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Riedls Dax-Radar
Skyline von Manhattan: Die guten Geschäfte amerikanischer und europäischer Großbanken, beflügeln auch die Frankfurter Börse. Quelle: imago images

Banken und Rohstoffe geben der Börse neuen Schub

Trotz Coronakrise und Insolvenzrisiken bei vielen Unternehmen hellen sich die Aussichten auf: Nach den Notenbanken beflügeln nun auch neue Konjunkturhilfen die Märkte. Und es gibt noch mehr gute Signale für die Börsen. 

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Es gibt eine bemerkenswerte Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten, die in den nächsten Monaten noch stärker werden dürfte: Das Comeback der Bankaktien. Anteile von Goldman Sachs haben in wenigen Wochen mehr als 50 Prozent gewonnen, WirtschaftsWoche-Dauerfavorit JP Morgan hat es seit Oktober auf gut 40 Prozent gebracht. 

Auch die Europäer kommen in Bewegung. BNP Paribas und Société Générale stehen mit ihren Zugewinnen den Amerikanern kaum nach. ING hängt noch etwas hinterher, doch selbst die tief gesunkene britische HSBC hat sich mittlerweile deutlich von ihren Tiefpunkten entfernt. 

Im Dax ist die einzig verbliebene Bankaktie der größten und wichtigsten Volkswirtschaft Europas wieder einmal dabei, den Anstieg zu proben: Die Deutsche Bank ist bis an den wichtigen Kursbereich bei 10 bis 11 Euro vorgedrungen – die Obergrenze der mittelfristigen Schwankungen der vergangenen zwei Jahre. Zwischen 5 und 10 Euro, so an dieser Stelle mehrfach und sicherlich auch etwas früh die These, könnte die Deutsche Bank ihre große Kurswende vollziehen. Ist es jetzt nun soweit? 

Die Stärke der Bankaktien ist umso bemerkenswerter, weil es auf der anderen Seite neue Meldungen von überraschenden Milliardenabschreibungen gibt, etwa bei der Commerzbank. Zudem dürfte das Umfeld der Banken nicht leichter werden, wenn wegen Corona die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den nächsten Monaten deutlich steigt. 

Im Vorfeld der Finanzkrise von 2008/09 waren die Bankaktien die ersten, die zur Schwäche neigten. Schwache Bankaktien sind ein ernstes Warnsignal, weil die Banken wegen ihrer zentralen Rolle – vom Kreditgeber bis zum Geld- und Transaktionsmanager – im Mittelpunkt der wirtschaftlichen und monetären Abläufe stehen. 

Offensichtlich ist die Situation in Wirtschaft, bei Unternehmen und an den Märkten derzeit anders als vor der Finanzkrise. Die Stärke der Bankaktien dürfte ein Signal dafür sein, dass die Konjunktur trotz Coronaproblemen früher oder später doch deutlich anzieht. Zudem könnte sie ein Hinweis darauf sein, dass die Risiken in den Beteiligungen und Portfolios der Banken nicht mehr so dramatisch sind, wie vielfach befürchtet. Zum dritten ist es vielen Banken mittlerweile gelungen, die Kosten Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen. Vor allem amerikanische und französische Geldhäuser erzielen mittlerweile wieder Milliardengewinne. 

Gut möglich, dass nun, gleichsam unterhalb der allgemeinen Wahrnehmungsschwelle, auch die Deutsche Bank wieder kommt. Dass ihr zuletzt gute Gewinne im Wertpapiergeschäft gelungen sind, mag risikoreich sein. Dennoch waren und sind es solche Geschäfte, mit denen die Deutsche Bank groß geworden ist – schon seit 1870, ein Jahr vor der Bismarckschen Reichsgründung. 

Die Banken profitieren auch davon, dass die großen Konjunkturprogramme wie gerade das neueste 1,9-Billionen-Dollar-Paket in den USA die Wirtschaft mit wahrscheinlich hoher Dynamik aus dem Coronatief ziehen werden. Der Anstieg der Zinsen am langen Ende, am Kapitalmarkt, ist ein Vorgeschmack darauf. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind mittlerweile bis auf 1,15 Prozent gestiegen. Das ist, wenn auch von sehr niedrigem Niveau aus, seit August eine Verdopplung. Und genau seit dieser Zeit erholen sich die Bankaktien. 

