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Riedls-Dax-Radar
Freie Fahrt für Anleger: Die Aussichten für Autoaktien werden wieder besser, der Dax gibt ein mittelfristiges Kaufsignal Quelle: imago images

Jahresendrally an der Börse in Sicht

Der Brexit verliert seinen Schrecken, die Konjunktur bricht wohl doch nicht weg, und einige Dax-Schwergewichte geben deutliche Kaufsignale. Warum die Chance auf Kursgewinne im Dax wieder gestiegen ist.

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Für die Börse wäre es gut, wenn das Thema Brexit vom Tisch käme. Ob der bisher ausgehandelte Kompromiss zwischen der EU und dem britischen Premier Boris Johnson nun die Zustimmung im britischen Unterhaus bekommt, ist offen.

Als am Donnerstag (17. Oktober) die Zwischenergebnisse abgesegnet wurden, ging der Dax kurzfristig durch die Decke. Das bedeutet nicht, dass die Aktienmärkte zuallererst vom Thema Brexit abhängig wären. Ausgewirkt hat sich die Frage des britischen Verhältnisses zur EU bisher auf direkt betroffene Unternehmen (Banken, Immobilienfirmen), im Gesamtindex aber haben sich positive und negative Effekte in etwa ausgeglichen. Der britische FTSE 100 lief in den vergangenen dreieinhalb Jahren ähnlich wie die anderen führenden europäischen Aktienbarometer.

Am stärksten wirkt sich das Thema Brexit an den Währungsmärkten aus. Als 2016 das überraschende Ergebnis des Referendums verkündet wurde, ging das Pfund Sterling in die Knie. Danach hat es sich auf niedrigem Niveau eingependelt. Nun zeigt es wieder Muskeln, weil die Hoffnung besteht, die Briten könnten mit ihrem Sonderweg womöglich sogar Erfolg haben.

Für den Dax ist die Hoffnung auf ein klärendes Ende des Brexit-Prozesses ein Katalysator für den laufenden Kursanstieg. Entscheidender Antrieb aber ist die Mischung aus sehr niedrigen oder negativen Zinsen, einer Konjunktur, die zwar nachlässt, bisher aber nicht abstürzt, und Unternehmensgewinnen, die alles in allem passabel bis gut ausfallen.

Aussichten für Autoaktien mittelfristig besser

Vor einer Woche überraschte SAP positiv, nun schieben sich die konjunktursensiblen Industrieaktien nach vorn. Volkswagen profitiert von guten Verkaufszahlen, mehr Spielraum für die Erneuerung in den USA und zuletzt sogar einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs.

Volkswagen ist der Autohersteller, der vom Abgasdebakel als erster und dazu besonders heftig getroffen wurde. Der Prozess, der dadurch in Gang gesetzt wurde, brachte die Wolfsburger dann aber im Vergleich zur Konkurrenz wieder nach vorn. Daimler und BMW sind bei ihrer Antwort auf die strukturelle Krise der Autobranche noch nicht so weit.

Das zeigt sich auch im Kursverlauf: Während Volkswagen-Aktien mit dem Anstieg über 160 Euro schon ein wichtiges Kaufsignal gegeben haben, stecken Daimler-Aktien noch zwischen 45 und 50 Euro fest. BMW-Aktien sind zwischen 60 und 70 Euro auf der Suche nach dem Boden.

Bei allen dreien aber werden die mittelfristigen Aussichten besser. Wenn die Konjunktur nicht wegbricht, dürfte den Autoaktien in den nächsten Monaten die Bodenbildung gelingen. Danach könnte ein neuer, längerer Aufwärtstrend starten. Fundamentale Basis dafür ist ein erfolgreicher Wandlungsprozess hin zu neuen Antrieben (vor allem zum E-Auto), der wiederum finanziert wird durch das weiterhin bestehende Geschäft mit klassisch angetriebenen Fahrzeugen.

Die Dax-Aktien der Woche

In einer ähnlichen Situation wie die Autoaktien stecken die Chemiewerte. Covestro-Aktien haben sich im Zuge schwacher Preise für seine Kernprodukte halbiert. Wahrscheinlich werden sich die operativen Geschäftsaussichten erst nächstes Jahr wieder aufhellen, die Börse nimmt dies aber jetzt schon vorweg und probt bei Kursen um 45 Euro den Anstieg.

Eine unabhängige Entwicklung im Dax nimmt normalerweise die Deutsche Telekom ein. Derzeit aber zieht sie in die gleiche Richtung wie der Hauptmarkt. Die Fortschritte bei der Übernahme des Konkurrenten Sprint, mit der die Offensive auf dem US-Mobilfunkmarkt in die nächste Phase geht, und die anstehenden Erneuerungen um 5G sind ein gutes Umfeld für höhere Kurse. Mit dem Anstieg über 15,50 Euro gab die Aktie ein Kaufsignal.

An den guten Aussichten des Dax ändern Rückschläge bei Einzelaktien nichts. Besonders heftig erwischt hat es wieder den Bezahldienstleister Wirecard. Die Branche ist ein Wachstumsmarkt, in dem Wirecard durchaus eine vielversprechende Position hat. Umstritten ist allerdings die Auslagerung umfangreicher Geschäfte an Drittanbieter. Der Vorwurf, es sei hier zu falschen Zahlen gekommen, lastet zum wiederholten Mal auf der Aktie. Bevor das Unternehmen hier nicht für mehr Klarheit sorgt, kommt die Aktie für Anleger nicht infrage. Kurzfristig reicht das Risiko für Wirecard-Aktien bis in den Bereich um 100 Euro.

Gute Aussichten für Dax, Stoxx, Dow und Nasdaq

Im Dax hat die zuletzt gute Verfassung der Industrieaktien, der Kurssprung bei SAP und die gute Performance der Finanzwerte zu einem Anstieg über die Widerstandszone zwischen 12.400 und 12.450 Punkten geführt. Der Dax gab damit ein mittelfristiges Kaufsignal. Danach kam es im Zuge einer kurzen Brexit-Euphorie zu einem Durchmarsch bis 12.800 Punkten. Der gesamte Bereich zwischen 12.800 und 12.400 Punkten ist nun der Spielraum, in dem der Dax eine kurze Konsolidierung absolvieren kann. Tiefer als 12.400 sollte er dabei allerdings nicht mehr sinken. Mittelfristig liegen die Ziele dann bei 13.000 Punkten, danach ist ein Anstieg bis auf das alte Hoch um 13.600 möglich.

Dem Dax kommt zugute, dass auch die anderen großen Aktienmärkte in einer vielversprechenden Ausgangssituation sind. Der Stoxx 600, in dem die 600 wichtigsten europäischen Aktien stecken (inklusive britischer und Schweizer Werte) pirscht sich nach einem kurzen Rückschlag wieder an die langjährige Dachzone um 400 Punkte heran. Spannend ist die Situation im amerikanischen S&P 500, hier steht die Richtungsentscheidung bei 3000 Punkten an. Dow Jones und Nasdaq 100 sind schon etwas weiter. Bei beiden gibt es positive Signale von kurzfristigen Richtungsindikatoren.

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