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Riedls Dax-Radar
Die Daimler-Aktie ist reif für einen längeren Anstieg. Quelle: dpa

Favoriten für den nächsten Kursanstieg

Die Entwicklung führender Einzelaktien wie Daimler, Allianz und SAP spricht dafür, dass der Dax seine Frühjahrsrally fortsetzt. Nächste Ziele liegen um 12.500 Punkte. Vorübergehende Rücksetzer sind möglich, sollten aber spätestens um 11.700 Punkte aufgefangen werden.

Wenn Ola Källenius demnächst das Steuer bei Daimler übernimmt, wird es zur größten Umwälzung kommen, seit sich Daimler von dem fehlgeschlagenen Abenteuer mit Chrysler verabschiedet hat. Källenius wird dem Konzern eine neue Struktur unter einer Holding geben, wird das Geschäft um neue Mobilität massiv ausbauen, die Produktpalette in Richtung Elektroantrieb vorantreiben – und bei alldem die Kosten senken. Wenn nur ein Teil dieser Pläne, die Källenius aller Voraussicht nach in der Hauptversammlung am 22. Mai vorstellen dürfte, in den nächsten Jahren Realität wird, sollte Daimler an der Börse weit mehr wert sein als die 63 Milliarden Euro, die das Unternehmen heute auf die Waage bringt.

Meldungen über neue Abgasprobleme bei Daimler verpuffen derzeit an der Börse. Welche Belastungen auf die Stuttgarter zukommen, weil es möglicherweise in noch mehr Fahrzeugen als bisher angenommen Manipulationen gab, lässt sich derzeit nicht genau beziffern. Solange es nicht zu neuen, möglicherweise milliardenschweren Belastungen kommt, hat die Börse dies abgehakt.

Bemerkenswert ist die langfristige Kursentwicklung von Daimler. Die große Abwärtsbewegung setzte nämlich nicht erst mit der allgemeinen Abgasdiskussion ein, die nach dem Skandal um VW im Herbst 2015 begann, sondern begann schon Anfang 2015. Von da an, bis Ende 2018, hat sich Daimler halbiert.

Diese Kurshalbierung, die sich idealtypisch in zwei ähnlichen Phasen abspielte (von 2015 bis 2016 sowie 2018) war die größte Bereinigung des Kurses seit der Finanzkrise. Damit sind nicht nur Abgasprobleme, Branchenumbruch und operative Stockungen abgearbeitet, die Aktie ist nun auch reif für einen längeren Anstieg.

Die spannendsten Aktien der Woche

Große Kursverluste allein sind natürlich kein Grund, eine Aktie zu kaufen. Das zeigt im Dax etwa der Fall Bayer. Der desaströse Kursverlauf ist die Antwort des Marktes auf die unglückliche Monsanto-Übernahme. Die Situation ist hier ähnlich wie nach der Chrysler-Fusion von Daimler. Zu lange wurde an dieser Entscheidung festgehalten. Erst als sich Daimler von Chrysler trennte, drehte die Aktie nach oben.

Übertragen auf Bayer könnte das bedeuten: Für Anleger wird die Aktie erst dann wieder interessant, wenn es eines Tages zu einer Trennung von Monsanto kommen sollte.

Zitterpartie um Deutsche Bank, US-Hilfen für Technologieaktien

Schwere Kursverluste ohne substanzielle Hoffnung auf Erholung kennzeichnen auch die Deutsche Bank. Das Thema Fusion mit der Commerzbank ist auf zweierlei Art eine Last: Zum einen dürfte die Zusammenführung des operativen Geschäfts angesichts zahlreicher Überschneidungen schwierig werden. Zum anderen hängt die Frage der Finanzierung und möglicher Kapitalmaßnahmen wie ein Damoklesschwert über dem Kurs der Deutschen Bank.

Insgesamt besteht bei der Deutschen Bank zwar immer noch die Chance, dass sich im Bereich zwischen 6,50 Euro und 8,50 Euro eine große Wende entwickeln könnte. Angesichts des politischen Hintergrunds aber ist die Unsicherheit dafür groß. Für den Indexverlauf spielt die Deutsche Bank mit einem Börsenwert von nur noch 16 Milliarden Euro keine Rolle mehr. Die ebenfalls schwache Commerzbank hat den Dax schon vor längerer Zeit verlassen.

Die Finanzwerte, die jetzt noch im Dax sind, weisen dagegen eine starke operative Entwicklung auf, eine moderate Bewertung und eine ansehnliche Dividendenrendite: die Allianz und die Münchener Rück. Vom Brand der Kathedrale Notre-Dame sind beide, im Gegensatz zum französischen Konkurrenten Axa, nicht betroffen. Allianz und Münchener Rück gehören zu den Stützen, die den aktuellen Aufwärtstrend im Dax tragen.

Die Industrieaktien um Siemens, BASF und Daimler haben ihr Comeback gestartet, die Finanzwerte Allianz und Münchener Rück haben eine neue Phase in einem langfristigen Aufwärtstrend eingeleitet. Infineon wird von Hoffnungen in der Chipbranche beflügelt, der Branchenindex Philadelphia Semiconductor hat soeben ein neues Hoch erreicht.

Bei SAP, dem schwersten Dax-Wert, kommt es zwar immer wieder zu Problemen um Kundensoftware. Dank der starken Marktstellung und dem vielversprechenden Cloud-Geschäft zeigt aber auch hier der operative Trend nach oben.

Die Energieaktien RWE und E.On sollten sich im Zuge ihrer Neustrukturierung halten, auch wenn vor allem bei RWE die Finanzlage angespannt ist. Die defensiven Werte um Beiersdorf, Deutsche Post und Deutsche Telekom sind durch eine robuste Geschäftsentwicklung und nicht zu hohe Bewertung abgesichert. Beiersdorf ist zwar fundamental teuer, dafür aber mit einer hervorragenden Bilanz ausgestattet.

Die gute Verfassung zentraler Branchen und führender Einzelwerte im Dax spricht dafür, dass die mittelfristige Aufwärtsbewegung, die zu Jahresbeginn bei gut 10.400 Punkten startete, so schnell nicht zu Ende sein dürfte.

In den USA haben die Technologieaktien ihre bisherigen Hochpunkte genau erreicht und sind vom alten Top erst einmal abgeprallt. Das zeigt, dass die Stimmung an den Märkten zwar gut ist, aber nicht überschäumend optimistisch; dann hätte es gleich einen Durchmarsch im ersten Anlauf gegeben, und der hätte schnell zu einer Überhitzung führen können. So aber kommt es nun darauf an, dass die Märkte Kraft für die nächste Anstiegsphase sammeln. Im Nasdaq-100-Index wäre eine kurze Konsolidierung im Bereich zwischen 7500 bis 7700 Punkte optimal. Danach könnte es, womöglich im Mai, zu neuen Höchstkursen kommen.

Im Dow Jones könnte sich eine solche Konsolidierung um 26.000 Punkte abspielen. Für kurzfristige Korrekturen wäre nach unten Platz bis 25.300 Punkte. Hier verläuft die 200-Tage-Linie, die vor zwei Monaten wieder nach oben gedreht hat; ein klassisches Hausse-Signal.

Fazit für den Dax: Mit dem Rutsch unter die Zone um 12.000 Punkte begann im Herbst vergangenen Jahres die Baisse. Nun erobert der Dax diesen Bereich wieder zurück. Das nächste Ziel liegt um 12.500 Punkte. Vorübergehende Rücksetzer wie im Februar und im März sind möglich, sollten aber spätestens um 11.700 Punkten von Käufern wieder aufgefangen werden.

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