wie groß ist das neue Risiko, das sich aus den Turbulenzen um die Ukraine und ihren geopolitischen Verwicklungen ergibt, für die Börsen wirklich?

Natürlich, sicher beantworten kann derzeit niemand diese Frage. Allein schon die Nachrichtenlage ist höchst heterogen. Als heute Morgen bekannt wurde, Putin würde Truppen wieder zurückziehen, die an der Grenze zur Ukraine ein Manöver abhielten, ging der Dax sofort deutlich hoch, Gold rutschte wieder unter 1340. Solche Reaktionen zeigen, dass die Lage an den Börsen höchst nervös ist.

Politische Börsen haben kurze Beine – ein alter Börsenspruch, der aber keineswegs immer stimmt. Denn wenn sich wirklich im Verhältnis zu Russland ein neuer, kalter Krieg (mit gelegentlichen Tendenzen zu einem heißen) entwickeln würde, wäre das ein völlig neues Szenario für die westlichen Wirtschaften. Nicht umsonst warnt EZB-Präsident Draghi davor, dass damit noch ganz andere Probleme entstehen würden als bei einer Schwellenländerkrise.

Moskau geht es schlicht um den eigenen Machtbereich

Allerdings, ob es nun gleich wirklich zu einer solchen großpolitischen Auseinandersetzung kommen muss, ist offen. Das Russland von heute ist nur noch ein Bruchteil der Sowjetunion (inklusive Ostblock) von damals. Von einem Gleichgewicht des Schreckens, wie es damals hieß, kann heute keine Rede mehr sein.

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Allerdings, weniger gefährlich ist die Auseinandersetzung deshalb nicht. Denn wie schon vergangene Woche an dieser Stelle geschrieben, werden die Machthaber im Kreml  nach 25 Jahren Rückzug jetzt keine Bastion mehr freiwillig räumen. Und während westliche Medien vor allem auf die Unabhängigkeitsbewegungen in den ehemaligen russischen Trabanten blicken, geht es Moskau vor allem um die politische Macht.

Diese beiden Sichtweisen sind jetzt kollidiert – und es wird Aufgabe der westlichen Diplomatie sein, die Unabhängigkeitsbewegungen in den Ländern einerseits nicht vor den Kopf zu stoßen, und andererseits nicht den großen Konflikt mit Russland zu suchen.

Politisch gibt es derzeit mehr Anzeichen dafür, dass die nächsten Monate zwar turbulent bleiben werden, dass die Westmächte (der alte Begriff passt durchaus wieder) aber eher auf Deeskalation setzen – jenseits politischer Rhetorik.

Und genau dieses Szenario wäre für die Börse eine Chance, den gesamten Konflikt einigermaßen zu überstehen.

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