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Riedls Dax-Radar
Quelle: REUTERS

Börsen auf der Kippe

Die Eskalation im Handelsstreit zwischen USA und China und die Spannungen um Iran schlagen schwer an den Weltbörsen durch. Sogar die bisher stabile US-Börse strauchelt. Für den Dax gibt es noch ein wenig Hoffnung.

Schneller als erwartet kam es im Dax nach der ersten Verteidigung der 12.000er-Marke zu einem regelrechten Ausverkauf. In New York rauschte der Dow Jones in einem Zug nicht nur bis zur 200-Tage-Linie hinab, sondern rutschte sogar 100 Punkte unter diesen Durchschnitt; der Nasdaq-100-Index sackte deutlich unter sein bisheriges Hoch. Weltweit müssen die Börsen, vor allem auch in den Schwellenländern, schwere Verluste hinnehmen. Der chinesische Shanghai-Composite-Index hat in den vergangenen vier Wochen mehr verloren, als er vorher in zwei starken Monaten gutgemacht hat.

Die Krisenindikatoren springen an: Der Goldpreis hat kurzfristig die 1300-Dollar-Marke übertroffen. Die Volatilitätsindikatoren sind weltweit in den erhöhten Bereich vorgedrungen. Bund-Future und andere Anleihebarometer haben ihr Rekordniveau wieder erreicht. Die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China und die Spannungen um Iran setzen den Aktienmärkten offensichtlich stärker zu als erwartet.

Dennoch gibt es eine Reihe von Entwicklungen, die dazu beitragen sollten, dass die Aktienmärkte trotz der aktuellen Angstphase nicht ins Leere fallen. Im Dax zeigt das aktuell die Allianz. Der Versicherer erhöhte seinen Gewinn im ersten Quartal um gut sieben Prozent und damit stärker als erwartet. Das ist bemerkenswert, denn angesichts der extrem niedrigen Zinsen segeln die Versicherer eigentlich gegen den Wind: Bei minus 0,07 Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist es ziemlich schwierig, die den Kunden zugesicherten Verzinsungen und Überschussbeteiligungen auf Dauer zu erwirtschaften.

Die spannendsten Aktien der Woche

Allianz, Siemens, Linde und SAP stabilisieren

Mit 83 Milliarden Euro Börsenwert ist die Allianz der viertschwerste Wert im Dax. Der Kursverlauf stimmt zuversichtlich. Die Aktie ist zwar zuletzt wieder leicht unter die 2018er-Spitzen bei 205 Euro gerutscht, dürfte aber im Bereich 190 bis 200 Euro ihre langfristige Aufwärtstendenz souverän verteidigen.

Auch die anderen Schwergewichte im Dax sehen besser aus, als die allgemeine Börsenstimmung vermuten lässt. Siemens konnte sich zuletzt trotz der schwierigen Börsenlage über 100 Euro stabilisieren. Der angepeilte Konzernumbau kommt bei den Anlegern gut an.

In der gleichen Gewichtsklasse wie Siemens spielt mittlerweile Linde. Die Fusion mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair lief reibungsloser ab, als sich das Skeptiker ausgemalt hatten. Mit 88 Milliarden Euro Börsenwert ist Linde ein Top-Wert im Dax – und zugleich ein Stabilisator für den Index. Das Geschäft mit Industriegasen ist gekennzeichnet durch langfristige Verträge und hohe Diversität der Kunden. Beides führt zu einem stetigen Geschäftsverlauf, der vergleichsweise wenig von konjunkturellen Schwankungen abhängt.

Die wichtigste Aktie im Dax ist mit 135 Milliarden Euro Börsenwert SAP. Wie andere große Technologiewerte ist sie zwar von den aktuellen Börsenturbulenzen beeinträchtigt, deshalb aber nicht schwach. Weder der operative Geschäftsverlauf noch die Performance der Aktie sind ernsthaft angeschlagen. Nach dem starken Anstieg von 100 Euro auf 115 Euro ist der aktuelle Rücksetzer eine typische Konsolidierung.

Insgesamt ergibt sich ein gemischtes Bild: Indizes und Krisenindikatoren signalisieren eine kurz- bis mittelfristige Korrektur; tragende Einzelwerte sprechen aber dafür, dass die große Aufwärtstendenz verteidigt werden kann.

Dieses Bild passt zur politischen Großwetterlage. So, wie die Aktienmärkte bis vor Kurzem auf eine Versöhnung im Handelsstreit gesetzt haben, rechnen sie jetzt mit einer Verfestigung des Konflikts. Womöglich dauert diese skeptische Phase bis Ende Juni, wenn sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping auf dem G-20-Gipfel treffen.

Fazit für den Dax: Der seit Januar bestehende Aufwärtstrend hat bisher gerade noch gehalten. Damit besteht immer noch die Chance, dass sich der Dax in den nächsten Wochen zwischen 11.700 und 12.000 Punkten stabilisiert. In New York würde dazu die Verteidigung der Zone um 25.000 Punkte passen. Die Aussichten auf ein positives Szenario haben sich durch die aktuellen Turbulenzen eingetrübt, Vergangenheit sind sie aber noch nicht.

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