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Riedls Dax-Radar
Quelle: Bloomberg

Gewinne laufen lassen, bei Rückschlägen nachfassen

Das Börsenjahr 2019 brachte im Dax 25,5 Prozent Gewinn. Für 2020 sind die Vorzeichen gut. Dennoch sollten Anleger nicht übermütig werden.

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Mit einem Schlussstand von 13.249 Punkten hat der Dax 2019 gegenüber dem 2018er-Schluss (10.559 Punkte) 25,5 Prozent gut gemacht. Das ist ein überdurchschnittlich starker Wertzuwachs, der sich aus Kursgewinnen und Dividenden ergeben hat. 2012 schaffte der Dax mit 25,5 Prozent das gleiche Ergebnis; 2011 kamen sogar 29,1 Prozent zusammen. Es ist also durchaus möglich, dass der Dax nach einem guten Jahr noch einmal einen Gewinn in ähnlicher Höhe draufpackt. 

Der langjährige Durchschnitt hat sich mittlerweile bei knapp neun Prozent Plus eingependelt. Auch das ist ein respektables Ergebnis, vor allem gemessen an der durchschnittlichen Anleiherendite, die mit minus 0,3 Prozent derzeit immer noch im negativen Terrain liegt. Für langjährige Anleger, die über Perioden von fünf oder mehr Jahren anlegen, ist dies ein wichtiges Argument, das generell für ein Investment in Aktien spricht. 

Das bisherige Hoch im Dax, 13.560 Punkte im Januar 2018, hat der Dax 2019 allerdings nicht mehr erreicht. Das ist ohne Frage ein Schwächezeichen, denn die wichtigsten internationalen Indizes haben dagegen neue Rekorde erreicht, vor allem der Technologieindex Nasdaq und der Dow Jones. Selbst der Stoxx 600, in dem die 600 führenden europäischen Aktien stecken – inklusive Papiere aus der Schweiz und Großbritannien – ist mit zuletzt 420 Punkten auf ein neues Hoch gestiegen. Der Stoxx 600 hat damit die Kursspitzen aus den Jahren 2000, 2007, 2015 und 2018 überboten. Der marktbreite Index gibt auf diese Weise ein vielversprechendes Signal für den europäischen Aktienmarkt und die europäische Wirtschaft.

Dass der Dax noch nicht so weit vorgedrungen ist wie die Konkurrenz, hat mit dem unterdurchschnittlichen Abschneiden der Fahrzeugwerte BMW, Daimler, Continental, den flauen Chemieaktien Henkel und Covestro sowie den Losern Lufthansa und Wirecard zu tun. Ein Hemmschuh war auch die Deutsche Telekom, die mit 70 Milliarden Euro immer noch ein Schwergewicht im Dax ist, außer Dividende aber praktisch keinen Kurszuwachs einbrachte. Die langjährige Verlustaktie Deutsche Bank, deren Börsenwert mittlerweile nur noch auf dem Niveau des umstrittenen Bezahldienstleisters Wirecard liegt, konnte 2019 ihren Abwärtstrend zumindest stoppen. Für die Tendenz des Index spielt das einstmals mächtigste Geldhaus der Republik aber keine Rolle mehr. 

Die differenzierte Entwicklung im Dax ist für Anleger ein Vorteil: Sie zeigt, dass der Gesamtmarkt noch nicht heiß gelaufen ist, generell also noch Luft nach oben besteht. Sollte sich die allgemeine Wirtschaft 2020 stärker erholen als erwartet, dürfte das den bisher schwachen, konjunkturabhängigen Aktien die Aufholjagd ermöglichen. 

Vielversprechende Signale aus China

Eine wichtige Rolle wird dabei unter anderem die chinesische Wirtschaft spielen. Hier signalisiert die führende Indexkurve der Börse Shanghai eine vielversprechende Entwicklung. In den vergangenen Monaten hatten sich die Kurse im Zuge der zeitweisen Entspannung mit den USA schon stabilisiert. Mit 3040 Punkten gelang dem marktführenden Composite-Index der Börse Shanghai zuletzt dann der Sprung über die wichtige 3000er-Marke.

Der Markt honoriert dabei auch die jüngsten Maßnahmen der Regierung in Peking, die ab Januar Zölle auf mehr als 850 Produkte senkt und Reserveanforderungen der Banken reduziert. Mit diesen Maßnahmen versuchen die Chinesen, das Wachstumstempo von bisher rund sechs Prozent aufrechtzuerhalten.

Die Unsicherheiten der vergangenen Monate sind deshalb zwar nicht vom Tisch. Dennoch wäre eine Stabilisierung des SSE-Index über 3000 Punkte eine gute Vorgabe für den Start ins neue Jahr. Mit einer vorangegangenen Korrektur von acht Monaten Dauer hat der chinesische Aktienmarkt die Risiken der wackligen Konjunktur und des Handelsstreits mit den USA immerhin zu einem großen Teil verarbeitet. Mittelfristig dürften nun die Erholungstendenzen überwiegen.

Fazit für den Dax: Die Chance auf eine politische Entspannung im Wahljahr 2020, weiterhin niedrige Zinsen und womöglich eine schrittweise Stabilisierung der Konjunktur bieten im neuen Jahr ein gutes Umfeld für Aktien. Insgesamt hat der Dax durchaus die Chance auf neue Höchstkurse. Kurzfristig ist es ihm trotz mehrerer Anläufe allerdings noch nicht gelungen, sich aus seiner zweimonatigen Konsolidierung zwischen 12.900 und 13.400 Punkten zu befreien. Da auch an den taktgebenden Märkten wie der US-Technologiebörse Nasdaq nach drei Monaten ununterbrochener Kletterpartie vorübergehende Korrekturen in der Luft liegen, könnte der Dax nun kurzfristig sogar unter Druck kommen. 

Optimal wäre es, wenn er dabei das Niveau um 13.000 Punkte verteidigt. Wenn nicht, könnte sich die Korrektur bis in den Bereich um 12.600 Punkte ausdehnen. Spätestens dann sollten sich aber wieder neue Kaufgelegenheiten ergeben.

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