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Riedls Dax-Radar

Keine Angst vor der Zinswende

Nach zwei Monaten Kurskorrektur zeigen immer mehr Dax-Aktien wieder nach oben. Warum die Absturzgefahr jetzt eher geringer ist.

Dax am 21.05.2015 Quelle: REUTERS

Welche Gründe den hektischen Zinsanstieg seit einigen Wochen ausgelöst haben, darüber wird derzeit heftig diskutiert. Das geht bis zu der Spekulation, dass es die EZB selbst gewesen sein könnte, die bewusst einen Short-Squeeze provozierte, um letztlich die Oberhoheit am Zinsmarkt nicht zu verlieren.

Nun, für Privatanleger kommt es nicht im einzelnen auf die Mechanik solcher Prozesse an. Die dürfte selbst unter den Beteiligten umstritten sein. Selten gaben Notenbanker ein so heterogenes Bild ab wie in den vergangenen Wochen.

Genau dies aber ist wiederum ein Zeichen dafür, wie extrem sich die Lage an den Zinsmärkten zugespitzt hat. Die hektischen Ausschläge bei Anleihen, die Pannen in der Öffentlichkeitsarbeit der EZB, Spekulationen sogenannter Gurus gegen die Notenbanken – all dies ist symptomatisch dafür, dass der große Zinsprozess, der seit mehr als 30 Jahren nach unten zeigt, in sein letztes Stadium getreten ist.

Die Spannungen zwischen administrativ verordneten Null- oder Negativzinsen und den Realitäten am Kapitalmarkt passen immer weniger zusammen – und deshalb wird es auch weiterhin so explosive Entladungen geben wie in den vergangenen Wochen.

Natürlich lässt sich jetzt, nach vier Wochen Zinsanstieg, keine seriöse Aussage darüber treffen, ob das nun die große Zinswende wird oder nicht. Eine solche Zinswende nach drei Jahrzehnten Abwärtsbewegung dürfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

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Szenario einer Zinswende

Indessen, wie eine solche Zinswende (gemessen an der Umlaufrendite) aussehen könnte, darüber kann man spekulieren: Danach könnte es 2015 zunächst bei Schwankungen zwischen fast null und einem Prozent bleiben. 2016 kommt die nächste Anstiegsphase, die sich zwischen 1,0 und 1,8 Prozent abspielt. 2017 dann erfolgt der charttechnische Ausbruch (bei 1,8 Prozent) und es geht ziemlich schnell bis etwa 3,0 Prozent.

Das aber heißt: Selbst in einem solchen Szenario könnte erst 2017 von einer abgeschlossenen Zinswende die Rede sein. Die gesamten Schwankungen bis dahin wären natürlich heftig­ - und würden immer wieder von der Frage begleitet sein, ob das denn nun die Zinswende sei oder nicht.

Mit der konjunkturellen und geldpolitischen Entwicklung könnte ein solches Szenario gut zusammenpassen. 2015 erfolgt eine weitere Stabilisierung, insbesondere könnte im Verlauf des Jahres absehbar sein, was aus der griechischen Krise wird. 2016 kommt es dann nach dem ersten Überschwang noch einmal zu einer Rückkehr der Krisenängste. 2017 schließlich wären in diesem Szenario die großen Krisen in Europa überwunden.

Dementsprechend fiele der Druck, die Zinsen künstlich am Boden zu halten, langsam weg. Ab 2017 könnten sich die Renditen dann schrittweise wieder in die Richtung entwickeln, in der sie wirtschaftlich angemessen wären: Bei vielleicht zwei Prozent Wachstum und ein bis zwei Prozent Inflation grob gesagt bei drei bis vier Prozent.

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