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Riedls Dax-Radar

Fortgeschrittener Börsenboom mit Korrekturpotenzial

Der deutsche Aktienmarkt erlebt derzeit ein Allzeithoch nach dem anderen. Der Dax hält Kurs, doch die Gefahr einer Korrektur nimmt zu.

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Die EZB beginnt damit, Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat anzukaufen. An der Börse kommt die Geldschwemme gut an. Quelle: dpa

Die EZB beginnt wie erwartet mit ihrem nächsten Expansionsprogramm. An den Börsen wird das dankend zur Kenntnis genommen, an der großen Aufwärtstendenz ändert sich bisher nichts. Nur einmal kurz, am Dienstag und Mittwoch (3. und 4. März), gab es den Ansatz einer Korrektur, in dem viele Börsianer schon das Ende des Anstiegs gesehen haben.

Die Ausschläge blieben aber in der Schwankungsbreite des seit Februar nach oben gerichteten Trends. Solche kurze Gegenbewegungen sind für die Hausse vorteilhaft: Sie bauen überschüssigen Optimismus ab und stabilisieren damit den Trend.

Auf der konjunkturellen Seite bestätigt die Notenbank, was sich seit Monaten abzeichnet: Die Wirtschaftsdynamik nimmt langsam zu. Sowohl die Prognosen für das Wachstum wie für die Inflation hebt Draghi leicht an. Die Gründe sind nicht überraschend: günstiges Öl, günstiger Euro, niedrige Zinsen.

Meilensteine des Dax von 1988 bis 2015

Kritiker meinen, die neue Projektion der EZB sei zu optimistisch. Für die Märkte steckt darin sogar ein positives Argument, denn damit hat die EZB die Möglichkeit, ihr Anleihekaufprogramm zu verlängern oder aufzustocken.

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    Riskanter Frühling

    Im Dax sind die bisher angepeilten 12.000 Punkte immer noch in Reichweite. Allerdings, bei allem Optimismus müssen sich Anleger im Klaren sei: Ein Aktienmarkt, der in sechs Jahren um mehr als 200 Prozent zugelegt hat,  allein in den vergangenen sechs Monaten um 34 Prozent, ist jederzeit reif für einen Rücksetzer, der auch einmal heftig ausfallen kann.

    Statistisch gesehen ist der März ein klassischer Wende-Monat. März 2000 ging die Jahrhundertrally zu Ende, März 2003 der High-Tech-Abschwung, März 2009 die Finanzkrisenbaisse. Zyklen-Strategen wie Heribert Müller aus Krefeld weisen zu Recht auf die brisante Situation an den Aktienmärkten hin.

    Eine Wende aus der Sicht der klassischen Analyse vollzieht sich jedoch nicht von heute auf morgen. Was derzeit vorliegt, ist eine zwischenzeitliche Überhitzung. Die lässt sich gut am Abstand der aktuellen Notierungen von ihrem 200-Tage-Durchschnitt ablesen.

