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Riedls Dax-Radar
Frankfurter Börse: Am 23. Januar erreichte der Deutsche Aktienindex Dax ein neues Allzeithoch. Quelle: dpa

Die heiße Phase am Aktienmarkt hat begonnen

Die Rekordjagd im Dax läuft, im Frühjahr könnte ein Anstieg auf 14.000 Punkte möglich sein. Doch das Risiko steigt mit, vor allem in Amerika wird die Luft gefährlich dünn.

Die wirtschaftlichen Aussichten für 2018, da sind sich die ökonomischen Auguren einig, hellen sich auf. Nach 3,7 Prozent globalem Wachstum, so die Berechnung des IWF, sollen es in diesem und im nächsten Jahr fast vier Prozent werden. Mit einer solchen Beschleunigung hat noch vor wenigen Monaten kaum einer gerechnet – und deshalb wirkt sie sich auch an den Kapitalmärkten deutlich aus.

Alle wichtigen Marktbarometer zeigen derzeit nach oben. An der Spitze steht das amerikanische Trio Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq, die derzeit besonders von der US-Steuerreform befeuert werden. Zusätzlich hilft der nachgebende Dollar, der den amerikanischen Konzernen in diesem Jahr im internationalen Geschäft mehrere Prozentpunkte Umsatzzuwachs bescheren dürfte. Und die kommen oben drauf, weil die meisten Banken die aktuelle Schwäche des Greenbacks bisher nicht auf der Rechnung hatten.

Für Deutschland liegen die IWF-Prognosen bei 2,3 Prozent für dieses Jahr und zwei Prozent für 2019. Diese Werte sind etwas moderater, weil die Unternehmen in Europa mit einem wiedererstarkten Euro leben müssen. Der Nachteil gegenüber Amerika ist allerdings nur relativ, da der höhere Euro wahrscheinlich dazu beiträgt, dass die Notenbank EZB noch länger an ihrer großzügigen Zinspolitik festhält. Trotz weltweit anziehender Preise – besonders für Rohstoffe und Energie – dürften sich die Zinsen in Europa nur langsam erhöhen; gut für die Börsen.

Mit knapp 13.600 Punkten hat der Dax ein neues Hoch markiert. Getragen wird der Aufschwung von den wichtigen Branchen des Marktes: Die Fahrzeugwerte Volkswagen, BMW, Daimler und Continental werden angetrieben von der Branchenrevolution in Richtung E-Mobilität und autonomes Fahren; Allianz und Münchener Rück profitieren von der Aussicht auf zumindest etwas höhere Zinsen und davon, dass sich viele neue Konkurrenten der vergangenen Jahre (vor allem Finanzinvestoren) in der Versicherungsbranche nicht festsetzen konnten.

BASF und teilweise auch Bayer werden von der guten Chemiekonjunktur beflügelt. Bayer hilft zusätzlich die Aussicht auf eine womöglich schnellere Fusion mit Monsanto. SAP hat zwar nach dem verhaltenen Umsatzwachstum im dritten Quartal eine Pause eingelegt, dafür dürften nun die Erwartungen an das vierte Quartal nicht überzogen sein. Am 30. Januar werden die Ergebnisse veröffentlicht. Siemens-Aktien konnten ihre Schwäche überwinden, seitdem die Pläne für den Börsengang der Medizinsparte handfest wurden.

Was für Anleger dieses Jahr gefährlich werden könnte
Die US-Notenbank Federal Reserve in Washington. Quelle: AP
Rote Beleuchtung von Sperrpollern an der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen). Quelle: dpa
Eine Frau wirft in Köln (Nordrhein-Westfalen) ihren Wahlzettel in eine Urne. Quelle: dpa
Israelische Soldaten feuern in Bethelehem (Palästinensische Autonomiegebiete) mit Tränengas-Granaten auf palästinensische Demonstranten. Quelle: dpa
Ein Broker auf dem New Yorker Börsenparkett. Quelle: REUTERS
Ein Schild in der schweizerischen Stadt Zug. Quelle: dpa

Europas Börsen mit Aufwärtsschwung

Dem Dax kommt zugute, dass die europäischen Aktienmärkte insgesamt wieder anziehen. In Frankreich honoriert die Börse die Wirtschaftspolitik von Präsident Macron, der Aktienindex CAC 40 hat ein neues Zehnjahreshoch erreicht. Der breite europäische Aktienindex Stoxx 600, in dem auch Schweizer und britische Papiere verrechnet sind, notiert nur noch knapp unter dem Allzeithoch, das er bei etwa 415 Punkten schon dreimal erreicht hatte: Während der Jahrhunderthausse 2000, kurz vor der Finanzkrise 2007, sowie in einem schnellen Schub Anfang 2015. Sollte der europäische Aktienmarkt diese langjährige Hürde nehmen, wäre das ein weiteres Signal für eine Fortsetzung der weltweiten Aktienhausse.

