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Riedls Dax-Radar
Der Crash ist noch nicht überstanden. Quelle: dpa

Das ist ein Crash – und er ist noch nicht überstanden

Trotz schwerer Verluste sind Aktien jetzt nicht auf einmal billig geworden. Die Risiken sprechen dafür, dass eine mehrwöchige Zitterpartie an den Märkten bevorsteht.

Bis auf 12.000 Punkte ist der Dax nach unten gerauscht. Die Abwärtsbewegung ist hochdynamisch und umfasst nahezu alle Branchen und Aktien. Nach einer Zwischenerholung am Dienstag und Mittwoch (6. und 7. Februar) ging es am Donnerstag wieder mit Tempo nach unten. Auslöser des neuen Absturzes war ein weiterer Kurseinbruch an Wall Street.

Es ist durchaus möglich, die aktuellen Verluste als Crash zu bezeichnen. Immerhin gab es schon zum zweiten Mal an der Wall Street Tagesverluste von mehr als 1000 Punkten. Natürlich, in einem richtig großen Knall wie dem von 1987 waren die prozentualen Verluste noch viel höher. Würde man die damaligen Verluste auf die aktuelle Lage übertragen, ergäbe das ein Tagesminus von fast 6000 Punkten. Dennoch, die Verkäufe erfolgten rund um den Globus in großen, mächtigen Schüben. Eine solche Abwärtsdynamik zeigt typische Zeichen eines Crashs und wird nicht von heute auf morgen zum Stillstand kommen.

Reihenweise lösten die Kursrückgänge der vergangenen Tage Verkaufssignale aus. Nachdem im Dax schon die 13.000-Unterstützung schnell verloren ging, gab es auch auf der 200-Tage-Linie bei 12.750 Punkten nur einen kurzen Halt. Im Euro Stoxx und im Stoxx 600 sieht die Lage noch schlechter aus; hier sind regelrechte Top-Formationen entstanden.

Die wenigsten Verkaufssignale gab es bisher im Dow Jones. Der US-Aktienmarkt hält immer noch den seit 2016 bestehenden Aufwärtstrend (die Trump-Rally), der ähnlich wie die 200-Tage-Linie derzeit bei etwa 22.800 verläuft. Vorteil für Anleger: Der Dow Jones ist trotz der bisherigen Verluste noch immer in einer größeren, intakten Aufwärtsbewegung. Nachteil: Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Dow angesichts der aktuellen Abwärtsdynamik diese Untergrenzen zumindest anläuft und sozusagen ausprobiert, wie stabil sie sind. Das aber bedeutet: Aus den USA sind in den nächsten Tagen und Wochen weitere Turbulenzen zu erwarten.

Die Zins- Währungsrisiken sind nicht vom Tisch

An den Risiken, die zu den Rückschlägen geführt haben, hat sich nichts gerändert. Mit 2,83 Prozent haben die Renditen für zehnjährige US-Bonds den höchsten Stand seit Anfang 2014 erreicht. Die Spitze lag zum Jahreswechsel 2013/14 bei 3,0 Prozent. Mindestens bis dahin könnten die Renditen zunächst noch steigen. Bei den zehnjährigen Bunds ist die Lage ähnlich: Hier ging es mit 0,76 Prozent auf ein neues Zweijahreshoch. Die nächste Spitze liegt bei 1,0 Prozent. Das könnte im Gleichschritt mit den US-Renditen in Kürze erreicht werden.

Spiegelbildlich zum Zinsanstieg ist an den Anleihemärkten eine Baisse angelaufen. Und darin liegt eine große Gefahr: Sollte es hier aus Angst vor weiter steigenden Zinsen zu großen Verkäufen kommen, würde das die Renditen am langen Ende erst recht nach oben treiben. Ob dann die Notenbanken eine solche Lawine aufhalten können, ist fraglich.

Die Notenbanken, vor allem der neue Fed-Chef in den USA, dürften mit Hochspannung die Entwicklung an den Märkten verfolgen. Denn mit weiteren Zinserhöhungen, wie sie die Fed bisher vorhatte, würde sie Öl ins Feuer gießen. Jerome Powell ist zudem in einer schwierigen Lage: Einerseits möchte er sicher nicht gegenüber der erfolgreichen Janet Yellen, die immerhin die Zinswende ohne größere Markt-Blessuren eingeleitet hat, abfallen. Zum anderen dürfte er Präsident Trump im Nacken haben, der nicht begeistert wäre, wenn eine Baisse an den Aktien- und Anleihemärkten „seinen“ Aufschwung beenden würde.

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