Riedls Dax-Radar

Kurze Korrektur und nächster Kursanstieg

Nach sechs Wochen Kletterpartie hat der Dax eine Pause verdient. Zu weit sollte er aber kurzfristig nicht sinken.

Die Börsenkandidaten für den Herbst
ABN AmroDie Privatisierung der niederländischen Großbank ABN Amro droht zum Verlustgeschäft für die Regierung zu werden. Sie teilte am Dienstag mit, 23 Prozent der Anteile an den Markt bringen zu wollen. Die Aktien würden dabei Investoren für jeweils 16 bis 20 Euro angeboten. Auf Basis dieser Preisspanne hat die Bank einen Wert von 15 bis 18,8 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise 2008 wurde ABN Amro allerdings mit Steuergeldern in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro verstaatlicht. Quelle: AP
Match (Tinder / Friendscout24)Die Mutterfirma der Dating-Portale Tinder und OKCupid will bei ihrem anstehenden Börsengang mindestens 400 Millionen Dollar einnehmen. Das Unternehmen Match.com, zu dem auch FriendScout24 in Deutschland gehört, setzte die Spanne für den Aktienpreis auf 12 bis 14 Dollar fest, wie aus dem aktualisierten Börsenprospekt hervorgeht. Zusammen mit einer sogenannten Mehrzuteilungsoption für die betreuenden Banken könnte der Börsengang insgesamt knapp 537 Millionen Dollar schwer werden. Match.com kam zuletzt auf 59 Millionen aktive Nutzer im Monat, von denen 4,7 Millionen zahlende Kunden sind. Die Firma gehört zum Internet-Konzern IAC, der auch nach dem Börsengang die Kontrolle mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent behalten will. Match.com verdiente in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 85 Millionen Dollar - fast 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs binnen eines Jahres um 16 Prozent auf knapp 753 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Hapag-LloydDer Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd hat seinen Börsengang mit letzter Kraft geschafft. Die angebotenen Aktien seien für 20 Euro je Stück verkauft worden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend (3.11.) mit. Das ist das untere Ende der bereits gesenkten Preisspanne von 20 bis 22 Euro. Zuvor hatte Hapag noch 23 bis 29 Euro haben wollen. Der angepeilte Bruttoemissionserlös von 300 Millionen US-Dollar wurde wegen der angehobenen Aktienzahl dennoch erreicht. Neben den von ursprünglich 11,5 auf 13,2 Millionen Anteilscheinen erhöhten Zahl an neuen Papieren wurden auch knapp 2 Millionen Aktien aus dem Bestand des Alteigentümers Tui verkauft. Die beiden Kernaktionäre Kühne und CSAV beteiligten sich mit je 30 Millionen Dollar an der Kapitalerhöhung. Der erste Handelstag für die Aktien im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse ist für Freitag (6.11.) vorgesehen. Quelle: dpa
ABN AmroDie niederländische Großbank hat offenbar alle Genehmigungen für einen Börsengang beisammen - und könnte noch im vierten Quartal 2015 den Sprung aufs Parkett schaffen. ABN Amro zählt zu den drei größten Banken der Niederlande und musste im Zuge der Finanzkrise 2008 verstaatlicht werden. Die niederländische Regierung will nun 15 bis 25 Prozent der Bank über die Börse verkaufen. Damit steht ein weiterer Milliarden schwerer Börsengang an: Der Buchwert der ABN Amro soll bei 15,6 Milliarden Euro liegen. Quelle: REUTERS
Börsengang von Ferrari an der New Yorker Wall Street Quelle: AP
SteilmannDer Modehersteller und -händler Steilmann backt bei seinem Börsengang mangels Nachfrage kleinere Brötchen. Statt bis zu 98 Millionen Euro begnügt sich das Unternehmen aus Bergkamen nun mit einem Erlös von 50,3 Millionen Euro, wie Steilmann am 22. Oktober 2015 mitteilte. Das Aktienangebot wird auf 14,4 Millionen von bis zu 19,55 Millionen Papiere verkleinert, der Preis dafür auf 3,50 Euro festgesetzt. Das liegt am unteren Ende der bis zu 5,00 Euro reichenden Spanne. Die Steilmann-Papiere können noch bis zum 29. Oktober. Am 3. November sollen sie erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Steilmann will mit dem Erlös vor allem den italienischen Finanzinvestor Equinox bei der Billigmodekette Adler herauskaufen und dort allein die Mehrheit übernehmen. Quelle: dpa/dpaweb
Poste ItalianeItaliens Regierung will die staatliche Post an die Börse bringen und damit eine Milliardensumme einnehmen. Die Aktien sollen nach Aussage von Geschäftsführer Francesco Caio am 26. oder 27. Oktober erstmals an der Börse gehandelt werden.  Der Börsengang der Poste Italiane soll dem Staat bis zu 3,7 Milliarden Euro einbringen, wie das Finanzministerium in Rom mitteilte. Der Staat will so etwas weniger als 40 Prozent der Post privatisieren. Es wäre der größte Börsengang in Italien seit 1999. Quelle: PR

Um neun Prozent sind Henkel-Aktien binnen wenigen Stunden gestiegen, weil die Zahlen viel besser waren als erwartet. Vor allem das China-Geschäft schrumpft keineswegs, wie von Pessimisten befürchtet. Kein Wunder, Ausgaben für den täglichen Konsum sind ziemlich unabhängig von allgemeinen Konjunkturschwankungen; auch in China.  

