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Riedls Dax-Radar
Trump setzt auf Konfrontation: Die Angst ist zurück an den Märkten, dass der Handelskrieg zwischen USA und China wieder ausbrechen könnte und dies die Weltwirtschaft und die Börsen nach unten zieht. Quelle: Getty Images

Dax unter 12.000 Punkten: Wie weit geht der neue Tiefentest?

Zwischen Trump-Tiraden und überraschenden Volten bei Thyssenkrupp kämpft der Dax um den Aufwärtstrend. Nun ist er unter 12.000 Punkte gefallen. Ein neuer Tiefentest steht bevor.

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Die Angst ist zurück an den Märkten, dass der Handelskrieg zwischen USA und China wieder ausbrechen könnte und dies die Weltwirtschaft und die Börsen nach unten zieht. Am Montag fiel der Dax erstmals wieder unter 12.000 Punkte. Ausgelöst wurde die Zitterpartie von einem US-Präsidenten, der wieder einmal bar jeder Diplomatie auf Konfrontation setzt. An den Wertpapiermärkten schlug dies ein wie ein Blitz, weil sich an den Börsen nach vier Monaten Hausse die Aussicht auf ein positives Szenario verfestigt hatte.

Ist durch Trumps ruppige Intervention im Zollstreit der Aufschwung an den Aktienmärkten nun passé?

Die Aktion Trumps kam zwar überraschend, andererseits sind solche Hakenschläge typisch für den US-Präsidenten. Sie werden, solange Trump an der Macht ist, nicht ausbleiben. So überraschend, wie Trump auf Konfrontation schaltet, kann er genauso schnell wieder auf Versöhnung umschwenken. Für Börsianer ist es wenig hilfreich, jeder Wendung hinterherzulaufen und dies als neuen Trend zu prolongieren.

Dabei gibt es durchaus eine Konstante: Der Machtkampf USA gegen China, der seit Jahrzehnten läuft. Er wird auch dann nicht aus der Welt geschafft sein, sollte es bei den Verhandlungen zwischen Amerikanern und Chinesen eine Vereinbarung geben.

Die ist keineswegs unwahrscheinlich. Beide, die USA wie China, leiden unter dem Handelsstreit. Beide legen Wert darauf, ihr Gesicht zu wahren, haben aber kein Interesse daran, die eigene Wirtschaft auf Dauer durch einen solchen Konflikt zu schädigen. Trump hat die nächsten Wahlen im Blick. Bei den Chinesen würde eine harte Konfrontation nicht zu ihrem feinen Geflecht einer neuen Seidenstraße passen, mit der sie ihre Machtsphäre auf Dauer ausdehnen wollen.

Die spannendsten Aktien der Woche

Insgesamt ist es wahrscheinlich, dass sich die USA und China diesseits ihrer plakativen Drohungen verständigen und eine passable Lösung im Handelsstreit finden. Dass die chinesischen Aktien seit der Trump-Offensive massiv verloren haben, ist nicht nur ein Zeichen für die Verwundbarkeit Chinas. Es dürfte auch den Druck auf die Akteure in Peking erhöhen, sich mit Trump zu verständigen.

Bemerkenswerterweise ist unter den Aktienmärkten wieder der Dow Jones am stabilsten. Während die chinesischen Indizes und die Indizes in Europa zuletzt schwer nach unten gezogen wurden, spielt sich im Dow Jones und an der Technologiebörse Nasdaq nur eine mittlere Kurskorrektur ab. Der wichtige Unterstützungsbereich im Dow Jones (von 25.400 bis 25.600 Punkte) wurde bisher noch nicht angelaufen. Im Nasdaq-100-Index ging es nach einem viermonatigen Gesamtgewinn von 1.800 Punkten bisher 300 Zähler in die Gegenrichtung. Mit anderen Worten: Auf den Aktienmärkten, von denen die große Richtung der Weltbörsen bestimmt wird, ist außer kleinen Stockungen bisher nichts passiert.

Erfolgsstory Siemens, Hoffnungswert Thyssenkrupp

Im Dax sind die Spuren tiefer. Vor allem ist die Hoffnung darauf, dass die Industrieaktien nun zu einer längeren Erholung ansetzten, erst einmal unterbrochen. Besonders schwer sind die jüngsten Einbrüche bei den Chemiewerten, im Dax bei BASF und Covestro. Auch Henkel ist nach den Enttäuschungen der vergangenen Monate immer noch dabei, einen Boden zu finden. Das sollte zwischen 80 und 90 Euro gelingen, könnte sich aber durch eine längere Zitterpartie an den Märkten verzögern.

