Riedls Dax-Radar
Long-Short-Fonds: Eine Rezession oder Turbulenzen sind in den Kursen europäischer Aktien nicht eingepreist. Quelle: dpa/Montage

Hochspannung am US-Markt, gefährliche Schwäche im Dax

Die Erholung im Dax kommt nur langsam voran. Damit steigt das Risiko, dass die Aktienmärkte noch einmal nach unten durchrutschen. Ist die Lage vielleicht sogar so kritisch wie 1929?

Die amerikanische Notenbank hat die Ruhe weg. Als ob sich in den vergangenen Wochen nichts an den Wertpapiermärkten geändert hätte, bereitet sie die Welt auf weitere Zinserhöhungen vor. Drei könnten es noch in diesem Jahr werden, die nächste erfolgt womöglich schon am 21. März.

Die neue Fed-Spitze unter Jerome Powell hat eine starke Wirtschaft im Rücken. Die US-Konjunktur hat sich zuletzt sogar noch gefestigt. Warum also warten mit dem Versprechen, die Zinsen weiter anzuheben?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die stramme Linie der US-Notenbank sei nicht gut für die Märkte. Doch in Amerika leben die Investoren schon seit eineinhalb Jahren mit steigenden Zinsen. Die für die Kapitalmärkte wichtigste Zinskurve, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, zog in einer ersten Phase von 1,3 Prozent auf 2,6 Prozent an. Danach folgte eine Beruhigung auf 2,0 Prozent. Seitdem geht es steil nach oben, bisher wurden 2,9 Prozent erreicht.

Und noch immer wird das am amerikanischen Aktienmarkt positiv interpretiert: Hinter dem Zinsanstieg sehen Anleger die starke Konjunktur und die langsame Rückkehr zur Normalität; und hinter den Steuererleichterungen von Präsident Trump, auf denen derzeit große Hoffnungen ruhen, niedrigere Belastungen für Unternehmen, also höhere Gewinne.

Kommt es womöglich so schlimm wie 1929?

Obwohl die Rückschläge an den US-Börsen Anfang Februar sehr heftig waren, wurden die großen Trends nicht verletzt. Und nun, in der Erholungsphase, hat der Dow Jones schon die Hälfte seiner Verluste gutgemacht. An der Technologiebörse Nasdaq wurde der Einbruch sogar zu drei Vierteln ausgeglichen. Top-Aktien wie Amazon, Adobe oder Cisco haben nach dem Crash sogar schon wieder neue Höchstkurse erreicht. Sind das Anzeichen, dass die Gesamtmarkttendenz bald wieder nach oben zeigt?

Ausgerechnet im aktuell so starken US-Aktienmarkt sieht Vermögensverwalter Jens Ehrhardt derzeit das größte Risiko. Er geht sogar so weit, den Einbruch von Anfang Februar mit den ersten Schockwellen vor dem großen Crash von 1929 zu vergleichen. Die fundamental größte Gefahr liegt für ihn in steigenden Zinsen und einer Verkaufswelle am Anleihemarkt. Das entscheidende markttechnische Risiko dazu ist die Überspekulation in Amerika, die sich in einem zu hohen Optimismus zeigt. Sein Rat: Unterm Strich sollten Anleger derzeit lieber vorsichtig sein.

Die fünf wichtigsten Aktien im Index

Im Gegensatz zum US-Markt fiel die Erholung in Europa und Deutschland bisher verhalten aus. Anfang Februar verlor der Dax in sieben Tagen 1300 Punkte. Danach kam er in zehn Tagen nicht über ein Plus von insgesamt 500 Punkten hinaus. Die 200-Tage-Linie, die er am 5. Februar von oben nach unten durchschlagen hatte, konnte er seitdem nicht wieder zurückerobern.

Schlimmer noch: Der Dax kam nicht einmal in die Nähe dieser Linie, die derzeit bei 12.740 Punkten verläuft – und zudem nun auch leicht nach unten dreht. Das ist ein ernstes Schwächezeichen. Das letzte Mal, als es im Dax eine vergleichbare Konstellation gab (Ende 2015/Anfang 2016), verlor der Gesamtmarkt in zweieinhalb Monaten 23 Prozent. Übertragen auf die aktuelle Situation ergäbe das rechnerisch einen Rückschlag auf 10.400 Punkte.

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