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Riedls Dax-Radar

Dax und VW-Aktie suchen nach Halt

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Dax-Risiko reicht zunächst bis 8500 Punkte

Im Dax kam es durch die Gemengelage der Risiken zu dem erwarteten zweiten Rückschlag. Nur um wenige Punkte wurde das Tief vom August, das im Tagesverlauf bei 9338 lag, verfehlt. Dass der Dax auf dieser Basis am Freitag (25. September) eine fulminante Erholung startet, ist kein Wunder und zeigt nur, wie wichtig die Unterstützung beim alten Tief ist. Gemessen am Schlusskurs hat der Dax bei 9428 sogar ein neues Tief markiert. Beides sind Zeichen dafür, die für weitere Abwärtsrisiken sprechen.

Durch den starken Rückgang der vergangenen Tage hat der Dax eine ganze Reihe schwerer Verkaufssignale gegeben. Erstens ist er aus dem seit 2011 bestehenden Aufwärtstrendkanal gefallen. Zweitens pendelt er weit unterhalb der 200-Tage-Linie, die nun nach unten dreht und zudem von der 100-Tage-Linie auch noch geschnitten wird. Drittens lassen sich die Schwankungen der vergangenen Monate als obere Wendeformation deuten, aus der die Kurse nun mit Nachdruck nach unten herausgefallen sind.

Bei einer solchen Anhäufung klassischer Verkaufssignale ist es wenig wahrscheinlich, dass der Rückgang schon nach wenigen Wochen abgearbeitet ist. Als Mindestziel rückt damit die nächste große Unterstützungszone in den Blick, die bei rund 8500 liegt. Hier war das Tief von 2014 und hier verläuft der nächste große, seit 2009 bestehende Aufwärtstrend. Die hohe Dynamik der Märkte macht es wahrscheinlich, dass der Dax diesen Trend in den nächsten Wochen zumindest testen wird.

Finger weg von VW-Aktien

Nachdem schon mit den Versorgern eine einstmals schwere Anlageklasse sich in Luft auflöst, trifft es jetzt Volkswagen. Immerhin, ein wichtiger Unterschied zu RWE und E.On besteht: Während den Energiekonzernen das komplette Geschäftsmodell weggebrochen ist, erleidet VW nur einen Frontalunfall. Insofern dürfte sich die Entwicklung der VW-Aktie anders vollziehen als die lange und schwere Baisse der Versorger.

Auf eine schnelle Erholung nach dem gigantischen Wertverlust zu setzen, dürfte aber verfrüht sein. Denn wie hoch die Belastungen für VW am Ende wirklich werden, kann heute noch niemand sagen. Die Spannweite geht von den angekündigten Rückstellungen von 6,5 Milliarden Euro bis hin zu dreistelligen Milliardenbeträgen, auf die sich Strafen und Schadensersatzzahlungen summieren könnten.

Vergleichen könnte man VW eher mit BP und den Folgen des Ölkatastrophe im Golf von Mexico 2010. Hier dauerte es mehrere Jahre, bis die Gesamtbelastung von rund 55 Milliarden Dollar absehbar war. Mehrere Jahre litt auch die Aktie unter dieser Unsicherheit. Zwischendurch gab es zwar immer wieder mittelfristige Erholungsphasen, die geübte Trader vielleicht reiten können. Ein langfristiges Investment entstand damit aber nicht.

Börse



Danach sieht es bisher auch bei VW aus. Im ersten Schock rutschte die Aktie bis in die Zone um 100 Euro. Hier sind nach den bisher großen Verlusten immer wieder Gegenbewegungen möglich. Dass dies schon der Tiefpunkt war, ist angesichts der anstehenden Unsicherheiten und der Langwierigkeit juristischer Auseinandersetzungen (vor allem in den USA) wenig wahrscheinlich.

Die nächste Unterstützungszone liegt um 85 Euro. Hier könnte es eine Stabilisierung inklusive mittelfristiger Erholungen geben. Sollten auch 85 Euro nicht halten, droht ein Rückschlag bis auf 50 Euro. Das erscheint derzeit zwar wenig wahrscheinlich, aber die extrem heftigen Kursausschläge signalisieren, dass die VW-Aktie ein völlig neues Niveau finden muss – und Märkte neigen in solchen Phasen gern zu Übertreibungen.

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