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Riedls Dax-Radar

Keine Angst vor höheren Zinsen

Die US-Börsen haben wieder die Führung im Aufwärtstrend übernommen. Das hilft auch dem Dax, höhere Anleiherenditen und politische Unsicherheiten zu verkraften.

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Börsenhändler Peter Tuchman mit 'DOW 19,000'-Kappe an der New Yorker Börse. Quelle: dpa

Die Hoffnung auf eine Konjunkturankurbelung durch die neue US-Regierung treibt amerikanische Aktien auf neue Höhen. Der Dow Jones ist erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 19.000 Punkten gestiegen. Und ob man den alten Dow wegen seiner simplen Zusammensetzung nun mag oder nicht, ein neues Hoch in dieser meistbeachteten Börsenkurve der Welt ist schlicht und ergreifend erst einmal ein gutes Zeichen.

Nach klassischen Regeln hat der Dow Jones in diesem Jahr schon mehrere, starke Kaufsignale gegeben. Aktuell ist seine Verfassung robust: Punktgenau hat er bei knapp 18.000 an der steigenden 200-Tage-Linie nach oben gedreht und zieht seitdem dynamisch nach oben. Technisch ist das eine stabile Hausse, bei der kurzfristig allenfalls Reaktionen in den Bereich bis 18.500/18.600 zu erwarten sind – und das dürften Nachkaufgelegenheiten werden.

Gedämpfter sieht es bei den Technologiewerten aus. Mit einem Stand um 4850 Punkten notiert der Nasdaq-100-Index unter den Spitzen der Vorwahlzeit. Darin spiegelt sind die Angst wider, die neue US-Regierung könnte durch ihre Politik die Geschäftsmodelle der großen, international agierenden Technologiekonzerne beschneiden.

"Gebt ihm eine Chance"
Siemens-Chef Joe Kaeser über Trump Quelle: AP
Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz Quelle: REUTERS
Olaf Berlien, Vorstandsvorsitzender von Osram Quelle: dpa
Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer Quelle: dpa
Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von Innogy"Ich bin ein großer Freund von Wettbewerb und fairem Wettkampf – aber diesen US-Wahlkampf empfand ich persönlich als sehr hart und stellenweise auch als unerträglich. Jetzt herrscht Klarheit. Wir Europäer brauchen ein starkes Amerika an unserer Seite, denn die globalen Probleme lösen wir nicht allein", sagt Terium über den Wahlkampf. Doch er hofft weiter auf eine Energiewende in den USA: " Was die Energiewelt betrifft, glaube ich nicht, dass der Ausgang der US-Wahl große Auswirkungen etwa auf die Entwicklung hin zu erneuerbaren Energien hat. Das UN-Abkommen von Paris verpflichtet ja jede US-Regierung zum Klimaschutz. Und eine Revolution geht nie vom König aus. Die zahlreichen Initiativen für erneuerbare Energien oder auch Elektromobilität, die es in den USA auf regionaler und lokaler Ebene gibt, lassen sich nicht einfach so von Washington aus stoppen. Und im Silicon Valley ist es der Business Community ohnehin weitgehend egal, wer an der Ostküste im Weißen Haus regiert." Quelle: dpa
Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Quelle: dpa
Dieter Zetsche, Vorstandschef Daimler Quelle: REUTERS

Bisher fallen die Kursrückgänge bei Apple, Amazon oder Google geringer aus als die Befürchtungen, die bis zu einer Zerschlagung von Unternehmen gehen. Ist das die Hoffnung darauf, dass Trump als Präsident wohl doch nicht so schlimm werden könnte wie sein Auftritt als Wahlkämpfer befürchten ließ?

Die verhaltene Verfassung an den Technologiemärkten deutet darauf hin, dass es den einen oder anderen Einschnitt geben könnte, die großen Wachstumstrends der Branche aber nicht abgebrochen werden. Konkret heißt das für den Nasdaq-100-Index: Solange er bei seinen kurzfristigen Schwankungen die Zone 4650 bis 4700 verteidigt, bleiben die Risiken überschaubar.

US-Anleiherenditen können nächstes Jahr bis auf drei Prozent steigen

Die Stärke des Dow Jones ist umso bemerkenswerter, da aller Voraussicht nach im Dezember eine Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank bevorsteht. Aus zwei Gründen kann Janet Yellen jetzt nicht mehr zurück: Erstens hat die US-Wirtschaft zuletzt wieder an Fahrt gewonnen und die Inflationssignale häufen sich. Zweitens bleibt sie damit bei ihrer bisherigen Linie, zeigt also Unabhängigkeit auch gegenüber der neuen Regierung. Die mehrmonatige Vorbereitung der Märkte auf dieses Ereignis sollte dazu beitragen, die Reaktionen nicht allzu heftig ausfallen zu lassen.

Brisant ist die Lage an den Anleihemärkten allerdings schon. Der Sprung auf 2,3 Prozent bei den zehnjährigen US-Renditen war er stärkste Zinsanstieg seit 2013. Damals blieben die Renditen an ihrem langjährigen Abwärtstrend hängen und drehten danach wieder nach unten. Auch jetzt haben die Renditen genau diesen Abwärtstrend erreicht, der sich seit 2007 gebildet hat.

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