Öl, Erz und Lithium haussieren – und womöglich bald auch wieder Gold

Mindestens genauso wichtig für Anleger ist ein zweiter, großer Trend, der vor einigen Monaten eingesetzt hat und nun an Breite und Momentum gewinnt: Der massive Preisanstieg an den Rohstoffmärkten. Mitten in der Diskussion um Klimawandel und erneuerbare Energien hat sich der Ölpreis von seinen Tiefen um 20 Dollar für ein Fass Brent auf mittlerweile 56 Dollar erholt. Dahinter stehen Verschiebungen in den Lagerbeständen, eine besonders in Asien anziehende Wirtschaft und eine bewusstere Preispolitik der großen Produzenten. Auch wenn zwischen 50 und 60 Dollar durchaus eine Konsolidierung möglich ist, dürfte letztlich die Stärke Asiens für einen weiteren Anstieg des Ölpreises in Richtung 70 bis 90 Dollar sorgen, dem nächsten großen Bereich mittelfristiger Hoch- und Tiefspitzen. 

Eine regelrechte Hausse findet auf den Märkten für Kupfer, Aluminium und Eisenerz statt. Die entsprechenden Aktien, von Rio Tinto bis BHP, von Anglo American bis Freeport MacMoRan, zählen seit Monaten zu den Überfliegern und sind in Schwächephasen immer noch ein spekulativer Kauf. 

Auch der Preis für den zentralen Rohstoff des neuen Elektrobooms hat nun die Kurve gekriegt: Lithium, das für die Fahrbatterien der neuen Stromerautos so wichtig ist, hat sich allein seit Dezember um ein Drittel verteuert. Lithium-Aktien wie Albemarle, SQM oder Orocobre sind nach monatelanger Schaukelpartie nun in eine große, hektische Aufwärtsbewegung übergegangen. 

Wahrscheinlich dürfte auch der schillerndste aller Rohstoffe, das Gold, früher oder später wieder nach oben ziehen. Der aktuelle Schwächeanfall, hervorgerufen durch den Zinsanstieg am langen Ende der US-Bonds und befördert durch mächtige Verkäufer in den USA, die den Krisenindikator Gold immer wieder im Zaum halten, mag irgendwo zwischen 1850 und 1750 Dollar sein Ende finden. Die massive Ausweitung der Geldmenge, die Inkaufnahme steigender Inflationsraten, die ungebrochen expansive Politik der Notenbanken und das verbreitete Misstrauen in Papierwährungen dürften das Edelmetall früher oder später ebenfalls deutlich steigen lassen – auch wenn es nicht gleich so schnell gehen muss wie bei der Kunstwährung Bitcoin, dem Gold der digitalen Generation. 

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Fazit für den Dax: Die Stärke der Bankaktien und die umfassende Hausse an den Rohstoffmärkten sind unmissverständliche Zeichen dafür, dass die Konjunktur mittelfristig vor einem enormen Schub steht. Die Belastungen um Corona können an den Märkten kurzfristig immer wieder zu Turbulenzen führen, doch weder werden davon die riesigen Geldmengen wieder eingefangen, noch die großen, globalen Trends gebrochen. Für die Aktienmärkte insgesamt bleibt das Umfeld gut, trotz zum Teil extremer Überbewertungen, besonders bei E-Auto-Aktien wie Tesla oder Nio.

Der Dax hat sich mittlerweile knapp oberhalb des alten Tops um 13.800 Punkte etabliert. Die 200-Tagelinie, die den mittel- bis langfristigen Trend kennzeichnet, verläuft zwar erst bei 12.440 Punkten, zieht aber seit Wochen dynamisch nach oben. Bei 24 der 30 Dax-Aktien verlaufen die aktuellen Kurse deutlich oberhalb ihrer 200-Tagelinie. Das ist eine klare Hausse-Quote von 80 Prozent, ein Kennzeichen für einen stabilen Markt. Die Indexschwergewichte Siemens, Linde, Allianz und Volkswagen sind in robuster Verfassung, selbst der angeschlagene Softwareriese SAP hat sich oberhalb der 100er-Marke stabilisiert.

Kurze Rücksetzer im Dax sind gut möglich, dürften aber spätestens im Bereich 13.500 bis 13.000 Punkte aufgefangen werden. Erst ein Rückfall unter die Zone um 13.000 Punkte würde das positive Szenario am deutschen Aktienmarkt ins Wanken bringen. Nach einem solchen Schwächeanfall aber sieht es derzeit nicht aus. 

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