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Riedls Dax-RadarGefährliche Schlagseite für die Kurse

Eskalierende Inflation, überfordert wirkende Notenbanken und Turbulenzen bei billionenschweren US-Aktien erhöhen den Druck auf den Dax. Der Kampf um den großen Trend an den Aktienmärkten geht in die nächste Runde.Anton Riedl 04.02.2022 - 13:17 Uhr

Schlagseite für den DAX.

Foto: Marcel Stahn, Getty Images

Europa ist zurück an den Kapitalmärkten – aber anders, als sich das viele Anleger und wohl auch die Europäische Notenbank wünschen. Wochenlang standen die Renditen für amerikanische Staatsanleihen im Mittelpunkt des Interesses; ihr dynamischer Anstieg auf fast 1,90 Prozent bei zehn Jahren Laufzeit bestimmte den Takt an den Wertpapiermärkten.

Nun, nachdem auch in Europa die Inflationszahlen massiv klettern, zieht auch die Rendite der Bundespapiere an, der wichtigsten Anleihen in der EU.

Binnen einer Woche ist die Rendite für zehnjährige Bunds von minus 0,05 auf plus 0,15 Prozent gestiegen, obwohl die US-Renditen dabei nur auf der Stelle traten. Die Bund-Rendite hat nun den höchsten Stand seit Anfang 2019 erreicht. Zentrale Anleihebarometer wie der Rentenindex Rex und der Bund-Future drehen nach unten ab. Und, weil der amerikanische Zinsvorsprung plötzlich und unerwartet deutlich schrumpft, knickt auch die amerikanische Währung ein – und der Euro steigt im Gegenzug innerhalb einer Woche von 1,11 auf 1,15 Dollar. 

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Offensichtlich ist, dass die Vorstellung, die von der europäischen Notenbankchefin Christine Lagarde am Donnerstag gegeben wurde, an den Märkten nicht gut ankam. Zwar erhöht die EZB wie erwartet bis auf weiteres nicht die Zinsen. Doch unterschwellig wächst die Sorge vor hohen und hartnäckigen Inflationszahlen. Ganz besonders wächst dabei an den Märkten die Angst, dass die EZB dieser Entwicklung nicht mehr Herr werden könnte. Das wiederum könnte eines Tages dann starke geldpolitische Maßnahmen notwendig machen, mit denen der Aufschwung von Konjunktur und Märkten endgültig beendet wäre. Der jüngste Absturz der Anleihenkurse in Europa ist ein neues, weiteres Problem, das die aktuellen Turbulenzen an den Börsen anheizt. 

Derweil halten die Geschäftszahlen und Prognosen der weltgrößten Aktiengesellschaften die Marktteilnehmer schwer in Atem. Positive Meldungen von Apple, Alphabet, Microsoft und zuletzt besonders Amazon stehen herben Enttäuschungen von Meta Platforms (Facebook), Netflix oder Paypal gegenüber. Dass die Kurse dabei binnen Sekunden deutlich zweistellige Ausschläge vollziehen, ist ein Zeichen für die Anspannung und die Nervosität der Investorengemeinde. Sie demonstriert auch die mittlerweile erreichte hohe Funktionalität der Handelsplattformen, auf denen billionenschwere Werte binnen Sekunden weit nach oben oder unten getradet werden können. Auch darin liegt eine Gefahr, da sich damit das Risiko eines Automatismus bis hin zu einem Crash spürbar erhöht. 

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Die Indexkurven werden von den Aktienturbulenzen mächtig nach unten und oben gezogen. Der Nasdaq-100-Index, der in der aktuellen, technikgetriebenen Hausse ausschlaggebend ist, hat nach seinem heftigen Verlusten im Januar auf bis zu 13.720 Punkte in vier Tagen eine schnelle Erholungsrally bis auf 15.280 geschafft. Noch allerdings ist der Kampf um das wichtige Niveau um 15.000 Punkte nicht gewonnen. Hier verläuft die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Tage, sie ist ein wichtiger Hinweisgeber für den mittel- bis langfristigen Trend. 

SAP kippt, Infineon strauchelt

Auch im Dax kommt es bei den Technologiewerten zu großen Abschlägen. SAP ist schon in der vergangenen Woche nach einem enttäuschenden Ausblick unter den wichtigen Kursbereich bei 113 bis 115 Euro gerutscht. Nun gerät sogar Favorit Infineon unter Druck. Obwohl der Chiphersteller im ersten Quartal des bis September reichenden Geschäftsjahres gut verdient hat und auch die Prognosen robust sind, hat die Aktie seit dem Novemberhoch schon ein Fünftel eingebüßt. Dahinter steht die allgemeine Verunsicherung gegenüber Technologiewerten aber auch die Frage, wie lange die Lücke zwischen hohem Chipbedarf und dem Angebot der Hersteller noch auseinanderklafft. Dazu wachsen Bedenken, ob es bei einer Entspannung auf dem Chipmarkt im Infineon-Kerngeschäft Halbleiter für die Autoindustrie nicht doch zu Stornierungen kommen könnte.

Ein Nachteil für Infineon wäre auch eine wider Erwarten stärkere Erholung des Euro. Nach der Übernahme der amerikanischen Cypress erwirtschaftet das Unternehmen zwei Drittel seines Umsatzes in Dollar. Der Rückfall der Infineon-Aktie unter die 200-Tagelinie bei 36,20 Euro ist ein Schwächezeichen. Wenn sich der Kurs nicht schnell wieder über dieses wichtige Niveau erholt, drohen weitere Rückschläge bis in die Zone um 30 Euro. Für den Dax ist es eine Hypothek, dass nach seinem schwersten Technologiewert SAP nun auch sein bisher bester Technologiewert Infineon ins Straucheln gerät. 