    Wie die Dax-Konzerne ihre Anleger verwöhnen
    Dax-Konzerne werden 2015 wohl einen Rekordwert von 30 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten Quelle: AP
    Die Allianz verwöhnte ihre Aktionäre bereits in diesem Jahr und wird 2015 wohl die höchste Dividendenrendite ausweisen. Der Konzern erhöht seine Ausschüttungsquote um fast 30 Prozent. Dass die Allianz so spendabel ist, liegt unter anderem am hohen Nettogewinn des Versicherungskonzerns: Dieser wird fürs laufende Jahr wohl 6,5 Milliarden Euro betragen (in den ersten neun Monaten verdiente die Allianz bereits fünf Milliarden Euro). Dividendenrendite: 4,7 ProzentDividende: 6,85 Euro pro Aktie Quelle: dpa
    Der Rückversicherungskonzern Munich Re gehört ebenfalls zu den spendablen Dividendenzahlern. Der Konzern geht von einem Ergebnis von „leicht über drei Milliarden Euro“ aus. Vor allem weniger Belastungen durch Naturkatastrophen sorgten bei der Munich Re für einen Gewinnsprung im vergangenen Quartal. Dividendenrendite: 4,3 Prozent Dividende: 7,75 Euro pro Aktie Quelle: dpa
    BASF Quelle: obs
    Daimler Quelle: dpa
    Die Zahlungen der Deutschen Telekom an die Anteilseigner sollen von 2015 bis 2018 im Schnitt jährlich um zehn Prozent wachsen. Die Dividendenprognose ist an das Wachstum des Free Cash Flow gekoppelt. Damit bleibt die Telekom eine der spendabelsten Dax-Konzerne. Dividendenrendite: 3,1 Prozent Dividende: 0,50 Euro pro Aktie Quelle: REUTERS
    Die Deutsche Börse hat unter der Führung von Reto Francioni glänzende Jahre hinter sich. Der neue Chef Carsten Kengeter, ein früherer Investmentbanker, wird erst einmal zeigen müssen, ob er an Francionis Erfolg anknüpfen kann. Dividendenrendite: 3,0 Prozent Dividende: 2,10 Euro pro Aktie Quelle: dpa

    Positiv und damit bestätigend für den Trend ist es zunächst, dass der Dax deutlich über diesem Durchschnitt verläuft. Allerdings ist der Abstand zu dieser Linie (die derzeit etwa bei 9750 Punkten verläuft) so groß, wie noch nie in den vergangenen fünf Jahren. Vergleichbare Abstände gab es Anfang 2011 und Anfang 2014. In beiden Fällen kam es in Anschluss zu einer mehrmonatigen Seitwärtsphase.  

    Fazit zum Dax: Zwischen 11.500 und 12.000 Punkten könnte die zweite Phase der mittelfristigen Aufwärtsbewegung (die Anfang Januar begann) erst einmal auslaufen. Danach ist eine Korrektur möglich, die wiederum bis etwa 11.000 gehen könnte. Eine Trendwende nach unten liegt derzeit aber nicht vor.

    Gefahr aus Amerika

    In den Vereinigten Staaten zeichnet eine Entwicklung ab, die Anleger nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten: die wachsende Kritik an der Fed, die immer stärkere Opposition gegen die große Freiheit der Notenbank. Es ist zwar nicht neu, dass die Fed wegen ihrer großzügigen Geldpolitik kritisiert wird, doch mittlerweile werden Gegner in beiden Parteien merklich stärker, sogar Gesetzesvorhaben sind auf dem Weg.

    Die spannendsten Hauptversammlungen 2015
    Adidas AGWie geht es weiter mit Vorstandschef Herbert Hainer und „seiner“ Adidas AG? Die Frage nach der richtigen Strategie muss er beantworten. Die Russlandsanktionen und der fallende Rubelkurs setzten dem Sportartikelhersteller zuletzt arg zu. 2015 steht zudem kein wirklich großes Sportereignis an, das positive Impulse setzen könnte. Die Aktionäre sind besorgt. Termin für die Hauptversammlung ist der 7. Mai 2015. Quelle: Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW; eigene Recherchen) Quelle: REUTERS
    Commerzbank AGDie Commerzbank gehört zu den Dauerbrennern unter den kritischen Aktionärstreffen. Die Themen sind nicht trivial: Kommt das Unternehmen unter Führung von Martin Blessing endlich wieder auf die Füße? Wann gibt es wieder eine Dividende? Und kann die Commerzbank am Ende zum Branchenprimus Deutsche Bank aufschließen? Diese Fragen werden Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung beantworten müssen. Die Hauptversammlung findet am 7. Mai 2015 statt. Quelle: dpa
    Delticom AGDer Reifen-Onlinehändler hatte im letzten Jahr den Konkurrenten Tirendo übernommen. Bisher hat sich das nicht wirklich bezahlt gemacht. Ein weiteres Thema wird der nicht ausreichend aufgearbeitete Weggang des Finanzvorstands Frank Schuhardt im vergangenen Geschäftsjahr sein. Die Hauptversammlung findet am 5. Mai 2015 statt. Quelle: dapd
    Deutsche Bank AGDie größte deutsche Bank gilt schon seit einigen Jahren als Synonym für aufwühlende Hauptversammlungen (HV). In der diesjährigen wird es in erster Linie um die Frage nach der Verantwortlichkeit für Schäden durch Rechtsprozesse gehen. Auch das schwächelnde Hauptgeschäft wird sicher für Diskussionsstoff sorgen. Im Zentrum wird dabei die bis zur HV ausgerufene „neue“ Strategie stehen. Hauptversammlungstermin ist der 21. Mai 2015. Quelle: dpa
    Reto Francioni Quelle: dpa
    Deutsche Lufthansa AG Quelle: dpa
    Deutsche Telekom AG Quelle: dpa