Dass es auch anders, robuster geht, zeigt Siemens. Der wieder einmal verkündete Umbau – dieses Mal weg vom Schwerpunkt Kraftwerke hin zum Digitalkonzern – kommt an den Märkten so gut an, dass Siemens-Aktien derzeit zu den stabilsten Industriewerten gehören. Darin steckt eine historische Dimension, wenn man bedenkt, wie tief der einstige große Rivale General Electric in der gleichen Zeit gesunken ist. Nachdem sich Siemens-Aktien zwischen 90 und 100 Euro stabilisiert haben, dürften sie in den nächsten Monaten die Abwärtstendenz der vergangenen zwei Jahre beenden und könnten mittelfristig in Richtung 130 Euro vordringen.

Eine besondere Entwicklung spielt sich bei Thyssenkrupp ab. Hier kommt es weder zur Fusion des Stahlgeschäfts mit dem indischen Konkurrenten Tata noch zur bisher geplanten Aufspaltung in einen Industrie- und einen Rohstoffkonzern. Stattdessen soll es eine Dachgesellschaft geben, unter der die einzelnen Geschäftsbereiche angesiedelt werden.

Zweifelhafte Kursrekorde bei Adidas und Vonovia

Die Börse wertete das zunächst als Befreiungsschlag. Das ist nach den endlosen Verhandlungen mit Tata, den Problemen um Brexit und Kartellbehörden und den Schwierigkeiten bei den Bewertungen nicht zu verdenken. Für Anleger ist wichtig, dass damit die Fantasie entfacht wird, da sich einzelne Sparten mittel- bis langfristig via Börsengang versilbern lassen, vor allem der erfolgreiche Aufzugsbereich.

Aus dem Schneider sind Aktien von Thyssenkrupp noch nicht, dazu sind die Probleme um Stahl, magere Rentabilität, Pensionslasten und die dünne Kapitaldecke zu schwer. Das zeigte sich ebreits am Montag, wo sich der Kurs nach dem Sprung vom Freitag wieder deutlich eintrübte. Doch im Gegensatz zur Tristesse der vergangenen Monate ist Thyssenkrupp für Börsianer wieder ein Hoffnungswert geworden. Für die Gesamttendenz im Dax spielt Thyssenkrupp mit nur acht Milliarden Euro Börsenwert jedoch keine Rolle.

Mehrere Aktien im Dax sind von den jüngsten Turbulenzen um Trump völlig unbeeindruckt. Adidas ist auf ein neues Hoch vorgedrungen. Die Aktie gibt ein ambivalentes Bild. Einerseits kommen bei der Bilanzierung des Unternehmens immer wieder Zweifel auf, zuletzt etwa bei der Bewertung des problematischen US-Ablegers Reebok. Andererseits lassen sich die Märkte davon wenig beeindrucken. Ob man will oder nicht: Adidas gehört derzeit zu den stärksten und erfolgreichsten Blue Chips weltweit. Man muss die Aktie deshalb sicher nicht kaufen, doch wer sie im Depot hat, kann das Spiel (mit engem Stoppkurs) fortsetzen.

Auch Vonovia erreicht neue Höchstkurse. Obwohl der größte private Wohnungskonzern angesichts der Wohnungsnot in Deutschland unter wachsendem politischen Druck steht und dies auch durchaus so empfindet, ist das operative Geschäft und die Performance der Aktie überdurchschnittlich erfolgreich. Der Trend stimmt, Anleger sollten Gewinne laufen lassen.

Münchener Rück lockt mit Dividende

Etwas stärker ging es zuletzt mit der Münchener Rück nach unten. Dabei ist allerdings der Dividendenabschlag Anfang des Monats abzuziehen, immerhin 9,25 Euro je Aktie. Im nächsten Jahr könnten es sogar zehn Euro oder mehr Dividende je Anteil geben. Die Ergebnisse nach den Erneuerungsrunden im Kerngeschäft mit Rückversicherungen sind vielversprechend, die Erstversicherungstochter Ergo kommt wieder in Fahrt, dazu werden Aktienrückkäufe den anteiligen Ertrag zusätzlich steigen lassen. Spätestens zwischen 190 Euro bis 200 Euro dürften die Käufer wieder zulangen.

Fazit für den Dax: Das erwartete Comeback der Industrieaktien ist unterbrochen, das ist eine Belastung für den Gesamtmarkt. Nun ist der Dax erstmals wieder unter 12.000 Punkte gefallen. Je nach politischer Großwetterlage könnte es noch einen Tiefentest geben. Der hätte, um das positive Gesamtszenario nicht zu zerstören, bis maximal 11.600 Punkte Spielraum. In diesem Bereich verlaufen derzeit die 200-Tage-Linie, die Untergrenze des seit Januar bestehenden Aufwärtstrends sowie Unterstützungen, die sich aus den Hochspitzen von November und März ableiten lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Zollstreit zu einer Lösung kommt, und die Widerstandfähigkeit der US-Märkte sprechen dafür, dass auch im Dax spätestens zwischen 11.600 bis 12.000 Punkten die Stabilisierung gelingt. 

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