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Riedls Dax-Radar
Nervosität im Crash, doch was kommt danach? Gewinnen die Bullen (Optimisten) oder die Bären (Pessimisten) wieder die Oberhand? Wie es jetzt um jede einzelne Dax-Aktie steht. Quelle: imago images

Bilanz des Corona-Crashs: Alle 30 Dax-Aktien im Check

Der Corona-Crash hat alle Dax-Werte mitgerissen. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wo die Aktien stehen, welche demnächst für Käufe interessant werden könnten und welche Risiken noch drohen.

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Der Kursrutsch der vergangenen Wochen ist der tiefste Einschnitt an der deutschen Börse seit der Finanzkrise. Kein Dax-Wert kam ungeschoren davon. Dennoch sind die einzelnen Aktien vom Crash unterschiedlich betroffen. Eine Bestandsaufnahme zeigt, welche Papiere jetzt oder in den nächsten Wochen interessant werden können - und wo weiterhin Risiken drohen.

Die 30 Dax-Aktien lassen sich dabei in vier große Gruppen einteilen:

Erste Gruppe: Gefallene Engel

Diese Aktien hatten bisher dank guter operativer Geschäfte und vielversprechender strategischer Aussichten langfristig einen starken, ungebrochenen Aufwärtstrend. Kurzfristig sind aber auch sie massiv unter die Räder gekommen.

Adidas hat den Kurstrend seit 2015 gebrochen, sich aber auf der wichtigen Unterstützung um 165 Euro gefangen. Von hier aus könnte es eine Erholung in Richtung 200 Euro geben. Danach steht ein abermaliger Test der Tiefen bevor. Sollte sich – vor allem am wichtigen chinesischen Markt – das Geschäft schneller als befürchtet wieder beleben, sollte sich die breite Kurszone zwischen 150 und 200 Euro als Boden für ein langfristiges Investment erweisen.

Allianz hat es dramatisch erwischt. Im Bereich um 110 bis 120 Euro trifft die Aktie aber auf eine mehrjährige Unterstützung und den Aufwärtstrend seit 2008. Von hier aus könnte eine Erholung starten. Der Haken: Die besonders hohe Abwärtsdynamik der vergangenen Wochen ist ein Warnsignal, das darauf hindeutet, dass die Geschäfte der Allianz ernsthaft getroffen sind. In den bisherigen Börsenkrisen gehörten Versicherer meist zu den großen Verlierern, weil sie unter der vielfachen Schrumpfung von Vermögenswerten besonders leiden.

Beiersdorf hält sich langfristig betrachtet passabel. Von der Unterstützung um 85 Euro sollte eine Erholung bis rund 100 Euro tragen. Das Geschäftsmodell ist stabil, die Marktposition gut, das Kerngeschäft in Europa stark, die Bilanz exzellent. Spätestens bei 80 bis 85 Euro ist die Aktie interessant. Ein Rutsch unter diese Zone wäre allerdings kein gutes Zeichen.

Deutsche Börse hielt sich lange gut und krachte erst in den vergangenen Tagen auf die Unterstützung um 100 Euro. Von hier aus liegt eine Erholung in der Luft. Der Aufwärtstrend seit 2012 ist immer noch intakt, das spricht für die Aktie. Sollte der Kurs allerdings nach einer Erholung dann dennoch wieder abdrehen und sogar unter 100 Euro rutschen, wäre das ein langfristiges Verkaufssignal. Sollte der Börsenhandel wegen der aktuellen Turbulenzen vorübergehend geschlossen werden, könnte das den Kurs kurzfristig belasten.

Diese Dividenden dürfen Dax-Anleger erwarten

E.On gehört zu den Aktien mit den derzeit geringsten Kursverlusten. Grund ist das Netzgeschäft, das in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Die Aktie sollte sich über acht Euro halten und dürfte weiterhin zu den starken Trendwerten im Dax gehören.

Infineon ist interessant, aber heikel. Einerseits ist das Geschäft mit Chips für Elektrofahrzeuge und Internet der Dinge vielversprechend, andererseits ist der starke Verfall des Kurses sogar unter die Zone 12 bis 14 Euro ein Warnsignal. Kurzfristig kommt es darauf an, wieviel Boden Infineon bei einer technischen Erholung gut macht. Ein Anstieg über 14 Euro könnte Entwarnung geben.

Linde ist heftig gefallen, obwohl das Geschäft mit Industriegasen dank langfristiger Lieferverträge bisher stabil ist. Der Anlagenbau allerdings hängt auch an der Petrochemie, die vom Ölcrash erwischt wurde. Da die Aktie zudem hoch bewertet ist, dürfte es zur Liquiditätsbeschaffung immer wieder Verkäufe geben.

Merck KGaA dürfte als Pharmawert zwar kaum unter der Krise leiden, offene Flanke aber sind Displaymaterialien und Spezialchemie. Ein Anstieg in Richtung 100 Euro sollte kurzfristig möglich sein. Ein Rückgang unter 75 Euro wäre dagegen ein Verkaufssignal.

MTU ist schwer abgestürzt, weil die Luftfahrtindustrie von der aktuellen Krise besonders betroffen ist. Mittelfristig sollte sich die Aktie aus technischen Gründen deutlich erholen und könnte dabei bis etwa 170 Euro vordringen. Dann allerdings sollten Anleger prüfen, wie ernsthaft das Luftfahrtgeschäft wirklich angeschlagen ist.

Münchener Rückversicherung ist massiv gefallen und leidet als Finanzkonzern unter der weltweiten Schrumpfung bei vielen Vermögenswerten. Im Bereich um 140 Euro sollte eine Erholung starten. Mehr als 200 Euro dürften mittelfristig aber kaum möglich sein.

RWE setzt ungeachtet kurzfristiger Rückschläge seinen seit 2016 laufenden Aufwärtstrend fort. Im Bereich um 20 Euro dürfte die Aktie für langfristige Investoren wieder interessant werden. Die Weiterentwicklung des Geschäfts mit neuen Energien ist der Joker von RWE.

SAP ist relativ stark, hat aber den seit 2009 bestehenden Aufwärtstrend gebrochen. Das Geschäft mit Software, besonders via Cloud, sollte wachstumsstark bleiben. Zwischen 80 und 90 Euro dürfte die Aktie Boden finden. Von da aus könnte sie einen neuen, langfristigen Trend starten.

Vonovia hat es spät, aber nun auch heftig erwischt. Die Angst vor einem Rückschlag auf dem Immobilienmarkt gefährdet den langfristigen Trend. Investoren sollten abwarten, ob die wichtige Unterstützung bei 38 Euro hält.

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