    An die Leine des Kongresses wird die Fed wahrscheinlich nicht gelegt, wie die Volkswirte der Commerzbank in einer schönen Analyse beschrieben haben. Doch allein die Tatsache, dass sich die Notenbank in Zukunft wahrscheinlich stärker als bisher für ihren expansiven Kurs rechtfertigen muss, könnte die eine oder andere großzügige Maßnahme etwas bescheidener ausfallen lassen; ohnehin sind schon bisher einige Maßnahmen der Fed in ihrem Gremium nur knapp entschieden worden.

    An den Wertpapiermärkten ist diese Gefahr noch kaum präsent – und wenn, dann indirekt als Baustein für die aktuelle Stärke des Dollars. Sollte die Fed auch nur etwas von ihrer Unabhängigkeit einbüßen, könnte das an den Märkten angesichts der bisher extremen Geldpolitik (und der Tatsache, dass Märkte in solchen Fällen gern überreagieren) durchaus zu einem Kursabschlag führen.

    Versorger in der Not

    Zu den Dax-Aktien, die immer wieder als große Wende-Spekulationen herumgereicht werden, zählen die Versorger. Bei RWE gab es vor kurzem die Erleichterung, als der Verkauf von Dea für 5,1 Milliarden Euro nach längerer Zitterpartie doch gelang. Dabei ist nicht nur den britischen Behörden ziemlich unwohl, auch in der Bundesregierung herrscht über den Deal keine besondere Freude.

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      Eigentlich wäre Dea (neben Wintershall von BASF) als einer der wenigen wirklichen Förderer in deutschem Besitz ein Baustein für die heimische Energiesicherheit gewesen. Der kommt nun ausgerechnet in die Hände eines russischen Oligarchen. BASF hatte ein Tauschgeschäft mit Gazprom wegen der politischen Implikationen im Dezember abgeblasen. Dass RWE so eisern daran festhielt, ist auch ein Zeichen dafür, wie notwendig die Essener den daraus erzielten Milliardenerlös brauchen.

      Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

      5,1 Milliarden sind kein Pappenstiel – vor allem nicht für RWE, die bei 31 Milliarden Euro Nettoschulden nur noch 13 Milliarden Euro Eigenkapital haben. Dazu muss RWE auch noch pünktlich seine kommunalen Aktionäre versorgen, immerhin 24 Prozent. Die wollen mindestens einen Euro Dividende pro Aktie. Unterm Strich sind das für alle Anteile 615 Millionen Euro. Das kann sich RWE leisten, denn der Nettogewinn dürfte im vergangenen Jahr deutlich über einer Milliarde Euro gelegen haben.

      Börse



      Dennoch, das Umfeld bleibt schwierig. Die Hoffnungen, dass die Versorger für die Bereitstellung von Kraftwerkskapazitäten entlohnt werden, schwinden immer mehr, nachdem sowohl das Wirtschaftsministerium als auch die Netzbetreiber das ablehnen. Zudem ist das Überangebot an Strom weiterhin drückend. Der Strompreisindex Phelix der Leipziger Börse hat nach einem kurzen Anstieg im Februar wieder nach unten gedreht. Ein Ende der langen Abwärtstendenz bei den Großhandelsstrompreisen ist nicht in Sicht. RWE bleibt ein Kellerkind im Dax.

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