Riedls Dax-Radar

Baisse-Risiko aus Amerika

Die Kursschwäche amerikanischer Standardwerte wird für den Dax zu einer immer größeren Gefahr.

Wie Rubel- und Ölkrise auf Dax-Unternehmen wirken
HeidelbergCementDer Baustoffkonzern ist einer der Profiteure der Turbulenzen am Energiemarkt. Denn normalerweise sind die Ausgaben für Energie mit rund 1,6 Milliarden Euro einer der größten Kostentreiber des Dax-Konzerns, fast ein Drittel davon geht für Öl drauf. Die Analysten der Privatbank M.M. Warburg schätzen die Einsparungen der Heidelberger dank des niedrigen Ölpreises auf rund 100 Millionen Euro. Das könnte auch den Kurs befeuern, die Analysten bewerten die Aktie als Kauf mit einem Preisziel von 70 Euro (aktuell 57,50 Euro, Stand 18.12.2014). Quelle: Presse
AdidasDer Sportartikelhersteller ist einer der Hauptleidtragenden der Russland-Krise. Schon im Sommer kurz nach der Fußball-WM musste der Konzern seine Gewinnprognose kassieren – gegen die Verluste aus dem Russland-Geschäft kommt nicht mal der Verkauf des Vier-Sterne-Trikots an. Schon jetzt hat der Konzern angekündigt, im kommenden Jahr weniger neue Geschäfte in Russland zu eröffnen als ursprünglich geplant. Quelle: dpa
HenkelZwar bekommet auch Henkel die Krise in Russland zu spüren. Rund sieben Prozent der Verkäufe sind dort zu verorten. Allerdings werden diese negativen Effekte laut den Warburg-Analysten wohl kompensiert. Zum einen durch positive Effekte beim starken Dollar, zum anderen weil auch Henkel vom niedrigen Ölpreis profitiert. Immerhin rund 20 Millionen Euro könne der Konzern durch einen Rubel-Fall von zehn Prozent einsparen, so die Schätzungen der Analysten. Das beziehe sich vor allem auf die Produktion in der Waschmittelsparte. Quelle: dpa
E.OnDas Geschäft des Konzerns in Russland leidet unter dem fallenden Rubel. Während die Warburg-Analysten zunächst mit einem Zuwachs der Sparte gerechnet hatten, wurde dieser jetzt nach unten korrigiert. Der niedrige Ölpreis bringt dem Konzern geringe Einsparungen, der Großteil des Geschäfts ist vom Gaspreis abhängig. Quelle: dapd
RWEBeim Konkurrent RWE drängt vor allem der Verkauf der Öl- und Gastochter Dea. Eigentlich sollte das Unternehmen an den russischen Oligarchen Mikhail Fridman und dessen Investmentfirma LetterOne verkauft werden. Angesichts des stark sinkenden Ölpreises wird die Zeit allerdings knapp. RWE ist in Sorge, dass der Oligarch den Verkaufspreis von rund 5,1 Milliarden Euro noch drücken könnte.   Quelle: dpa
Deutsche PostDer niedrige Ölpreis bringt der Deutschen Post leichte Vorteile. Kostenvorteile in der Expresszustellung und bei Nachsendeaufträgen werden an die Kunden weitergegeben, in Verwaltung und Service sinken die Betriebskosten leicht. Der Absturz des Rubel hat keinen wesentlichen Einfluss auf das Unternehmen. Quelle: REUTERS
DaimlerZwar rechnen die Analysten der Privatbank M.M. Warburg mit einer um ein Viertel niedrigeren Nachfrage nach Lastkraftwagen in Russland. Auf Daimler hat das jedoch nur geringen Einfluss, laut M.M.Warburg läge er gemessen am gesamten Lkw-Absatz von Daimler unter einem Prozent. Andererseits hält Daimler eine 15-Prozent-Beteiligung am russischen Lkw-Hersteller Kamaz. Dort könnten die Einnahmen deutlich sinken. Ansonsten hat der russische Markt nur begrenzten Einfluss auf die Geschäfte. Es ist zu erwarten, dass Daimler die Preise für in Russland verkaufte Fahrzeuge erhöht, um den gefallenen Wechselkurs auszugleichen. Die Nachfrage – insbesondere nach der hochpreisigen S-Klasse – ist sehr stabil, so dass Preiserhöhungen keinen großen Einfluss haben sollten. Daimler selbst erläutert die Auswirkungen des Rubel-Verfalls nicht. Vielmehr deutete der Konzern an, dass er im kommenden Jahr Rückenwind von der Währungsseite für die USA und Kanada erwartet, während Rubel, brasilianischer Real und japanischer Yen den positiven Effekt wieder abschwächen. Quelle: dpa

