Riedls Dax-Radar

Chance für Dax und Spekulationen um VW

Die jüngste Erholung im Dax verlief dynamisch und vielversprechend. Die anstehende Quartalssaison könnte dem Aktienmarkt eine wichtige Unterstützung geben.

Der Dax bleibt interessant Quelle: dpa

Die Erholung im Dax vom jüngsten Tief bei 9300 Punkten verlief dynamisch. In etwas mehr als zwei Tagen gewann der Index 500 Punkte. Der Anstieg war sogar so heftig, dass es jedes Mal zu Beginn des Börsenhandels einen mächtigen Sprung gab, ein sogenanntes Gap. Das muss nicht immer ein schlechtes Zeichen sein, denn es spricht für deutliche Nachfrage. Indes ist die oft technisch bedingt: Es sind eher Eindeckungen von Baisse-Spekulationen, die zu solchen Erholungen führen als echte Anlagekäufe.

Für die Aktienmärkte hat sich in den vergangenen Tagen am Umfeld nichts verändert: Die Konjunktur ist in Amerika robuster als in Europa, doch die Unsicherheiten sind erheblich – von den Schwellenländern über das wacklige China bis hin zu neuen Belastungen der wichtigsten europäischen Wirtschaft, nämlich der deutschen.

Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

Dass die Preise im September in Europa um 0,1 Prozent gesunken sind, ist ein Beleg für diese zähe Entwicklung. Es kommt eben nicht, wie von den Notenbanken gewünscht, zu einer leichten Inflation, die stimulierend wirken soll. Stattdessen ersticken niedrige Rohstoff- und Energiepreise jede Teuerungstendenz im Keim.

Sinken die Zinsen etwa bald wieder?

Noch bis vor kurzem hatten Anleger hierzulande Angst, die EZB könnte ihr Anleihekaufprogramm so bald wie möglich wieder einstellen und damit den Zinsmärkten ihren Schutz entziehen. Davon dürfte derzeit keine Rede mehr sein – und an den Märkten ist diese Tendenz spürbar: Die Umlaufrendite, die im Juni bis auf 0,8 Prozent geschossen ist, hat sich seitdem fast schon wieder halbiert.

Mehr noch: Wenn die Durchschnittszinsen unter 0,4 Prozent rutschen, könnten sie die seit Frühjahr bestehende Schwankungsphase beenden. Und dann kann etwas passieren, mit dem die wenigsten rechnen: Die Zinsen könnten in einen neuen Sinkflug übergehen. Dass der Bund-Future den Anstieg über die wichtige Obergrenze bei 155,50 Prozent schon geschafft hat, wäre dafür ein Vorzeichen.  

In Amerika ist das Bild ähnlich. Auch hier haben die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen die Spitzen vom Juni, die bei 2,4 Prozent lagen, längst wieder unterschritten. Mit aktuell 2,04 Prozent fehlt nicht mehr viel zum August-Tief.

Welche Aktien für eine Zinserhöhung gewappnet sind

Die Märkte rechnen weiterhin damit, dass die US-Geldpolitik im Zyklus fortgeschrittener ist als die europäische, dass zuerst eine Zinserhöhung in Amerika kommt und dann – in ferner Zukunft – irgendwann einmal in Europa. Dennoch ist mittlerweile auch die Erwartung an eine schnelle Leitzinserhöhung in Amerika geringer geworden. Kein Wunder, wenn die Falken in der US-Notenbank Fed deshalb jetzt umso lauter eine Zinsanhebung noch in diesem Jahr fordern.

Macht die politische Entspannung Öl teurer?

Zur Aussicht auf weiterhin niedrige Zinsen kommen die derzeit günstigen Rohstoffpreise. Kupfer ist mittlerweile bei 5000 Dollar die Tonne angekommen, der Ölpreis (Brent) weiter unter 50 Dollar. Auf diesem Niveau können viele Einkäufer günstig disponieren – das hilft vor allem klassischen Industriebranchen wie Auto, Stahl und Chemie. Andererseits sind hier durchaus Erholungstendenzen möglich – und die könnten sich auch aus der politischen Großwetterlage ergeben.

Über viele Monate hinweg war Öl auf den Weltmärkten billig und wurde vor allem für Russland in der Ukraine-Krise zu einer Belastung. Gleichzeit bestand die klare Konfrontation gegen die USA. Diese Konfrontation hat sich mittlerweile gelockert. Sowohl über die Iran-Frage als auch über die Syrien-Krise kam Russland zurück ins Spiel der Großmächte – und nun auch wieder ins Gespräch mit den Amerikanern.

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