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Riedls Dax-Radar
Wall Street im Börsencrash von 1929: Nach den ersten Panikwellen legten die Kurse wieder um die Hälfte zu. Quelle: imago images

Börsen-Krise: Selbst der Crash von 1929 kann Mut machen

Die Verluste an den Aktienmärkten sind mittlerweile so groß, dass sie fast das Ausmaß des großen Crashs von 1929 erreicht haben. Doch genau daraus lässt sich nun sogar Hoffnung schöpfen.

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Mit einem gigantischen Kaufprogramm im Volumen von 750 Milliarden Euro unterstützt die Europäische Zentralbank (EZB) Märkte und Wirtschaft. Zudem signalisiert EZB-Chefin Christine Lagarde, dass von Seiten der Notenbank alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit Europa durch die Krise kommt. Nachdem schon die Fed in den vergangenen Tagen massive und schnelle Maßnahmen ergriffen hat, tritt nun auch die EZB mit echter Entschiedenheit dafür ein, die Liquidität an den den Märkten zu sichern.

Bisher reagierten die Aktienbörsen auf die Schritte der Notenbanken mit Kursverlusten. Im Angstzustand, der die Börsen dominiert, wurden die Aktionen der Währungshüter immer nur als Krisensignale ausgelegt und nicht als substanzielle Hilfen. Allerdings, je mehr der Panik-Modus an den Börsen Allgemeingut wird, desto eher dürfte er seinen besonderen Schrecken verlieren. Mit der jüngsten Ansprache der Bundeskanzlerin ist der Ausnahmezustand nun praktisch offiziell geworden.

Dabei werden die Nachrichten in den nächsten Wochen und Monate zunächst weiter von der Entwicklung der Virenepidemie bestimmt. Für die Börsen entscheidend werden dabei vor allem die medizinischen Fortschritte, die Pharma- und Biotechunternehmen wie etwa Gilead Sciences, Sanofi oder Curevac bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten erzielen.

In der Realwirtschaft wird es bis dahin einen schweren Absturz geben. Der könnte im ersten Halbjahr sogar noch heftiger ausfallen als in der Finanzkrise 2008/2009. Damals schrumpfte in den großen Industrieländern die Wirtschaftsleistung um mehr als fünf Prozent. Je länger der Ausnahmezustand des Lockdowns anhält, des Einfrierens des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, desto weiter wird der Wirtschaftsabsturz über die bisher ins Auge gefassten minus fünf Prozent hinausgehen.

Die Angst davor ist der entscheidende Grund, warum sich die Börsen auch nach extremen Verlusten bisher nicht substanziell erholen.

Nasdaq: Tech-Aktien verteidigen Aufwärtstrend

Ansätze dafür gibt es. Am deutlichsten zeigt sich das bei den Technologieaktien und deren wichtigsten Barometer, den Nasdaq-100-Index. Hier haben sich die Kurse in den vergangenen Tagen immerhin zwischen 6800 und 7600 Punkten seitwärts bewegt und sind nicht mehr widerstandslos nach unten durchgerutscht wie im Dow Jones oder im Dax. Im Gegensatz zu den breiteren Indizes kann der Nasdaq bisher sogar noch den seit 2016 bestehenden Aufwärtstrend verteidigen.

Die relative Stärke der Technologieaktien hat zwei Gründe: Erstens leiden die Geschäftsmodelle von Apple, Microsoft oder hierzulande SAP generell unter dem Lockdown weniger als die von Produzenten oder Dienstleistern wie Volkswagen, BASF oder Lufthansa. Zweitens gibt es hier eine Reihe von Biotechunternehmen und Onlinekonzernen, denen sich in der Krise neue Chancen eröffnen. Dazu zählt vor allem Amazon - nicht nur wegen seiner Onlinegeschäfte, sondern vor allem wegen der Cloudsparte, die aktuell gerade besonders gefragt ist.

Vorbild 1929: Kräftige Erholung scheint möglich

Auch im Dax selbst gibt es Anzeichen, dass die Panik-Ausverkäufe der vergangenen Tage langsam nachlassen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (19. März) ist der Index im professionellen Handel unter die Marke von 8000 Punkten gerutscht. Der Gesamtverlust seit der Spitze bei 13.800 beträgt damit 42 Prozent. Das ist nun sogar noch etwas mehr als im Crash von 1987.

Ziemlich genau erreicht dies das Ausmaß des akuten Kurssturzes von 1929, bei dem der Dow Jones innerhalb von 17 Tagen von 345 auf 195 Punkte abgesackt ist. Zählt man noch einige unsichere Tage vor dem eigentlichen Crash dazu, betrugen die Verluste 1929 in 22 Tagen 46 Prozent.

Immerhin, selbst 1929, in der bisher größten Kombination aus Crash, Baisse und Wirtschaftskrise kam es im Anschluss an diesen Ausverkauf zu einer echten Erholung. Von November 1929 bis April 1930 stieg der Dow Jones vom Tief aus gerechnet um 52 Prozent.

Rechnet man diesen Verlauf auf den aktuellen Dax hoch, ergäbe das vom jüngsten, außerbörslichen Extremtief bei 7968 Punkten gemessen einen Anstieg auf 12.111 Punkte. Doch ein solches Szenario, das sich aus dem Börsenverlauf der großen Weltwirtschaftskrise ableiten lässt, ist derzeit wohl etwas zu optimistisch.

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