Riedls Dax-Radar

Kursgewinne vorerst laufen lassen

Die weltweit lockere Geldpolitik dürfte dem Dax den höchsten Monatsgewinn seit Jahren bescheren. Die Jahresendrally geht also weiter, doch der Gesamtmarkt bleibt anfällig.

Janet Yellen Quelle: dpa

Wird Janet Yellen nun doch im Dezember die Zinsen erstmals erhöhen? Immerhin spricht die amerikanische Notenbankchefin von einem stabilen Konsum und hat nun weniger Bedenken wegen der internationalen Wirtschaftsentwicklung, auch der in China. Erhöht hat sich damit die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts im Dezember, doch ausgemachte Sache ist er noch nicht. Bisher sind die Arbeitsmarktindizes keineswegs so robust, dass sich eine Zinserhöhung aufdrängt. Gerade in den vergangenen Wochen ist hier wieder eine Abschwächung eingetreten. Und im dritten Quartal ist die US-Wirtschaft langsamer gewachsen.

Äußerungen der Fed-Chefin mit Blick auf eine mögliche Zinserhöhung haben immer auch einen politischen Charakter: Sie dienen dazu, die Märkte ein Stück weit im Ungewissen zu lassen, damit die Notenbank jeden willfährigen Eindruck vermeidet. Zudem hatte Yellen ursprünglich auch mit restriktiven Kommentaren ihre Amtszeit begonnen. Eine Erhöhung im Dezember dürfte also weiterhin eher unwahrscheinlich sein.  

Wo würde der DAX ohne Notenbanken stehen?

So oder so, der Druck auf den Euro nimmt wieder zu. Als die EU-Währung im August über die Grenze von 1,15 Dollar stieg, sah es für einen Moment nach einer stärkeren Erholung aus. Doch eine schnelle Zinssenkung in China und wieder einmal Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung in den USA hielten den Euro am Boden.

Dass der Ausbruch über 1,15 Dollar gescheitert ist, lässt für die nächsten Wochen eher wieder rückläufige Notierungen erwarten. Zunächst dürfte der Euro um 1,10 Dollar schwanken, dann könnte mittelfristig die Zone um 1,05 Dollar in den Blick kommen, das bisherige Jahrestief. Langfristig ist die Parität zum Dollar nicht ausgeschlossen.

Für die im Dax traditionell starken Exporteure ist der schwächere Euro ein Vorteil. Wenn er allerdings zu schwach werden sollte, wäre das kontraproduktiv: Zum einen dämpft das wiederum die Aussichten der US-Unternehmen – und dies würde über schwächere Kurse dann auch den Dax drücken. Zum zweiten verschärft ein starker Dollar die Krise in den Schwellenländern. Am besten für deutsche Aktien ist ein Euro, der etwas zur Schwäche neigt, aber nicht abstürzt. 

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