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Riedls Dax-Radar

Keine Angst vor höheren Zinsen

Im Vorfeld der nächsten Fed-Entscheidung wächst die Unsicherheit an den Aktienmärkten. Die könnten nach vier Monaten Hausse eine Korrektur gut gebrauchen.

Die Märkte für Geduldige
Wo lässt es sich am besten nach Rendite fischen?Zwischen 1900 und Ende 2016 gewannen die Aktienmärkte weltweit im Schnitt 5,1 Prozent pro Jahr, die Inflation herausgerechnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Credit Suisse in ihrem „Global Investment Returns Yearbook“ 2017, das im Februar veröffentlicht wurde. Für die Berechnung stützt sich die Schweizer Bank auf die Daten der Professoren Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School. Der Datensatz erfasst die Performance von 70.000 Börsentagen und vergleicht die Aktienmärkte aus 21 Ländern. Wer trotzte den Krisen der vergangenen Jahrzehnte besonders gut? Ein Überblick. Quelle: dpa
Österreich Quelle: Wiener Börse
Italien Quelle: REUTERS
Belgien Quelle: Fotolia
Frankreich Quelle: REUTERS
Deutschland Quelle: dpa
Portugal Quelle: dpa

Die Anzeichen mehren sich, dass die amerikanische Notenbank bei ihrer nächsten Sitzung ab dem 14. März die Zinsen heraufsetzt. In der Fed macht sich sogar eine gewisse Torschlusspanik breit. Die Furcht geht um, US-Präsident Donald Trump könnte ab April durch die Bestimmung neuer Mitglieder das Gremium wesentlich in seine Richtung drängen und damit eine Zinserhöhung auf absehbare Zeit blockieren.

Immerhin, die jüngsten Konjunkturdaten deuten darauf hin, dass die amerikanische Wirtschaft solide zulegt. Eine moderate Erhöhung der Leitzinsen würde durchaus in dieses Bild passen – unabhängig von der politischen Brisanz angesichts der neuen US-Regierung.

Für die Kapitalmärkte wäre eine leichte Anhebung Mitte März kein Problem. Im Gegenteil: Sie wäre ein Zeichen dafür, dass die Konjunktur auf gutem Weg ist; und es wäre ein weiterer Schritt hin zu einer wirtschaftlichen Normalität, bei der die Zinsen ihre in der Marktwirtschaft zentrale Lenkungsfunktion wieder stärker übernehmen könnten.

Die Dax-Favoriten der Woche

Die Renditen zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen pendeln seit einigen Monaten stabil um 2,5 Prozent. Im Augenblick sieht deren Verlauf eher nach einem weiteren Anstieg als nach einem Rückfall aus. Die Anleihemärkte nehmen nicht nur eine mögliche Zinserhöhung der Fed vorweg, sie rechnen auch auf absehbare Zeit mit einer robusten Konjunktur in den USA.

Wäre eine Zinserhöhung der Fed eine Kriegserklärung an Trump? Wenn der Zinsschritt moderat ausfällt, sollten beide Seiten damit leben können. Denn eine substanzielle Beeinträchtigung der Wirtschaft wäre eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte natürlich nicht; ohnehin wirken solche Maßnahmen erst mit mehreren Monaten Verzögerung.

Eine überraschend deutliche Anhebung der Leitzinsen, also etwa um 0,50 Punkte, wäre schon eher als Attacke gegen Trump zu werten. An den Märkten käme das auch nicht gut an. Wenn man allerdings die bisher bedächtige, kontinuierliche Geldpolitik von Yellen betrachtet, würde ein solcher Schritt nicht zu ihrer Linie passen.

Eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte ist Mitte März also durchaus möglich. Damit würde Yellen ihre Politik fortsetzen, und Trump sollte damit leben können (er kann es ja als Stärkesignal verkaufen). Die Märkte durcheinanderschütteln würde das auch nicht. Und sollte es im März doch keine Erhöhung geben, verschiebt sich die aktuelle Diskussion auf der Zeitachse eben um einige Monate nach hinten. Eine neue Richtung wird das weder Aktien noch Anleihen geben.

Lockere EZB-Politik mit offener Währungs-Flanke

In der Eurozone sind die Preise im Februar gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent gestiegen, in Deutschland sind es sogar 2,2 Prozent. Gerät die EZB damit in Zugzwang, muss sie sich von ihrer laxen Geldpolitik verabschieden?

Im Gegensatz zur US-Entwicklung, die insgesamt die Züge einer langfristigen Zinswende aufweist, ist Europa noch nicht soweit. Die aktuell wichtigsten Triebkräfte der Inflation sind die Energiepreise und die Preise für Nahrungs- und Genussmittel. Rechnet man die heraus, was die EZB ja auch macht, dann liegt die Inflation nicht einmal bei einem Prozent – also ziemlich unverändert. Einen echten Grund, sich von ihrer bisherigen Zinspolitik zu verabschieden, dürfte die EZB also derzeit nicht sehen.

Doch es gibt eine offene Flanke dieser Politik: den Euro. Schon im Januar ist dessen Erholung ziemlich mau ausgefallen, sie kam nicht einmal bis an die sinkende 200-Tage-Linie. Das ist ein klassisches Schwächezeichen. Der jüngste Tiefpunkt vom Dezember bei 1,04 Dollar könnte durchaus noch einmal getestet werden.

Auch aus diesem Grund könnte die Fed, auch wenn sie auf die Entwicklung in Europa wahrscheinlich nur mit einem Auge schaut, bei ihrer Erhöhung vorsichtig sein. Und sollte es dann wirklich zu einem Schritt von 0,25 Prozent durch die Fed kommen, könnte das von den Währungsmärkten schnell abgehakt werden – und sich der Euro danach auf Basis der bisherigen Tiefpunkte wieder etwas stabilisieren.

Letztlich dürfte ein Euro in der Bandbreite zwischen 1,00 und 1,10 Dollar weder an der Richtung der EZB-Politik noch an den großen Trends der Wertpapiermärkte etwas ändern.

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