In Amerika mehren sich die Stimmen der Notenbanker, die von einer baldigen Zinserhöhung ausgehen. Die US-Wirtschaft ist zwar von einer hohen Dynamik weit entfernt, doch sie kommt Schritt für Schritt voran. Der Arbeitsmarkt ist bei den einfacheren Stellen robust, wenn es um die besseren Jobs geht, sieht er nicht so gut aus. Einzelheiten gibt es heute (Freitag) vom neuesten US-Arbeitsmarktbericht.

Am US-Anleihemarkt ist im Vorfeld wenig Änderung festzustellen, die Rendite der zehnjährigen Bonds liegt weiter bei gut 2,2 Prozent. Es sieht derzeit nicht danach aus, als ob die Märkte mit großen Impulsen in die eine oder andere Richtung rechnen. Diese Stabilität ist ein gutes Zeichen. Sie spricht dafür, dass der Markt zwar in den nächsten Monaten mit einer Zinserhöhung rechnet, die allerdings nicht zu heftig ausfallen sollte.

Gerade signalisiert die britische Notenbank, dass sie es mit Zinserhöhungen nicht eilig habe. Diese Haltung, einerseits zwar am Horizont mit höheren Zinsen zu winken, dies kurzfristig aber immer wieder hinauszuschieben, dürfte auch der Linie der Fed entsprechen. Damit bleiben einerseits die Märkte durch die latente Ungewissheit unter Spannung; andererseits hat die Notenbank stets die Option einer Erhöhung, wenn dies denn in ihren Augen wirklich notwendig sein sollte.

Moderate Zinserhöhung in der Pipeline

Diese schleichende Vorbereitung einer Zinserhöhung hat einen großen Vorteil. Die Märkte können sich darauf einstellen, werden also nicht kalt von einem solchen Schritt erwischt. Angesichts der riesigen Investitionsvolumina besonders bei Anleihen ist das ein wichtiges Moment, das sicherlich auch die Fed im Auge hat. Gerade weil die Asset-Märkte ein so gigantisches Volumen erreicht haben, haben heftige Bewegungen – zumal nach unten – immer auch gefährliche Rückwirkungen auf die Realwirtschaft.

Dieser Zusammenhang zeigt sich derzeit besonders in China; wobei der chinesische Aktienmarkt im Vergleich zur chinesischen Wirtschaft (und den dahinterstehenden staatlichen Reserven) eine wesentlich geringere Bedeutung hat als die Anlagemärkte für die westlichen Volkswirtschaften. Umso mehr dürfte die Fed bei ihrer Zinspolitik sehr behutsam vorgehen.

Die Kehrseite des Öl-Schiefer Booms: Die Rohstoff-Baisse schlägt auf die USA zurück

Die besten Börsenweisheiten
Pik-König und Pik-Ass Quelle: dpa
Schotten im Kilt Quelle: dpa
„Besitzer von Zinspapieren schlafen gut. Aktionäre hingegen leben gut.“ Quelle: dpa
eine Frau beißt in einen Burger Quelle: dpa
US-Investor Warren Buffett Quelle: dpa
Eine Schafherde Quelle: dpa
Roulette-Tisch Quelle: dapd

Der Rohstoffindex des HWWI verliert im Juli 9,1 Prozent, der Ölpreis hält gerade mal um 50 Dollar. Die weltweite Rohstoffe-Baisse hat sich zuletzt wieder verschärft.

Für die Aktienmärkte insgesamt sind billige Rohstoffe ein gemischter Indikator. Rückläufige Preise wichtiger Industriemetalle, vor allem Kupfer, signalisieren eine schwächere Nachfrage in vielen Industrien, mithin auch eine abflauende Konjunktur. Dieser Zusammenhang wirkt sich derzeit vor allem in Asien aus, hier schlägt die schwächere chinesische Nachfrage durch.

Direkt betroffen sind weltweit die Rohstoffkonzerne, Minen, Schürfer, die Öl-und Gasindustrie und deren Zulieferer. Das macht sich in Australien, Brasilien und Russland besonders bemerkbar, verstärkt aber auch in den Vereinigten Staaten, die durch den Ölschiefer-Boom zu einem Rohstoff-Land geworden sind.

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