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Riedls Dax-Radar

Nächste Phase im Krim-Crash

Der Deutsche Aktienindex hat zwischenzeitlich ein neues Jahrestief erreicht. Der Einbruch an den Börsen ist mehr als nur eine kurze Korrektur. Die nächsten Monate werden ziemlich kritisch.

Soldaten besetzen die Krim
Militärisches Personal, vermutlich russische Streitkräfte, außerhalb ukrainischen Territoriums Quelle: REUTERS
Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow hat von einer Invasion und Besetzung durch russische Soldaten gesprochen. 6000 russische Soldaten befinden sich mittlerweile in der Ukraine. Die Regierung in Moskau hat sich im jüngsten ukrainischen Machtkampf auf die Seite des inzwischen abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch gestellt, der sich gegenwärtig in Russland aufhält. Quelle: REUTERS
Doch stehen die Ukrainer nicht geschlossen gegen die russische Invasion. Auf der Krim gibt es eine bedeutsame pro-russische Bewegung. Das Parlament in Kiew hatte vor kurzen ein Sprachengesetz abgeschafft, das besonders die russische Minderheit - auch auf der Krim - geschützt habe, so Russlands Außenminister Tschurkin. Quelle: REUTERS
Die Ukraine hat die Streitkräfte auf der Halbinsel Krim in Alarmbereitschaft versetzt. Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk erklärte aber, sein Land werde sich nicht durch russische Provokationen in einen militärischen Konflikt ziehen lassen. Quelle: AP
Trotz der Militär-Invasion geht das Leben in der Krim aber weiter. Vor einer Lenin-Statue küsste sich heute ein frisch-vermähltes Paar. Quelle: REUTERS
Truppen in nicht gekennzeichneten Uniformen stehen vor einer Behörde in der Kleinstadt Balaklava vor den Toren Sevastopols. Lediglich ein Enblem auf einem der Fahrzeuge zeigt, dass es sich um Mitglieder des russischen Militärs handelt. Quelle: AP
Die Lage auf der Krim ist trotz diplomatischer Bemühungen auch am Sonntagmorgen weiter angespannt. Barack Obama hat in der Nacht eineinhalb Stunden mit Putin telefoniert und zum Truppenabzug aufgefordert. Doch der russische Präsident hält weiter Stellung auf der Krim. Quelle: AP

Von wegen politische Börsen haben kurze Beine: Wenn sich die Großwetterlage aufgrund politischer Ereignisse ändert, bekommen das die Börsen sehr wohl zu spüren. Und da geht es nicht nur darum, ob die Metro einen Markt mehr oder weniger in Russland aufmacht, ob Stada mit seiner Tochter Nizhpharm nicht mehr soviel Pillen verkauft, oder ob das Gas einen paar Cent mehr oder weniger kostet.

In den Neunziger Jahren erlebten die Aktienmärkte eine langfristige Hausse, weil der jahrzehntelange Ost-Westkonflikt, der Kalte Krieg, beendet war; für fast ein Vierteljahrhundert jedenfalls. „Friedensdividende“ war damals das Zauberwort  – und es wirkte: Statt den bösen Nachbarn im Osten in Schach zu halten, entdeckte man plötzlich riesige neue Märkte. Die Ost-Westentspannung ab den Neunziger Jahren war ein wesentlicher Baustein des damaligen Aufschwungs – in der Wirtschaft wie an den Aktienmärkten.

Natürlich, ob die Zäsur jetzt schon so tief ist, dass man wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen kann, ist noch nicht ausgemachte Sache. Doch die Gefahr, dass dies bei einer weiteren Eskalation dazu kommen könnte, ist so groß wie noch nie in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Wer das als Börsianer auf die leichte Schulter nimmt, handelt fahrlässig.

Und es gibt weitere Risikofaktoren:

  • Die chinesische Wirtschaft schwächelt. Schon bisher waren die Wachstumsraten von 7,5 Prozent erstaunlich konstant und man fragte sich, wieviel real eigentlich übrig geblieben ist. Dazu die Kreditblase, die überhitzten Immobilienmärkte und der Dschungel der Schattenbanken.  Dass die deutschen Unternehmen auf China ganz besonders große Hoffnungen setzen, macht das Enttäuschungspotenzial umso größer.
  • Die Schwellenländerkrise über Russland und China hinaus. Brasilien erlebt einen Währungsrutsch, Indien wurde entzaubert, die Türkei steht vor einer inneren Zerreißprobe. Das Problem dabei: Krisen dieser Art sind weder schnell vom Tisch noch ist deren Verlauf einigermaßen zu kalkulieren. Für Anleger ist das ein denkbar schlechtes Umfeld.
  • In der Eurokrise gibt es zwar Fortschritte (Portugal, Irland), ob die Erholung allerdings angesichts der neuen, internationalen Risiken Bestand hat, ist zweifelhaft. Besonders die deutsche Stärke, die zuletzt immer wieder hervorgehoben wurde (das Kieler Weltwirtschaftsinstitut hebt gerade die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,7 Prozent auf 1,9 Prozent an), ist durchaus bedroht. Deutschland hat sowohl zu Russland als auch zu China wichtige wirtschaftliche Beziehungen – wesentlich intensivere als die USA. Kein Wunder, dass derzeit deutsche Aktien relativ schwächer laufen als britische oder amerikanische Papiere.
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