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Riedls Dax-Radar

Anleger sollten Turnaround-Aktien im Blick behalten

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Bottom-Fishing bei BASF und Fresenius

Grundsätzlich dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es eine Lösung in der deutschen Bankenfrage gibt. Deutschland ist die wichtigste Wirtschaft in Europa und ist in Sachen Bankwesen Notstandsgebiet. Das reicht vom Abstieg seiner Aktienbanken über die Auflösung der Landesbanken bis zum kleinteiligen Feld der öffentlichen Institute. Es ist kein Wunder, dass auf globaler Ebene Goldman, JP Morgan, HSBC, BNP oder UBS mittlerweile in einer anderen Liga spielen als deutsche Adressen. Langfristig und strukturell gesehen muss Deutschland hier aufholen – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass eine Neustrukturierung um den bisherigen Kern erfolgen dürfte. Und das ist die Deutsche Bank

Heiße Turnaround-Spekulation

Zwischen sechs und acht Euro, so war im Dax Radar vergangener Woche zu lesen, dürften erste Käufer bei der Deutschen Bank kommen. Dieser Akkumulations-Prozess könnte sich in den nächsten Wochen fortsetzen. Einen Tiefpunkt zu konkretisieren, ist unrealistisch. Deshalb gleich wild zu kaufen, kann ebenfalls ins Auge gehen. Gerade weil die Politik im Hintergrund wahrscheinlich anschiebt, besteht die Gefahr, dass die bisherigen Aktionäre weiterhin zur Kasse gebeten werden, etwa über eine Verwässerung bei neuen Kapitalzuflüssen. Wie das Beispiel Commerzbank-Rettung gezeigt hat, kann sich dies im Kurs katastrophal auswirken.

Fazit deshalb: Die Deutsche-Bank-Aktie ist die heißeste Turnaround-Spekulation im Dax, heikler noch als Thyssenkrupp. Dennoch könnte sich der weite Kursbereich zwischen fünf und zehn Euro langfristig als Boden erweisen. Zeithorizont für ein solches Investment sind aber nicht ein paar Monate, sondern mehrere Jahre.

BASF ist besser als sein Kurs

Ein weiterer Turnaround zeichnet sich bei BASF ab. Die Aktie hat im abgelaufenen Jahr 40 Prozent an Wert verloren. Nach der jüngsten Gewinnwarnung und den verhaltenen Prognosen zur Chemiekonjunktur dürfte BASF 2019 kein leichtes Jahr vor sich haben. Doch selbst vorsichtig gerechnet dürften rund fünf Milliarden Euro Nettogewinn bleiben. Bei einer zehnfachen Gewinnbewertung ergäbe das rund 50 Milliarden Euro fairen Börsenwert, etwa 55 Euro je Anteil.

Genau in diesem Bereich lag der Tiefpunkt der Aktie Anfang 2016. Bei 50 Euro liegt dann die nächste zentrale Unterstützung, die zurück geht bis vor die Finanzkrise. Sollte es im Dax in den nächsten Wochen turbulent werden, könnten sich bei BASF zwischen 50 bis 60 Euro Einstiegsgelegenheiten ergeben.

Fresenius mit Luxusproblemen günstig

Drittes Beispiel ist die abgestürzte Aktie von Fresenius (FMC läuft ähnlich, Fresenius ist für Anleger als breiteres Investment aber sicherer). Seit Frühjahr 2017 hat sich Fresenius glatt halbiert. Das ist der schwerste Rückschlag der Aktie seit der Finanzkrise. Auch hier hatte Fresenius die Hälfte seines Werts verloren. Der größte Fresenius-Crash indessen war das immer noch nicht. Den gab es kurz nach der Jahrtausendwende, als die Aktie sogar um drei Viertel zusammengebrochen ist. Grund war damals die Angst vor milliardenschweren Asbestklagen, mit denen Fresenius nach einer umstrittenen Übernahme in den USA konfrontiert wurde.

Daran gemessen ist die aktuelle Gewinnwarnung fast schon ein Luxusproblem. Selbst wenn der Nettogewinn von Fresenius auf Jahre hinaus im Bereich um 3,50 Euro je Aktie stagnieren sollte, läge die Gewinnbewertung beim Zwölffachen. Das ist günstig für eines der weltweit führenden Unternehmen in der Branche Gesundheit.

Eine Hypothek von Fresenius ist sicherlich die Bilanz, in der wegen zahlreicher Übernahmen erheblicher Goodwill (Firmenwert) aktiviert ist. Das ist ein Risiko, wenn sich die zugekauften Unternehmen nicht so entwickeln, wie erwartet. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, dass die Fresenius-Aktie auf Gewinnenttäuschungen seit jeher so heftig reagiert. Fazit: Fresenius ist eine riskante Turnaround-Spekulation, die in den nächsten Monaten zwischen 30 und 40 Euro einen langfristigen Boden bilden könnte.

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