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Riedls Dax Radar
Die Börse in New York nimmt Anlauf auf das Allzeithoch, die Stimmung unter den Händlern ist gut Quelle: imago images

Allzeithoch und mehr in greifbarer Nähe

Der Mix aus starken Technologieaktien, souveränen Finanzpapieren und dem Comeback der Industrieklassiker ermöglicht den Anstieg zum Allzeithoch. Selbst dann müssen Korrekturen nicht das Ende der Aktienhausse bedeuten.

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Die Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China, die Aussicht auf weiterhin niedrige Zinsen und die schwindende Angst vor einer Rezession beflügeln die Aktienkurse weltweit. Dow Jones und Nasdaq 100 haben neue Rekorde erreicht, in Europa dringt der Stoxx 600 über die wichtige Hürde von 400 Punkten. Im Dax fehlen nur noch zwei bis drei Prozent bis zum All-Time-High. Das hatte der deutsche Aktienmarkt im Januar vergangenen Jahres bei 13.560 Punkten markiert, gemessen am Tagesschlusskurs.

Getragen wird der aktuelle Aufschwung im Dax von drei wichtigen Trends: Dem Comeback der Industrieaktien, der ungebrochenen Aufwärtsentwicklung der High-Techs sowie der Stärke der Finanzwerte. Bei allen drei Trends ist außer kurzfristigen Korrekturen keine Erschöpfung in Sicht.

Von konjunktureller Seite gibt es zunehmend Signale einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Jüngste Prognosen, etwa die der Wirtschaftsweisen, sind zwar nicht überschwänglich, rechnen nun aber mit Wachstumsraten von 0,5 bis 0,9 Prozent. Geringe Wachstumsraten sind für Aktienmärkte durchaus gut, weil dies die Zinsen im Zaum hält, der Markt nicht überhitzt und dennoch die Hoffnung auf weiteres, womöglich höheres Wachstum mitschwingt.

Wie das schwarz auf weiß aussieht, zeigen die großen Industrieklassiker im Dax. Siemens hat zuletzt deutlich besser abgeschnitten als erwartet, die Prognosen sind zuversichtlich. Dazu kommt die Fantasie um die Neustrukturierung des Konzerns, mit der sich der weit aufgefächerte Unternehmensverbund vorteilhafter ins Licht der Anleger rücken will.

Siemens-Aktien haben in den vergangenen Wochen den wichtigen Bereich um 100 Euro zurückerobert und mit Kursen bis 114 Euro den Abwärtstrend der vergangenen drei Jahre nach oben durchbrochen. Kurzfristig wäre eine Korrektur in den Bereich 110 bis 105 Euro kein Problem; mittelfristig sollten Kurse um 120 Euro möglich sein.

Bei den Autowerten ist BMW wieder im Kommen. Die Verkaufszahlen sind gut, die Gewinne ziehen trotz mieser Branchenstimmung an, die Bilanz ist eine der besten im Dax. Dass BMW in Sachen Elektromobilität nicht so entschieden auftritt wie VW und zuletzt Daimler, mag in der Debatte um die Strategiewende der Autokonzerne ein Nachteil sein, ändert aber nichts am operativen Erfolg von BMW und am substanziellen Wert der Aktie. Nach einer möglichen Konsolidierungsphase zwischen 70 und 80 Euro könnten BMW mittelfristig in den Bereich um 100 Euro vordringen.

Wenn Volkswagen, Daimler und BMW wieder laufen, gerät auch Continental in Bewegung. Die operativen und strukturellen Probleme von Conti hat die Börse durch schwere Kursverluste hinlänglich verarbeitet – von Anfang 2018 bis Sommer 2019 ist der Kurs um fast 60 Prozent gesunken. Seitdem läuft die Wende. Kurzfristig könnte sich die Aktie im Bereich um 130 Euro festfahren, mittelfristig ist ein Anstieg bis 150 Euro möglich.

Die interessantesten Aktien der Woche

Bei den großen Technologieunternehmen stimmen die Trends. Internationale Marktführer wie Apple und Microsoft präsentierten gute Zahlen und zuversichtliche Prognosen; wichtige Indikatoren wie der Philadelphia Semiconductor Index zeigen Muskeln. Im Dax ist SAP bis knapp an sein Allzeithoch vorgedrungen; ein weiterer Anstieg dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Infineon hat um 19 Euro, nah am Abwärtstrend der vergangenen zwei Jahre, noch zu kämpfen, sollte aber in den nächsten Wochen einen neuen Anlauf starten.

Die Finanzwerte Allianz und Münchener Rückversicherung überzeugen durch ein stabiles operatives Geschäft. Nach den starken Kursanstiegen der vergangenen Wochen wäre eine Verschnaufpause kein Problem. Sie könnte sich bei der Allianz-Aktie zwischen 210 und 220 Euro abspielen, bei der Münchener Rückversicherung zwischen 240 und 250 Euro. Mit Blick auf die Dividendensaison 2020 dürften beide Aktien zu den Favoriten der Investoren gehören.

Fazit für den Dax: Seit Anfang Oktober ist der Dax in einem Zug um zwölf Prozent gestiegen. Bis zu seinem Allzeithoch bestehen noch zwei bis drei Prozent Spielraum. Insgesamt könnte das dann etwa 15 Prozent Plus in einer durchgehenden Marktbewegung ergeben. Spätestens dann aber sollte es zu einer Korrektur kommen. Spielraum nach unten wäre dann zunächst die Marke um 13.000 Punkte, maximal das Niveau der Kursspitzen vom Sommer, das bei 12.600 lag. Nach einer solchen Korrektur könnte der Dax dann Anlauf zu neuen Höhen nehmen. Allerdings dürften dazu neue fundamentale Impulse notwendig sein. Die könnte dann von der nächsten Fed-Sitzung am 10. und 11. Dezember kommen sowie im Umfeld neuer Prognosen zum Jahreswechsel.

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