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Riedls Dax-Radar Ausverkauf am Aktienmarkt

Kurzfristig dürften die Märkte im Crash-Modus bleiben. Quelle: dpa

Virensorgen, Konjunkturängste und Zwangsverkäufe schüren Panik an den Märkten. Dabei gibt es auch Lichtblicke: Die von Megatrends beflügelten Aktien halten sich vergleichsweise gut, kaltblütige Investoren nutzen den Crash zur Justierung ihrer Depots, Zinssenkungen der Notenbanken werden wahrscheinlicher.

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Unmissverständlich signalisiert die amerikanische Notenbank Fed, dass sie den Märkten notfalls unter die Arme greift. Das ist die entscheidende fundamentale Botschaft der vergangenen Tage, dank der die Aktienmärkte etwas Hoffnung schöpfen können. Gerade weil die aktuelle Krise nicht auf die Börsen beschränkt ist, sondern tief in Wirtschaft und Gesellschaft hineinreicht, ist an der Ernsthaftigkeit der Ankündigung nicht zu zweifeln. Wahrscheinlich wird es schon in den nächsten Wochen Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank geben.

An den Aktienmärkten kam es schon einmal zu einer kleinen Zwischenerholung, die den Dax von 11.700 Punkte auf 12.200 Punkte klettern ließ. Bisher fehlen allerdings die Anschlusskäufe. Die hohe Abwärtsdynamik der vergangenen Woche deutet weiterhin auf einen empfindlichen Markt. Viele, auch gute und günstige Aktien, sind in den vergangenen Tagen schwer unter die Räder gekommen, weil sie zur Liquiditätsbeschaffung verkauft werden mussten. Es wird wahrscheinlich noch einige Tage dauern, bis dieser Verkaufsüberhang abgebaut ist.

Ein zusätzliches Problem ist die hohe Volatilität. So bezeichnen Börsianer die Intensität der erwarteten Kursschwankungen. Die Indikatoren dafür, in Europa vor allem der V-Stoxx, notieren weiterhin nahe Crashniveau. Für die Aktienmärkte hat dies eine gefährliche Rückwirkung: Die Volatilität ist einer der wichtigsten Bausteine für den Preis von Optionen. Sind die Kursschwankungen hoch, sind auch Optionen teuer. Damit werden Verkaufsoptionen, eigentlich klassische Absicherungsinstrumente gegen Kursrückschläge, derzeit vergleichsweise wenig eingesetzt. Ohnehin würden sie im Fall einer deutlichen Markterholung, die aktuell ja von einem auf den anderen Moment eintreten könnte, schnell an Wert verlieren. Das alles führt unterm Strich dazu, dass die Aktienmärkte insgesamt kaum abgesichert sind. Das macht sie anfällig für weitere Kursrückschläge.

Märkte im Crash-Modus

Kurzfristig dürften die Märkte im Crash-Modus bleiben. Allerdings gibt es eine wichtige Entwicklung, aus der sich Hoffnung schöpfen lässt – auch im Dax. Auf der Verkaufsliste stehen nach wie vor die Aktien, die von den Folgen der Viruskrankheit besonders betroffen sind: Lufthansa (und in deren Gefolge auch der Flugzeugtriebwerkespezialist MTU), die Deutsche Post (als führender Logistiker), die Deutsche Bank (aus Angst vor bisher unerwarteten Abschreibungen) und Infineon (wegen der intensiven Verquickung bei Produktion und Abnahme von Chips mit China und dem asiatischen Raum).

Auf der anderen Seite gibt es weiterhin eine Reihe stabiler Aktien: E.On und RWE, die vom Megatrend neue Energien und Netze beflügelt werden; Fresenius, FMC und Merck, hinter denen der Megatrend Gesundheit steht; und SAP, die von Digitalisierung und Cloud beflügelt werden. Alle drei Trends werden durch die aktuellen Marktprobleme eher noch verstärkt.

Die Differenzierung des Marktes zeigt zudem, dass manche Investoren keineswegs nur panisch vorgehen, sondern vielmehr die aktuelle Extremphase des Marktes für einen Depotumbau nützen. Und solche Investoren geben ihre Papiere auch nicht gleich wieder her, wenn es noch etwas dauern sollte, bis die Erholung richtig läuft.

Fazit: Kurzfristig zeigen sich im Dax angesichts abermaliger Verluste von 500 Punkten in nur fünf Stunden am Montag (2. März) typische Zeichen eines Ausverkaufs. Auch wenn es knapp wird, es besteht noch immer die Chance einer Stabilisierung in der Spanne 11.500 bis 12.000 Punkte. Wie in den meisten Crashphasen bisher dürften die rettenden Impulse eher vom US-Markt kommen und nicht von den europäischen Börsen. Immerhin, der Technologieindex Nasdaq hält sich bisher relativ gesehen gut. Das ist auch für den Dax ein Lichtblick.

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