Die heftige Reaktion an der Börse auf die Henkel-Zahlen ist nicht nur ein Beleg dafür, dass die Stimmung in vielen Fällen schlechter ist als die Lage. Es ist auch ein Beleg dafür, dass – wie vor einer Woche geschrieben – es an der Börse auch wieder um fundamentale Fakten geht und nicht nur um Krisenangst oder Notenbankpolitik.

Welche Aktien die Jahresendrally mitmachen – und welche nicht

Für den Gesamtmarkt ist diese Tendenz heilsam. Sie führt dazu, dass Anleger erfolgreiches Wirtschaften von Unternehmen honorieren – und damit diesen Unternehmen auch finanzielle Perspektiven geben: Wer einen hohen Aktienkurs hat, ist nicht nur mehr wert, der kann auch gegebenenfalls über neue Aktien sich frische Finanzmittel herein holen. (Das Gegenbeispiel ist hier die in den vergangenen Jahren unternehmerisch ziemlich erfolglose Deutsche Bank, deren niedriger Aktienkurs wirklich nicht zu Kapitalerhöhungen einlädt.)

Amerikanischer Zinsvorsprung und schwacher Euro

Während sich die Fed immer entschiedener auf die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren vorbereitet, baut die EZB ihre expansive Geldpolitik weiter aus. Ein solches Auseinanderklaffen der Notenbankpolitik hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Zieht man dazu noch die unterschiedliche Wirtschaftsleistung in Betracht, ist es fast verwunderlich, dass ein Euro überhaupt noch mehr wert ist als ein Dollar.

Dabei geht es für die Märkte nicht nur um den jetzt schon bestehenden Zinsunterschied. Der beträgt bei zehnjährigen Staatsanleihen aktuell 1,7 Prozentpunkte. Da die EZB nicht nur klassisch am kurzen Zinsende, sondern über Anleihekäufe am langen Zinsende die Renditen drückt, dürfte sich der amerikanische Zinsvorteil weiter vergrößern. Das erhöht den Druck auf den Euro. Nachdem die EU-Währung das Juli-Tief unterschritten hat, kann es in den nächsten Wochen in Richtung 1,05 Dollar gehen, das wäre dann der Tiefpunkt vom März.

Eine leichte Zinserhöhung verträgt der Markt durchaus

Der Zinsanstieg am US-Kapitalmarkt fiel in den vergangenen Tagen ziemlich deutlich aus. In einem Zug kletterten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen von 2,0 auf 2,36 Prozent. Damit haben sie den Abwärtstrend seit Juni nach oben durchbrochen und können in den nächsten Wochen bis auf 2,5 Prozent klettern.

Ob es danach dann schnell in die Zone 2,5 bis 3,0 Prozent geht, wird sich nach dem Fed-Entscheid Mitte Dezember zeigen. Wenn die Notenbank dann zum Beispiel nur eine verhaltene Erhöhung um 25 Basispunkte  vornimmt und auch nicht gleich weiteren Bedarf signalisiert, könnten sich die Renditen um das Niveau von 2,5 Prozent einpendeln. Wenn Janet Yellen aber wegen starker Wirtschaftszahlen gleich die nächste Erhöhung vorbereitet, kann es schnell auf 3,0 Prozent gehen.

Für die Aktienmärkte ist eine leichte Zinserhöhung kein Drama, da dies einerseits von der wirtschaftlichen Gesundung zeugt, andererseits bedeutet es nicht gleich eine substanzielle Geldverknappung. Wie schon bisher wird es darauf ankommen, ob die Notenbank das richtige Gespür entwickelt zwischen den Bedürfnissen der Realwirtschaft und den Konsequenzen, die ihre Geldpolitik hat. Bisher hat Janet Yellen hier keineswegs einen schlechten Job gemacht. 

Diese US-Aktien liebt die Deutsche Bank

In Europa kommt die wichtigste Volkswirtschaft, die deutsche, weiter voran. Mit plus 0,3 Prozent war das Wachstum im dritten Quartal etwas schwächer als erhofft, angesichts der vielfachen Belastungen so schlecht aber auch nicht.

Wichtig ist, dass die Schwäche in den Schwellenländern offensichtlich nicht so stark auf die europäischen Kernwirtschaften zurückschlägt, wie befürchtet. Die deutsche Ausfuhr etwa hat sich im September merklich erholt, weil die Nachfrage aus den anderen EU-Ländern so lebhaft war. Die von der Bundesregierung angepeilten 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum sind für dieses Jahr ein realistisches Ziel.

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