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Riedls Dax-Radar

Chance für Dax und Spekulationen um VW

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Deutsche Aktien bleiben ein spannendes Investment

Beiden, der US-Wirtschaft als größtem Ölproduzenten und Russland als Öl-, Gas- und Rohstoffriesen kann auf Dauer nicht an einer Öl- und Rohstoffbaisse gelegen sein. Es wäre nicht verwunderlich, wenn es bei einem weiteren Annäherungskurs beider Großmächte zumindest partiell zu einer Stabilisierung der Rohstoffpreise kommt, vor allem beim Öl (und damit auch bei dem für Russland so wichtigem Gas). Selbst die Saudis dürfte mittlerweile nichts mehr dagegen haben, wenn der Ölpreis seinen freien Fall beendet.

Die Preiskurve selbst zeigt leichte Ansätze einer Stabilisierung. Nachdem die Notierungen Ende August unter das Januar-Tief gerutscht sind, haben sie sich im Anschluss sogleich wieder erholt. Derzeit pendelt Öl knapp unter 50 Dollar, immerhin ein gutes Stück über dem August-Tief bei 43 Dollar. Das ist noch keine Wende, aber es ist immerhin ein Stopp im freien Fall. Für eine echte Wende müsste der Ölpreis in den nächsten Wochen zunächst in Richtung 60 Dollar steigen und in einem zweiten Schritt dann in Richtung 70.   

Erholung ja, nachhaltige Aufwärtswende noch nicht

An den Aktienmärkten selbst gibt es im Vergleich zum Frühjahr mittlerweile einen wichtigen Unterschied: Bei 9500 Punkten ist wesentlich weniger Optimismus im Markt als bei 12.000. Diese Skepsis ist ein klarer Vorteil, den der Markt jetzt aufweist – und auch der Grund für die jüngsten Short-Eindeckungen, also die Erholungstendenzen. Aber reicht das aus, um die mittelfristige Tendenz im Dax wieder nach oben zu drehen?

Bei 9300 hat der Dax ziemlich genau das Potenzial seiner Abwärtsformation erfüllt, die sich in der Optimismus-Phase von Januar bis August gebildet hat. Dabei kam es auch zu der erwarteten klassischen Bewegung in zwei Abwärtsschüben. Damit wäre der Markt durchaus reif für eine substanzielle Erholung. Dazu aber braucht er einen Anlass, eine neue Orientierung.

So viel China-Umsatz steckt in den Dax-Aktien

Die könnte sich in den nächsten Wochen aus der Quartalssaison ergeben. Die beginnt weltweit am 8. Oktober traditionell mit den Zahlen von Alcoa, (auch wenn hier die Spaltung des Konzerns im Mittelpunkt stehen dürfte). In Deutschland werden die Zahlen von SAP am 20. Oktober ein erstes Highlight.

Die Ergebnisse des Sommerquartals werden auch deshalb so aufschlussreich, weil hierin sichtbar wird, wie stark sich die chinesische Schwäche (die ab Juni/Juli einsetzte) bei den Unternehmen niederschlägt.

Sollte das dritte Quartal insgesamt besser als befürchtet ausfallen, wäre nach dem guten ersten Halbjahr der Weg zu einem deutlichen Gewinnwachstum 2015 geebnet. Damit wären deutsche Aktien in der weiten Spanne zwischen 8500 und 10.000 günstig bewertet und in vielen Fällen ein echtes Investment. Besonders spannend wird es dabei mit den tief gestürzten Autoaktien. 

Die VW-Aktie, das Zocker-Papier

Bei Volkswagen ist noch nicht absehbar, wie hoch die Belastungen werden, die sich aus dem Dieselskandal ergeben und über welchen Zeitraum sie sich erstrecken. Angesichts der Klagewelle, die nun erst langsam anrollt, ist auch nicht damit zu rechnen, dass es auf absehbare Zeit klare Antworten auf diese Frage gibt. VW-Aktionäre müssen bis auf weiteres mit dieser Unwägbarkeit leben.

Die Spannweite der Belastungen reicht von geplanten 6,5 Milliarden Euro Rückstellungen, geht über Schätzungen von 40 Milliarden Euro (wie soeben von JP Morgan hochgerechnet), bis hin zu dreistelligen Horror-Szenarien und dem Untergang des VW-Konzerns.

Beim Ölkonzern BP hat es mehr als vier Jahre gedauert, bis klar wurde, dass die Folgen der Katastrophe im Golf von Mexiko 55 Milliarden Dollar kosten. Die Herabstufungsphase der Ratingagenturen dauerte drei Monate (gerechnet vom Zeitpunkt der Katastrophe), der extreme Kursverfall der BP-Aktie acht Wochen.

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