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Riedls Dax-Radar
Im Rückblick könnte sich der Aktienkurs der Deutschen Bank als günstig erweisen. Das Papier bleibt zwar die heißeste Turnaround-Spekulation im Dax, ist aber nicht die einzige.

Anleger sollten Turnaround-Aktien im Blick behalten

Die Zinswende in Europa ist aufgeschoben. Dennoch sind zahlreiche Aktien aus Angst vor einem Konjunkturrückschlag schwer gesunken. Für strategische Anleger könnten tief gefallene Dax-Werte wie Deutsche Bank, BASF und Fresenius bald wieder interessant werden.

Kaum erholt sich der Dax ein paar hundert Punkte, schon machen die US-Börsen nicht mehr mit. Zwar haben beide Aktienmärkte, der amerikanische und der deutsche, in der vergangenen Woche in der Spitze vier bis fünf Prozent gut gemacht. Doch kurzfristig ist nun auch in Amerika die Lage brenzlig geworden: Die führenden Indizes S&P, Dow und Nasdaq verlaufen unter ihrer 200-Tagelinie und halten sich nur mit Mühe über mittelfristigen Unterstützungen. Gerade in Zitterphasen wäre es wichtig, wenn die Indizes etwas mehr Wasser unter den Kiel bekämen.

Symptomatisch zeigt sich die Schwäche der US-Märkte an einer Branche, die von Donald Trump in den vergangenen Jahren besonders profitiert hat: die Rüstungsindustrie. Der Branchenindex Nyse Arca Defense, in dem neben den Rüstungsaktien General Dynamics, Lookheed Martin oder Raytheon auch der Flugzeugbauer Boeing steckt (der ebenfalls Rüstungsgerät produziert) hat den seit 2016 laufenden steilen Trend vor kurzem gebrochen.

Die Rückschläge dieser genuinen Trump-Branche könnten ein Zeichen dafür sein, dass der Trump-Boom, der 2016 begann, nun langsam zu Ende geht. Die Kapitalmarktstrategen der französischen Axa-Versicherung erwarten für die US-Wirtschaft in diesem Jahr 2,9 Prozent Wachstum, im nächsten Jahr 2,3 Prozent und 2020 nur noch 1,4 Prozent.

Die Börsenwerte der Woche in der Chartgalerie

Fed vor Zinserhöhung

Kommt es in der nächsten Sitzung der amerikanischen Notenbank am 18. und 19. Dezember dennoch zur erwarteten Erhöhung der Leitzinsen, also dann der vierten in diesem Jahr? Fed-Chef Jerome Powell spricht davon, dass die US-Wirtschaft derzeit sehr gut laufe. Der Arbeitsmarkt ist robust, die Inflation hat sich allerdings im November auf 2,2 Prozent etwas abgeschwächt. Im Oktober lag sie noch bei 2,5 Prozent.

Unterm Strich wird die Fed wohl die Zinsen erhöhen – auch um auf jeden Fall nicht als trump-hörig dazustehen. Zudem könnte sie sich verbal ein Fenster offenhalten, um im Falle einer abflauenden Konjunktur mit weiteren Erhöhungen zurückhaltend umzugehen.

Europa trübe, EZB lässt Zinsen unten

Auch in Europa trübt sich das Konjunkturklima ein. Die Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum werden reihenweise zurückgenommen. Für 2018 liegen sie im Schnitt nur noch bei eineinhalb bis zwei Prozent, für 2019 gehen Pessimisten wie das ifo-Institut auf gut ein Prozent zurück. Das wäre noch keine Katastrophe, viel schwächer aber sollte die Wirtschaft jetzt nicht mehr werden. Ein Abgleiten in eine echte Rezession haben die Börsen insgesamt noch nicht eingepreist.

Dass die EZB in diesem Umfeld die Zinsen nicht erhöht, ist kein Wunder. Neue Anleihekäufe werden zum Jahreswechsel planmäßig eingestellt, Käufe auslaufender Anleihen wird es aber weiterhin geben. Eine Wende hin zu höheren Leitzinsen ist frühestens für Ende 2019 in Sicht – wenn die Wirtschaft gut läuft und die Inflation hoch genug ist. Angesichts der jüngsten Schwächezeichen ist wohl eher damit zu rechnen, dass die Zinsen auch dann noch auf sehr niedrigem Niveau bleiben. Die Ratingagentur Fitch rechnet 2020 mit der ersten Zinserhöhung der EZB.

Bund-Renditen runter, Aktien werden attraktiver

Auf die neuen Prognosen haben sich die Kapitalmärkte schon eingestellt: Zehnjährige Bundesanleihen bringen mit 0,3 Prozent fast so wenig, wie seit zwei Jahren nicht mehr. US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit haben sich mit 2,9 Prozent deutlich unter der Dreier-Marke eingependelt. Beide Zinskurven sprechen dafür, dass die Renditen in den großen Industrieländern auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Sogar ein abermaliger Rückgang ist nicht ausgeschlossen. 2016 hatte die Rendite zehnjähriger Bunds mit minus 0,2 Prozent ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht.

Auf die Lauer legen bei der Deutschen Bank

Der Dax ist in den vergangenen Wochen schwer unter Druck geraten, weil Anleger wegen Handelsstreitigkeiten, Brexit-Problemen und italienischer Schulden mit einem Konjunkturrückschlag rechnen. Nachdem es dabei allerdings schon zu heftigen, crashartigen Kursverlusten gekommen ist, stellt sich zunehmend die Frage, wann und bei welchen Aktien es in den nächsten Monaten wieder interessante Kaufkurse geben könnte.

Wie schnell es hierbei gehen kann, zeigt die Deutsche Bank. Seitdem Spekulationen kursieren, die Bundesregierung könnte eine Fusion mit der Commerzbank anschieben, steigt die Aktie. Offiziell ist natürlich noch nichts, ähnliche Spekulationen hat es schon mehrmals gegeben. Und selbst wenn sie zuträfen, wäre es noch ein weiter Weg, aus beiden rissigen Geldhäusern eine feste Großbank zu machen.

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