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Riedls Dax-Radar
Händler verfolgen auf ihren Monitoren im Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main die Kursentwicklung. Quelle: dpa

Gefährliche Turbulenzen an den Börsen

Der Dax schloss am Dienstag so niedrig wie seit Dezember 2016 nicht mehr. Entspannung ist kurzfristig nicht in Sicht. Dafür ziehen Krisenbarometer wie der Goldpreis an.

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Die Hoffnung, dass sich die Monsanto-Übernahme für Bayer an der Börse doch noch zum Guten wenden könnte, hat sich in Luft aufgelöst. Das Thema Glyphosat bleibt mit hoher Unsicherheit verbunden – und nichts ist an der Börse schlechter als Unsicherheit.

Nach dem Richterspruch in Amerika sind Bayer-Aktien wieder bis auf den Tiefpunkt vom September gerutscht. Ob die Risiken damit verarbeitet sind, ist zweifelhaft. Sollte sich der angepeilte Erfolg der Monsanto-Übernahme langfristig nicht einstellen, drohen Abschreibungen. Und dabei ist die Aktie trotz der jüngsten Kursrückgänge nicht günstig bewertet. Der Abwärtstrend der Bayer-Aktie ist so dynamisch, dass ein weiterer Rückgang bis in den Bereich um 60 Euro möglich ist.

Bayer ist mit rund 70 Milliarden Börsenwert immer noch einer der wichtigsten Dax-Werte. Wenn der an einem Tag acht Prozent verliert, zieht das den Index wie Blei nach unten. Andere Werte ziehen mit: Covestro wird von einer Rückstufung von Goldman Sachs kalt erwischt. Teuer ist die Aktie eigentlich nicht, doch Anleger fürchten nun ein Abflauen der Chemiekonjunktur. Bei Kursen um 50 Euro könnte eine Gegenreaktion starten.

Infineon leidet unter der möglichen Abwärtswende der Chip-Aktien. Aktuell drückt der schwache Ausblick des österreichischen Chipherstellers AMS. Zudem wird das Unternehmen auch als Autozulieferer eingestuft, und das ist derzeit an der Börse ein Nachteil.
Wirecard setzt seine Abwärtsbewegung fort. Gerade in turbulenten Marktphasen wie diesen werden deutlich überbewertete Aktien wie Wirecard ganz besonders zusammengestutzt.
Der Dax ist durch die aktuelle Verkaufswelle durch die Unterstützung bei 11.400 Punkte gerauscht. Am Dienstagabend schloss er bei 11.274 Punkten. Der Marktdruck ist hochdynamisch. Das Kursbild im Dax, die Kursschwankungen der vergangenen zwei Jahre, haben die typische Form einer oberen Wende angenommen. Würde man den Dax allein für sich betrachten, könnte das der Beginn einer längeren Abwärtsbewegung werden.

Die Entscheidung wird an den US-Märkten fallen. Wenn die ebenfalls wegrutschen, wäre der Börsensturm perfekt. Im Nasdaq-100-Index wird sich der Kampf um die 7000er-Marke entscheiden; im Dow Jones kommt es auf die Marke 25.000 Punkte an. Obwohl die Unternehmensergebnisse in Amerika insgesamt bisher nicht schlecht waren, ist die erfolgreiche Verteidigung dieser Untergrenzen keine ausgemachte Sache.

Hohe Nervosität am Markt ist kein gutes Zeichen. Nervöse Märkte sind gefährlich, weil die Mehrheit der Anleger noch investiert ist und deshalb auf die Verkäuferseite wechseln könnten. Das drückt die Kurse. Dass der Goldpreis mit einem Kaufsignal aus dem seit mehreren Monaten bestehenden Abwärtstrend ausgebrochen ist und nun nach oben zieht, passt zur heiklen Situation bei Aktien.

Fazit für den Dax: Das Risiko weiterer Kursverluste ist hoch. 80 Prozent aller Dax-Aktien verlaufen unterhalb ihrer 200-Tage-Linie. Das ist mittelfristig hartnäckige Baisse. Bevor der Markt keinen richtigen Ausverkauf hinter sich hat, dürften antizyklische Käufe verfrüht sein. Geht es nach der Wendeformation im Dax, könnten die Kursziele dafür im Bereich zwischen 10.500 bis 10.800 Punkten liegen.

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