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Riedls-Dax-Radar
Comeback der Industrieaktien Quelle: dpa

Das Comeback der Industrieaktien

Daimler springt an, BASF kommt wieder. Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass die Konjunktur robuster ist als befürchtet. Dennoch dürften die Notenbanken bis auf weiteres an ihrem expansiven Kurs festhalten. Für die Aktienmärkte ist das eine gute Mischung.

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Mit einem Kursfeuerwerk honorieren Anleger die jüngsten Zahlen von Daimler. Nach einem schwachen zweiten Quartal sind die Stuttgarter nun wieder in die Gewinnzone gekommen. Die meisten Sparten legen leicht zu, nur die Trucks kommen noch nicht richtig mit. Sie hängen am stärksten an der aktuellen Konjunktur und der vagen Entwicklung in vielen Schwellenländern.

Überschwänglich sind die Zahlen und die Prognosen von Daimler eigentlich nicht. Zudem bestehen nach wie vor erhebliche Risiken, vor allem wegen Abgasproblemen. Daimler spricht sogar davon, die bisher getätigten Rückstellungen könnten dafür nicht ausreichen.

Dennoch zeigen die hohen Kursgewinne, wie ausgetrocknet der Markt hier mittlerweile ist. Seitdem Daimler-Aktien über den Widerstand bei 48/49 Euro gestiegen sind, haben sie ein klassisches Kaufsignal gegeben.

Daimler wird nicht von heute auf morgen durchmarschieren. Doch die Sichtweise der Investoren ändert sich: Es geht weniger um Autokrise und Abgasprobleme, sondern um neue Chancen nach dem Absturz. Und die stehen für Daimler nicht schlecht, weil das Basisgeschäft (vor allem mit Mercedes-Fahrzeugen) einträglich genug ist, die Wende hin zur Elektromobilität zu finanzieren.

Ähnlich ist die Situation bei BASF. Auch hier hat die Aktie im Zuge der Branchenkrise eine lange Abwärtsbewegung hinter sich. Die Gewinnwarnung von BASF Mitte des Jahres war ein Schock für die Finanzgemeinde. Entwarnung ist auch noch nicht angesagt. In vielen Teilbereichen, vor allem bei Kunststoffchemikalien, stehen die Preise wegen Überkapazitäten immer noch unter Druck.

Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass das zweite Halbjahr 2019 die Talsohle in der Chemie werden könnte. Dabei profitiert BASF nicht nur von seinem breiten Spektrum an Chemikalien, mit dem sich dank Spezialitäten (etwa Aromastoffen) die allgemeine Branchenkrise abfedern lässt. In der neu ausgebauten Agrarchemie etwa registriert BASF eine lebhafte Nachfrage auf dem großen Markt Südamerika.

Geht es nach den deutschen Industrieaktien (neben Daimler und BASF hier vor allem Siemens, Continental oder BMW), so besteht die Chance auf eine sukzessive Erholung der Konjunktur. Der jüngste Verlauf des Ifo-Index, der sich im Oktober stabilisiert hat, passt zu dieser Entwicklung.  

Relative Stärke bei Kupfer, Rohöl und Halbleitern

Auch auf den Rohstoffmärkten lässt sich das Szenario einer widerstandsfähigen Konjunktur ableiten. Der Kupferpreis arbeitet derzeit an einer Bodenbildung zwischen 5600 und 5900 Dollar je Tonne. Zwei Jahren lang waren die Preise hier rückläufig – passend zur allgemeinen Konjunktur.

Auch auf dem Rohölmarkt besteht die Chance auf eine Bodenbildung. Es geht weniger um kurzfristige Ausschläge nach Lagerdaten oder politischen Ereignissen, eher um das nachhaltige Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die aktuelle Mittellage, in der sich der Ölpreis derzeit befindet, ist für die Märkte nicht schlecht: Er signalisiert weder einen bevorstehenden Absturz der Wirtschaft noch dramatische Probleme bei der Versorgung – etwa als Folge politischer Turbulenzen in den Förderländern. Mit Ölpreisen von 50 bis 70 oder vielleicht noch 80 Dollar können sowohl die großen Produzenten als auch die Verbraucher gut leben.

Die Dax-Aktien der Woche


Ein dritter, sensibler Indikator für die Konjunktur ist die Entwicklung der Halbleiteraktien, gut sichtbar am Philadelphia Semiconductor Index. Hier stehen zwar die führenden Technologiewerte im Vordergrund. Doch zum einen machen die High-Techs mittlerweile einen immer größeren Teil der konjunkturellen Entwicklung aus. Zum anderen spielen Chips im Zug der Digitalisierung auch in der klassischen Industrie eine immer wichtigere Rolle.

Aktuelle notiert der Sox, wie diese Kurve im Fachjargon heißt, am All-Time-High. Zum vierten Mal seit Frühjahr ist er nun an die Zone um 1600 Punkte vorgedrungen. Je öfter ein solcher Widerstand angelaufen wird, je größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er übersprungen wird. Wenn eine so zentrale Branche wie die Chipindustrie Signale der Stärke sendet, ist das für die Weltwirtschaft im Allgemeinen ein gutes Zeichen.

Aussicht auf weitere Zinssenkung durch die Fed

Wenn nun aber immer mehr Frühindikatoren darauf hindeuten, dass die Weltwirtschaft nicht zusammenbricht, was macht dann die Fed nächste Woche? EZB-Chef Mario Draghi hat sich in seiner Abschiedsrunde noch einmal auf der expansiven Seite positioniert. Unter Nachfolgerin Christine Lagarde dürfte sich daran kaum etwas ändern.

Nächste Woche ist nun die amerikanische Notenbank an der Reihe. Die Mehrheit der Marktteilnehmer geht davon aus, dass es hier zu einer weiteren Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte kommt. Angesichts der aktuellen Belastungsfaktoren, vor allem dem Handelsstreit zwischen den USA und China, ließe sich ein solcher Zinsschritt durchaus rechtfertigen. Da die mögliche Stabilisierung der Wirtschaft im nächsten Jahr natürlich nicht sicher ist, dürfte sich die Fed verbal alle Optionen offenhalten. Vor allem die Angst vor Folgen des Handelsstreits zwischen China und den USA dürfte sie davon abhalten, jetzt schon wieder auf die restriktivere Seite zu gehen.

Dazu passt die Situation an den Kapitalmärkten. Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen liegen derzeit bei knapp 1,8 Prozent, also zwischen den Extrempunkten seit Frühjahr, die bei 1,5 und 2,1 Prozent lagen. Die Kapitalmärkte rechnen nicht mit einer ultralockeren Geldpolitik, gehen also nicht von einer Rezession aus. Andererseits sind sie aber noch nicht soweit, dass sie schon wieder an eine Kontraktion durch die Notenbank glauben.

Fazit für den Dax: Mit dem Anstieg über 12.400 Punkte hat der Dax die seit Ende August vorherrschende Aufwärtstendenz bestätigt. Zwischen 12.900 und 13.200 trifft er nun auf eine massive Widerstandszone, die er wahrscheinlich erst nach mehreren Anläufen nehmen kann. Die Stabilisierung wichtiger Industrieaktien, die ungebrochen starke Performance der Finanzwerte Allianz und Münchener Rückversicherung sowie die steigende Dynamik beim Technologie-Primus SAP sprechen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Auf dem US-Markt steht im Nasdaq-100-Index der Kampf um die Marke von 8000 Punkten bevor. Im Dow Jones sollte sich zwischen 26.400 und 27.000 Punkten ein neuer Schub nach oben vorbereiten.

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