Riedls Dax-Radar

Dax visiert wieder 12.000 Punkte an

Steigende Unternehmensgewinne stützen die Aktienkurse – selbst wenn die Zinsen in den USA bald anziehen sollten. Auch aus anderen Gründen sind die Aussichten am Aktienmarkt gut - vor allem für einzelne Konzerne.

Börse Frankfurt am Main Quelle: dpa

Die Zahlensaison der Unternehmen läuft, und das meiste liegt bisher im Rahmen der Erwartungen. Dass VW etwas schwächer ist, war nach dem vorangegangenen Streit in der Führungsetage zu erwarten. BMW konnte wegen China auch nicht ganz an das bisherige Tempo anschließen, dafür legte Daimler noch einmal nach.

BASF ist gemischt. Auch das ist kein Wunder, da der niedrige Ölpreis zum einen die Zahlen der Öltochter belastet, zum anderen das Geschäft mit Basischemikalien entlastet. Auch der Ausblick von BASF ist wieder einmal nur moderat­ - optimistisch waren die Ludwigshafener noch nie. Zu gute kommt den Dax-Unternehmen, dass die als Basis dienenden Vergleichszahlen des zweiten Quartals 2014 im Durchschnitt eher schwach waren.

Für 2015 insgesamt sieht es nach dem schon guten ersten Quartal so aus, als ob der im Durchschnitt erwartete zweistellige Ertragszuwachs realistisch ist. Ob es am Ende auf den Index umgerechnet wirklich 800 Euro Nettogewinn werden, bleibt abzuwarten. Bisher aber stimmt der Fahrplan.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago

Mit 800 Euro Unternehmensgewinn hätte der Dax eine gut 14fache Bewertung. Das ist kein Dumping mehr, aber angesichts der außergewöhnlich niedrigen Zinsen auch kein Überschwang. Bezieht man dazu noch die verbreitete Skepsis unter Anlegern ein (das Thema „Crash an den Wertpapiermärkten“ wurde in den vergangenen Monaten viel häufiger diskutiert als etwa 2007, im Vorfeld der Finanzkrise), so kann man den Aktienmärkten eine gesunde Verfassung zugestehen. Und die Aussicht, dass die wichtigsten Fundamentals weiter mitspielen, ist nicht schlecht.

Billiges Öl stützt Konjunktur und Kurse

So ist derzeit etwa die politische Entspannung im Verhältnis zum Iran für die Aktien- und Anleihemärkte ein großer Vorteil. Für viele westliche Unternehmen ist die Aussicht auf große Aufträge realistisch. Zudem wäre es aus geopolitischen Gründen ein Fortschritt, wenn sich im Gegensatz zur Kriegsregion in Syrien, den Turbulenzen in der Ukraine und den Spannungen im Nahen Osten und Arabien nun wieder das große Zentralland Iran stabilisiert.

Top-Dividendenzahler Dax 2015

Direkt wirkt sich das heute schon an den Märkten aus, weil Iran die viertgrößten Ölreserven der Welt hat. Natürlich ist die Förderung in den vergangenen Jahren schwer zurückgegangen. Und es dürfte entsprechend dauern, bis der Iran wieder an die alte Produktion anschließt. In einem ersten Schub kommt wahrscheinlich zunächst das Öl auf den Markt, das in zahlreichen Tankern zwischengelagert wurde. Allein der Verkauf dieser Bestände könnte sich über mehrere Monate hinziehen und auf dem Ölmarkt zu einem weiteren Angebotsüberhang führen. Ab 2016 dürfte sich dann die wieder steigende Förderung im Iran bemerkbar machen.

Dabei besteht auf dem Ölmarkt ohnehin ein Überangebot, etwa 2,5 Millionen Fass in der täglichen Förderung. Verantwortlich dafür ist vor allem die Rekordförderung des größten Öllands, Saudi Arabien. Die Förderung aus amerikanischem Schiefergestein hat durch den Ölpreisrückgang zwar einen Dämpfer bekommen, versiegt sind die Quellen in der Prärie aber noch lange nicht. Mit Blick auf den Finanzbedarf Russlands ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren weiterhin reichlich russisches Öl auf den Markt kommt.

Öl der Sorte Brent wird sich sehr schwer tun, über das bisherige Mai-Top von 68 Dollar zu kommen. Eher möglich erscheinen Schwankungen zwischen 45 und 65 Dollar. Mit solchen Preisen könnten die großen Produzenten durchaus leben; am besten wohl die Saudis, weniger bequem die US-Schieferschürfer.

Für westliche Unternehmen bleibt günstige Energie eine wesentliche Triebkraft für den Aufschwung. Denn wenn Öl günstig ist, dann ist auch Gas nicht teuer – und Strom auch nicht.

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