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Riedls Dax Radar
Persil-Hersteller Henkel ist am Haarpflege-Riesen Wella interessiert, doch an der Börse wird der mögliche Zukauf mit Skepsis betrachtet Quelle: dpa

Henkel, Autos, Chemie und die Fed sorgen für Skepsis

Vorsicht: Nach Monaten steigender Kurse ist die Börse reif für eine Konsolidierung. Neue Impulse für den Dax könnten in Kürze von der US-Notenbank kommen. Besondere Chancen entstehen bei Spezialsituationen wie Henkel.

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Während der Dax vom Tief Anfang Oktober in der Spitze bisher zwölf Prozent gut gemacht hat und in die Nähe seines Allzeithochs gekommen ist, sind an den Kapitalmärkten die Zinsen deutlich gestiegen. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit haben sich seit September von 1,5 Prozent auf 1,9 Prozent erhöht, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von minus 0,7 Prozent auf minus 0,2 Prozent. So stark haben die Zinsen seit zwei Jahren nicht mehr zugelegt.

Geschadet hat das den Aktienmärkten offensichtlich nicht.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen war der Zinsanstieg eine Reaktion auf den dramatischen Zinsverfall Ende 2018 bis Sommer 2019. In dieser Phase gingen die Anleihemärkte davon aus, dass die Zinspolitik der Notenbanken auf alle Ewigkeit expansiv sein werde. Zum anderen rechneten sie überwiegend damit, dass die großen Volkswirtschaften in eine Rezession abrutschen.

Die spannendsten Aktien der Woche

Die partielle Entspannung in der Handelspolitik, die immer noch moderaten Wirtschaftsdaten und die insgesamt zufriedenstellenden Ergebnisse der meisten Unternehmen schürten dann die Hoffnung auf eine doch stabilere Konjunktur. Niedriges Zinsniveau und eine Wirtschaft, die zumindest auf kleiner Flamme köchelt, sind für Aktienmärkte eine gute Mischung.

Mit dem Anstieg der vergangenen Monate haben die Börsen dieses positive Umfeld reichlich honoriert. Was aber, wenn sich diese Bedingungen doch wider Erwarten eintrüben – wenn etwa die Hoffnung auf eine Handelsentspannung zwischen China und den USA verfliegt? Oder wenn die Notenbanken, vor allem die amerikanische Fed, ihre zuletzt expansive Zinspolitik nur als Episode darstellt, weil sie langfristig doch die Zinsen anheben will? Immerhin hat Fed-Chef Powell genau dieses Szenario in den vergangenen Monaten mehrmals hervorgehoben.

Dass die konjunktursensiblen, großen Börsenwerte derzeit noch nicht über dem Berg sind, zeichnet sich wieder deutlicher ab. Das betrifft im Dax vor allem die Autowerte. Nachzügler Daimler und BMW dürften Jahre für ihre Wende zu neuen Antriebsformen brauchen. Selbst VW, der Elektro-Protagonist unter den Großen, warnt vor übereilten Hoffnungen.

In der Chemie sieht es ähnlich aus. Bei der Leverkusener Covestro, die vor allem unter dem Preisdruck wichtiger Kunststoffe leidet, ist auf absehbare Zeit keine nachhaltige operative Erholung in Sicht. Die Aktie scheiterte deshalb auch daran, den Widerstand bei 45 Euro klar zu überwinden. Sollte sich die Korrektur des Gesamtmarkts fortsetzen, könnte dies bei Covestro zu einer zähen Schwankungsphase zwischen 38 und 45 Euro führen.

Obwohl nicht mehr im Dax, ist auch das Desaster bei Thyssenkrupp für den deutschen Aktienmarkt aufschlussreich. Immer offensichtlicher wird, dass die operative und finanzielle Entwicklung des Stahl- und Industriekonglomerats bisher noch schwächer ist, als befürchtet. Die auf den ersten Blick niedrige Marktbewertung von nur noch sieben Milliarden Euro ist damit immer weniger ein günstiges Angebot, sondern auch ein Risikosignal.

Mittelfristig könnten Thyssen-Aktien zwischen 9 und 14 Euro einen breiten, mehrmonatigen Boden bilden. In den nächsten Monaten muss sich dann zeigen, ob die Sanierungsmaßnahmen der neuen Konzernführung greifen oder nicht. Wer vorsichtig ist, wartet ab, bis die Aktie mit einem möglichen Anstieg über 14 Euro ein mittelfristiges Kaufsignal schafft – so wie sie Mitte 2018 beim Unterschreiten der Marke von 21 Euro ein schweres Verkaufssignal gab, rechtzeitig vor der aktuellen schweren Krise.

Zuversichtliche Signale für den Dax kommen von Siemens. Die angepeilte Dreiteilung des Konzerns in die Sparten Industrie, Energietechnik und Medizintechnik wird von Investoren honoriert, weil sie sich eine Schärfung des operativen Profils und eine Höherbewertung an der Börse versprechen. Vor allem durch die Ausgliederung des problematischen Geschäfts mit Energietechnik könnte Siemens eine seiner chronischen Schwachstellen beseitigen. Die Medizintechnik, Siemens Healthineers, hat dazu vor Kurzem gute Zahlen und Prognosen geliefert. Das neue Kerngeschäft um die digitale Fabrik der Zukunft könnte Siemens dann zu einem echten Anlagefavoriten machen.

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