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Riedls Dax-Radar

Zitterbörse zwischen Konjunkturangst und Kaufsignalen

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Nach vier Wochen Rückgang liegt eine Erholung in der Luft

Auf der anderen Seite ist es jetzt riskant, weit gestiegene und hoch bewertete Defensivaktien im Dax neu zu kaufen. Bei Adidas etwa kann das umfangreiche Geschäft in China und in den USA zur offenen Flanke werden; zudem ist die Bilanz problematisch. Hier glänzt zwar Defensivklassiker Beiersdorf, doch die überschaubaren Wachstumsraten werden derzeit von der Börse hoch bezahlt.

Kräftig Rückenwind von der Zinsseite bekommt Vonovia. Allerdings zeichnet sich hier mittlerweile ein ganz anderes Problem ab: Die Diskussion um Mietgrenzen und Enteignungen macht diese Aktie immer mehr zu einem Politikum – bei Investoren kommt so etwas nicht gut an.

Blaupause dafür, wie sich die politische Dominanz auf die Kursentwicklung einer ganzen Branche auswirken kann, sind die Versorger. Aus E.On und RWE, einstigen Blockbustern im Dax, sind Randerscheinungen geworden. Immerhin zeichnet sich bei beiden nach mehr als zehn Jahren Kursrückgang eine Stabilisierung ab; E.On etwa gäbe bei einem Anstieg über 10 Euro sogar ein Kaufsignal.

Eine Aktie, die vom aktuellen Umfeld aus Verunsicherung und Ängsten besonders profitiert, ist die Münchener Rückversicherung. Nicht umsonst haben die Münchener ganze Abteilungen von Wissenschaftlern beschäftigt, die Unfälle, Schäden und Katastrophen quantifizieren, um daraus ein Geschäftsmodell zu machen. Und das ist rentabel seit Jahrzehnten. Wenn man bedenkt, dass die ungewöhnlich hohen Kurse der Münchener Rück um die Jahrtausendwende vor allem der Auflösung der alten Deutschland AG, also umfangreicher Industriebeteiligungen, geschuldet waren, notiert die Aktie der Münchner im Grunde heute auf Rekordniveau. Aktienrückkäufe und hohe Dividenden befördern die Notierungen zusätzlich.

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    Fazit für den Dax: Die fundamentale Lage bleibt gemischt. Die Konjunkturaussichten trüben sich ein, die Anpassung an die reduzierten Prognosen dürfte die Märkte noch etwas dämpfen. Zentrale Stütze ist dagegen die Aussicht auf neue Zinsentspannungen. Kurstechnisch liegt nach vier Wochen Rückgang eine Erholung in der Luft.

    Dass der Dax auf dem erwarteten Niveau um 11.600 Punkte, dem Bereich der 200-Tage-Linie, erst einmal gedreht hat, ist ein gutes Zeichen. In New York kam es zu ähnlichen Signalen. Das hier am 17. Mai vorgezeichnete Szenario einer ansteigenden 100-Tage-Linie, die zugleich die trägere 200-Tage-Linie von unten nach oben schneidet, ist im Dax mittlerweile eingetreten. Ein solches klassisches Kaufsignal gab es letztmals im Februar 2015 und im September 2016 – in beiden Fällen folgte danach ein starker, mittelfristiger Anstieg.

    Eine Garantie für steigende Kurse ist das natürlich nicht. Doch in ein Börsenklima, das immer mehr von Angst geprägt wird, würde eine solche Erholung durchaus passen.

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