Überhitzung an der Wall Street

Die Frage ist, ob die amerikanischen Aktienmärkte dazwischenfunken. Der Dow Jones hat seit Herbst 2016 um 45 Prozent zugelegt. Das ist eine der stärksten Anstiegsphasen der vergangenen Jahrzehnte. Die jüngsten, besonders schnellen Zugewinne, zeigen eindeutige Anzeichen einer Überhitzung. Stimmungsindikatoren signalisieren Top-Stände bei Optimisten, Kreditkäufe auf Aktien sich hoch, Volatilitätsindikatoren niedrig. In einem solchen Markt geht es nicht mehr darum, wo man günstig einsteigen kann. Entscheidend ist die Frage, wie lange der Markt noch laufen kann, bevor es eine heftige Korrektur gibt.

Die gesamte aktuelle Hausse am US-Aktienmarkt, die seit dem Tief nach der Finanzkrise begann, lässt sich in drei große Phasen einteilen: Erste Phase war 2009 bis 2011 die Aufholjagd nach der vorangegangenen Baisse. Sie entspricht im klassischen Sinne einer Akkumulation.

Zweite Phase war der moderate Anstieg von 2011 bis 2015, bei dem der Markt in regelmäßigen Abständen neue Hochpunkte markierte.

Die dritte Phase, der immer hektischere Anstieg seit 2016, läuft gerade. Immer mehr nimmt er dabei spiegelbildlich die Züge der Anstiegsphase 2009 bis 2011 an.

In den Phasen eins und zwei schaffte der Dow, wenn man kurze Kursextreme glättet, jeweils rund 60 bis 80 Prozent Plus. Würde man vom 2016er Tief bei 16.500 diese Werte nach oben rechnen, ergäbe das über den Daumen gepeilt eine Zielspanne zwischen 26.000 und 30.000 Punkten.

Wo Kapitalmarktexperten 2018 den Dax und die Wirtschaft sehen
Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin HelabaPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,4 Prozent Deutsche Wirtschaft +2,0 Prozent Dax 10.500 bis 13.500 Goldpreis 1.400 US-Dollar je Unze Quelle: dpa
Ulrich Stefan, Chef-Anlagestratege Deutsche BankPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,8 Prozent Deutsche Wirtschaft +1,8 Prozent Dax 14.100 Quelle: dpa
Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt DZ BankPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,8 Prozent Deutsche Wirtschaft +2,2 Prozent Dax 14.000 Quelle: Presse
Ulrich Kater, Chefvolkswirt Deka-BankPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,7 Prozent Deutsche Wirtschaft 2,2 Prozent Quelle: dpa
Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBWPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,6 Prozent Deutschland +2,3 Prozent Dax 13.700 Quelle: dpa
Erik F. Nielsen, Chefökonom UniCreditPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,9 Prozent Wirtschaft der Eurozone +2,3 Prozent Quelle: Presse
Stefan Krenzkamp, Chef-Anlagestratege Deutsche Asset ManagementPrognose für 2018: Weltwirtschaft +3,7 Prozent Wirtschaft der Europäischen Union +2,0 Prozent Dax 14.100 Quelle: Presse

Mit anderen Worten: Nach klassischer Lesart hat der amerikanische Aktienmarkt nun die heiße Phase eröffnet. Der Gesamtmarkt kann durchaus noch 1000, 2000 oder sogar noch mehr Punkte zulegen, das Risiko scharfer Rückschläge wird überproportional mitsteigen.

Diese extreme Anstiegsphase im Dow Jones könnte auch den europäischen Aktienmärkten noch etwas Spielraum geben. Im Dax könnte es damit in den nächsten Wochen durchaus noch bis auf gut 14000 Punkte gehen.

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