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Riedls Dax-Radar

Kurserholung auf der Kippe

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Horrorszenario: Wie wahrscheinlich ist einer zweiter Crash?

Dass die Erholung im Dax in vielen Fällen nur ziemlich mühsam vorankommt, zeigt sich erst recht mit Blick auf die Einzelwerte. Nur wenige Aktien haben einen großen Teil der Crash-Verluste schon ausgeglichen. Aktien der Deutschen Börse AG, FMC, Vonovia oder Merck KGaA, deren operative Geschäfte vergleichsweise wenig von der aktuellen Krise beeinträchtigt werden.

Ebenfalls gut kommen die Technologieaktien SAP und Infineon voran. Deren Geschäfte werden zwar vor allem im zweiten Quartal empfindlich gedrückt, der langfristige Trend aber ist intakt. Auch Linde gehört in diese insgesamt robuste Kategorie.

Einen merklichen Dämpfer haben die Versorger E.On und RWE bekommen. Auch wenn die Kursverluste insgesamt im Rahmen blieben, zeigen die Aktien mehr Schwächen als erwartet. Bei E.On dürfte vor allem die hohe Verschuldung ein Bremsklotz sein; denn ob die sich die Schulden wie geplant abbauen lassen, wenn die Wirtschaft nur mühsam in Gang kommt (Cash-Einnahmen also langsamer fließen), ist fraglich.

Deutlich heruntergestuft wurden die Versicherer. Vom Tief gesehen mag ihre Erholung beeindruckend gewesen sein; verglichen mit den horrenden Crash-Verlusten spielen sich nach wie vor nur klassische Korrekturen ab. Vor allem besteht hier die Gefahr, dass sich Wertberichtigungen erst im Laufe von Monaten ergeben. Das Aussetzen von Aktienrückkäufen bremst die Kurserholung zusätzlich.

Schwach bleiben die konjunkturabhängigen Auto- und Chemieaktien. Daimler, Covestro, Continental oder BASF stecken so tief in einer dynamischen Abwärtsbewegung, dass selbst weitere Zugewinne von zehn oder zwanzig Prozent daran kaum etwas ändern. Von der Lufthansa ganz zu schweigen, deren Kurse sich im Umfeld der Diskussion um eine mögliche Staatsrettung nur mühsam am langjährigen Tief um acht Euro halten. Wendekandidaten sehen anders aus.

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    Es ist durchaus ein gutes Zeichen, dass die Erholung im Dax weiter gegangen ist und länger anhält, als vielfach erwartet. Dies macht das Horrorszenario eines zweiten, massiven Crashs ein gutes Stück unwahrscheinlicher. Dennoch hat sich bisher nichts an der Tatsache geändert, dass im Dax nach wie vor eine typische Bärenmarktrally abläuft, eine Aufwärtskorrektur in einer übergeordneten Abwärtsbewegung.

    Selbst wenn der Dax in den nächsten Wochen noch in die Spanne 11.000 bis 12.000 Punkte vordringen sollte und bis an die 200-Tagelinie (aktuell 12.180 Punkte) käme, würde sich daran nichts ändern. Gerade die Aktien, die zuletzt massiv gekauft worden sind wie etwa Infineon, sind mittlerweile von der Bewertung her schon wieder richtig teuer. Und bei den Aktien, die weiter auf gedrücktem Niveau dümpeln wie MTU, birgt das operative Geschäft unverändert hohe Risiken.

    Fazit für den Dax: Insgesamt dürfte nach sieben Wochen Kletterpartie bald wieder eine neue, mittelfristige Phase einsetzen. Dann müssen die Käufer der vergangenen Wochen beweisen, wie standfest sie sind. Der Saisonzyklus würde passen: Der März als klassischer Tief- und Wendepunkt wie 2003, 2008 und nun 2020 – und der Mai als typischer Hochpunkt, dem oft eine neue, mehrwöchige Schwächephase folgt.


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