Riedls Dax-Radar

Dax nimmt Anlauf in Richtung 13.000 Punkte

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Konsolidierung könnte sich hinziehen

Im großen Bild hat der Euro seine Schwankungsbreite, in der er von 2015 bis Mitte 2017 verlief, nach oben verlassen. Ein solches Signal, das mit der Renaissance Europas und den Unsicherheiten in Amerika korrespondiert, ist nicht in ein paar Wochen abgearbeitet. Ein vergleichbares Signal – in die andere Richtung – gab der Euro Ende 2014. Im Anschluss verlor er mehr als ein Viertel seines Werts. Käme es jetzt zu einer ähnlichen Dynamik nach oben, ergäbe das bis nächstes Jahr Euro-Notierungen über 1,30 Dollar.

Zunächst einmal könnte sich die Konsolidierung im Euro noch einige Wochen in der Bandbreite 1,20 bis maximal 1,16 Dollar hinziehen, bevor es dann erneut nach oben geht. Gut passen würde es zu diesem Szenario, wenn die Fed im nächsten Jahr wegen mangelnder Dynamik der US-Wirtschaft bei ihrer Zinserhöhungspolitik wieder zurückrudert.

Die wichtigen Branchen im Dax bieten gute Aussichten

Bei 12.954 Punkten erreichte der Dax am 20. Juni 2017 im Tagesverlauf sein bisheriges Hoch. Aktuell (29. September) fehlen ihm dazu nicht einmal mehr zwei Prozent. Angesichts der jüngsten Dynamik ist es ziemlich wahrscheinlich, dass er dieses Hoch in Kürze erreicht – und dann womöglich gleich die neue Tausender-Marke bei 13.000 ansteuert.

Die Dax-Favoriten der Woche

Die Marktbreite im Dax, der Rückhalt der allgemeinen Hausse durch einzelne Aktien, ist vorhanden. Die Aussichten der wichtigen Branchen sind gut:

+ Die Versicherungen profitieren vom schleichenden Zinsanstieg, weisen ein stabiles operatives Geschäft auf, sind günstig bewertet und bieten hohe, sichere Dividenden. Favorit ist hier die Allianz, die Münchener Rück bleibt ein guter Renditewert.

+ Die Autoaktien kommen teilweise aus dem Tief, vor allem BMW und Daimler. Favorit ist hier Continental, das Unternehmen verbindet den Erfolg im klassischen Geschäft mit einer guten Position bei neuen Technologien. Volkswagen bleibt ein unsicherer Kantonist.

+ Bei den Banken läuft der Turnaround. Die Commerzbank rückt immer mehr in die Rolle des Primus. Durch den Staatsanteil und Gedankenspiele über eine Beteiligung, etwa der französischen BNP Paribas, gewinnt sie strategische Substanz. Auch die Deutsche Bank, obwohl immer noch im Niedergang begriffen, dürfte eines Tages für Spekulanten interessant werden. Muster dafür könnte der Wiederaufstieg der Versorger sein.

+ Der Deal um Uniper zeigt, wie erfolgreich die Umstrukturierung der Energiekonzerne letztlich war. RWE und E.On haben an den Börsen die Energiewende geschafft – trotz überwiegend negativer medialer Begleitung. Auch wenn sie so schnell nicht wieder an die alten Bewertungen anschließen können (E.On hatte einmal über 100 Milliarden Euro Börsenwert), ist das Aufholen der Versorger eine Stütze für den Dax.

+ Bei Chemie, Pharma und Gesundheit sind die Aussichten kurzfristig noch gemischt, insgesamt zeichnet sich aber eine leichte Erholungstendenz ab. BASF profitiert über Wintershall von steigenden Ölpreisen und einer guten Chemiekonjunktur; bei Bayer schwinden Bedenken zur Fusion mit Monsanto. Bei Merck, FMC und Fresenius sollten zumindest die Enttäuschungen im Pharma- und Gesundheitsgeschäft verarbeitet sein, also keine großen Restrisiken für den Kurs bestehen.

+ In der Konsumchemie ist Beiersdorf auf solidem Wachstumskurs; Henkel dürfte über seine Klebstoffsparte, die mehr als die Hälfte der Gewinne beisteuert, vom Bauboom wieder hochgezogen werden.

+ Im Industriebereich läuft bei Siemens die Erholung nach dem Rückschlag der vergangenen Wochen; Thyssenkrupp bleibt eine Spekulation, die früher oder später von einer Neubewertung profitieren sollte.

+ Die führenden Technologiewerte SAP und Infineon befinden sich in einer starken Aufwärtsbewegung, geschäftlich genauso wie im Aktienkurs.

Fazit: Die Hausse im Dax ist intakt und angesichts der guten Fundamentaldaten, der hohen Dynamik und der Marktbreite dürfte dieser Trend nicht so schnell abbrechen. Womöglich erreicht der Dax schon Mitte Oktober das Niveau um 13.000 Punkte. Dann hätte er sechs Wochen Rally hinter sich, könnte also abermals eine Pause einlegen. Die starke Verfassung des Marktes spricht dagegen, dass er dann nach unten wegkippt.

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