WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Riedls Dax-Radar

Wall Street mit Risiken, Frankfurt mit Perspektive

Seite 2/2

Dow-Klassiker leiden unter Dollar-Hoch

An der amerikanischen Börse zeigen immer mehr Aktien Ermüdungserscheinungen. Die Ikonen McDonald’s und Coca-Cola etwa kämpfen um die Grenzen ihres Wachstums. Meckes-Aktien haben sich seit drei Jahren zwischen 90 und 100 Dollar festgerannt. Die mangelnde Wachstumsperspektive und die nicht gerade günstige Bewertung machen eine Fortsetzung des langen Aufwärtstrends schwierig. Wenigstens sollte die Dividendenrendite von gut drei Prozent einen größeren Abschwung verhindern.

Bei Coca-Cola sieht es ähnlich aus, wobei der Kurs langfristig immer noch eine leichte Aufwärtstendenz zeigt. Auch diese Aktie verbindet eine hohe Bewertung mit einer ansprechenden Dividende. Die Wachstumsstory der braunen Brause aber ist schwierig geworden – und von heute auf morgen kann man das nicht einfach mit zuckerfreien Getränken und Tees wettmachen.

Spannend wird es mit IBM. Die Aktie ist seit zwei Jahren schwer unter Druck und einer der schwächsten Blue Chips weltweit. Im vergangenen Jahr kam ein langfristiges Verkaufssignal dazu. Nun gehört zu den prominentesten IBM-Aktionären auch Warren Buffett, der vor kurzem – im gleichen Quartal, in dem er Exxon verkaufte­ - bei IBM aufstockte. Das spricht durchaus für die Aktie.

Dennoch, bisher haben die IBM-Manager noch keine schlüssige Strategie vorgelegt, wie sie den langfristigen Hardware-Niedergang ausgleichen wollen. Software und Cloud allein genügen nicht, das machen derzeit alle im IT-Geschäft – und dabei tun sich auch andere renommierte Adressen nicht leicht, wie hierzulande SAP.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Mehr als ein Drittel der Dow-Aktien ist langfristig ins Stocken geraten (wie die genannten Coca-Cola und McDonald’s) oder stecken sogar in einer Abwärtswende (IBM, Exxon, Caterpillar, Chevron). Ein solcher Aktienmarkt kann, gerade für langfristige Investoren, tückisch werden. Umso mehr, da sich Investoren aus Europa derzeit natürlich vor allem wegen der Währungsgewinne wesentlich smarter fühlen. Das ist eine gefährliche Scheinsicherheit, denn an der Brüchigkeit des US-Aufschwungs ändert das nichts. 

Fahnenstange oder kalte Dusche?

In Deutschland steuern die Aktienmärkte unbeeindruckt neue Höhen an. Dabei ist dieser Anstieg, wie Sie in den vergangenen Monaten hier lesen konnten, keineswegs aus der Luft gegriffen. Er ist das Ergebnis aus zinsbedingtem Anlagenotstand, einer Wirtschaft, die sich besser als erwartet erholt und einer Anlegergemeinde, die nach wie vor in weiten Teilen pessimistisch ist und dem Börsen-Braten nicht traut. Könnte dieser Mix sogar für noch höhere Kurse gut sein?

Sollte der Dax kurzfristig, also in den nächsten drei bis vier Wochen, deutlich über 12.000 hinaussteigen, wäre das eine klassische Fahnenstange. Das ist ein exponentielles Überschießen der Kurse nach einer schon längeren Aufwärtsbewegung. In der Regel ist das ein klassisches Zeichen für ein Ende des Anstiegs, also die Euphorie in der Hausse. (Eine klassische Fahnenstange dieser Art gab es übrigens im Gold-Markt im Herbst 2011, als der Preis des Edelmetalls in wenigen Wochen von 1500 auf 1900 schoss – und seitdem nur nach unten zeigt.)

Das Problem dabei: Ebenso wie in einem Crash lässt sich in einer Fahnenstange das Ende nicht kalkulieren. Man kann in die Euphorie verkaufen; man kann aber auch an Bord bleiben und versuchten, mit knappen Stoppkursen nach oben zu pokern.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Dennoch, das hier präferierte Szenario ist immer noch eine Korrektur im Bereich um 12.000 und noch kein Durchstarten. Dafür spricht die fortgeschrittene Bewertung des Gesamtmarkts, die seit Oktober weit aufgelaufenen Kursgewinne und die Tatsache, dass sich dieser Anstieg in drei Phasen vollzogen hat, also eine komplette zyklische Bewegung darstellt. Zudem, darauf werden Charttechniker hinweisen, ist bei etwa 12.000 Punkten der obere Rand des Aufwärtstrendkanals erreicht, der sich seit Herbst 2011 gebildet hat. Da der Dax diesen Kanal von Oktober bis heute in einem Zug ausgemessen hat, ist es wenig wahrscheinlich, dass er nun auch noch einfach nach oben hinausläuft. 

Fazit für den Dax: Eine kurzfristige Top-Bildung um 12.000 könnte dazu führen, dass der Dax in den nächsten Wochen bis 11.000 zurückkommt. Bis in den Sommer hinein hätte er sogar Spielraum bis 10.000 und er würde seinen langfristigen Aufwärtstrend noch immer nicht brechen. Vor allem dieser enorme Spielraum ist es, der die Stabilität der großen Aufwärtsbewegung ausmacht. Für Investoren bedeutet das schlicht und einfach, möglichst im Markt zu bleiben.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%