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Unter Druck bleiben auch die Dax-Aktien, die im vergangenen Jahr besonders von Zusatzgeschäften in der Pandemie beflügelt wurden. So kann Biotechzulieferer Qiagen das Topniveau um 50 Euro nicht halten und ist in eine Seitwärtsbewegung im mittleren 40er-Bereich übergegangen. Die Geschäftszahlen, die am 8. Februar anstehen, sollten bei einer Wachstumsrate von mindestens 15 Prozent nicht schlecht ausfallen. Dennoch dürfte 2022 für Qiagen ein Übergangsjahr werden vom starken Geschäft mit Coronatests hin zu neuen Produkten, die nichts mit der Pandemie zu tun haben. Für ein marktführendes Unternehmen der Biotech- und Laborbranche ist die Bewertung nicht überzogen; Fusionsfantasie, auch wenn sie aktuell abgeklungen ist, besteht weiterhin. Beides sollte die Aktie vor größeren Rückschlägen bewahren. 

Telekom ist noch stabil, Bayer eine heiße Turnaround-Spekulation

Einen kräftigen Schub gibt es für die Deutsche Telekom. Motor ist das starke Geschäft der amerikanischen Mobilfunktochter, bei der die Zahl der Vertragskunden im vergangenen Jahr um 5,5 Millionen stieg, stärker als erwartet. Die Dynamik der Aktie von T-Mobile US zieht nun auch die Anteile der Muttergesellschaft Telekom nach oben. Selbst in einer allgemeinen Unsicherheitsphase des Gesamtmarktes sollte sich die Telekom vergleichsweise stabil zwischen 16 und 18 Euro halten. Die Bewertung ist im Branchenvergleich günstig, die gute Dividende in hektischen Börsenzeiten ein Sicherheitspolster. 

Hochspannung verspricht die Entwicklung bei Bayer. Schon seit einigen Wochen zieht die Aktie langsam an, obwohl beim größten Problem, den juristischen Altlasten aus der Monsanto-Übernahme, noch keine abschließende Entspannung in Sicht ist. Das aber ist 2022 nun möglich. Entscheidend wird sein, was das Oberste Gericht in den USA in den nächsten Monaten zu den Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat sagt.

Brisant dabei ist, dass Bayer wahrscheinlich ohnehin vor einer grundlegenden Neuorientierung steht. Die Konzeption des integrierten Konzerns aus Pharma und Agrarchemie ist offensichtlich fehlgeschlagen. Wenn durch die Entscheidung des Obersten Gerichts ein Schlussstrich unter das langjährige Monsanto-Debakel gezogen wird, dürfte in Leverkusen ein Neustart beginnen. Und das könnte eine Aufspaltung in die großen Einheiten Gesundheit und Agrarchemie zufolge haben. Goldman Sachs hat hier einen Unternehmenswert von 90 Milliarden Euro hochgerechnet. Selbst nach Abzug einer angenommenen Maximalbelastung in Sachen Monsanto von 15 Milliarden Euro bliebe ein Wert von 75 Milliarden. Und der läge weit über der aktuellen Marktkapitalisierung. Bayer ist die heißeste Turnaround-Spekulation unter den großen Unternehmen hierzulande.

Fazit für den Dax: Der starke Anstieg der Zinsen nun auch in der Eurozone, die weitere Kletterpartie beim Inflationstreiber Ölpreis und die heftigen Kursturbulenzen bei den weltweit führenden Technologieaktien halten die Börsen in Atem. Dazu kommt die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Konflikts in der Ukraine. Der Dax ist vor kurzem per Schlusskurs zwar knapp über den wichtigen Kursbereich bei 15.600 Punkten gekommen, konnte sich hier aber bisher nicht nachhaltig behaupten. 

Nun verliert der Gesamtmarkt zunehmend an Stärke. Nur noch bei 12 von 40 Dax-Werten verlaufen die aktuellen Kurse oberhalb der 200-Tagelinie. Das ist ein Baisse-Übergewicht von 70 zu 30. Mit Blick auf die nächsten Wochen sieht derzeit nur noch eine Handvoll Aktien vielversprechend bis gut aus: Kurzfristig besonders Deutsche Bank, Deutsche Telekom, RWE, sowie der Sonderfall Bayer. Allianz, Münchener Rück, E.On und Deutsche Börse sind ebenfalls mittelfristig robust, hätten aber Spielraum für kurzfristige Korrekturen. Gemeinsam ist diesen Aktien ihr eher defensiver Charakter und ihre Stärke in einem Umfeld steigender Zinsen. 

Im Dax wächst damit die Gefahr eines weiterer Tests der entscheidenden Untergrenze bei 15.000 bis 14.800 Punkten. Seit Mai 2021 ist der Dax bei seinen Korrekturen sechsmal bis zu diesem Niveau abgerutscht, hat sich dort aber immer wieder erholen können. Sollte ihm das beim siebten Mal nicht mehr gelingen, könnte es schnell bis zur nächsten Kursstation gehen, die dann bei 14.000 bis 13.800 Punkten liegt. Statistisch gehört der Februar zu den schwächeren Monaten im Dax – wobei die durchschnittliche Performance (inklusive Rückrechnung bis 1959) mit 0,3 Prozent immerhin positiv ausfällt.

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