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  4. Dax: Nivea und Telekom im Trend – Kurs nähert sich Allzeithoch

Riedls Dax-RadarOstern mit Nivea und der Telekom

Nur noch wenige Prozent fehlen dem Dax bis zu einem Allzeithoch. Vor allem mit den Top-Performern sollte in den nächsten Monaten noch Zuwachs möglich sein. Eine Kolumne.Anton Riedl 07.04.2023 - 07:41 Uhr
Foto: Imago Images (4) Bloomberg [Montage]

Keine Kurve zeigt die grundlegende Veränderung, die sich an den weltweiten Wertpapiermärkten seit einigen Wochen abspielt, so plastisch wie der Verlauf der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen. Noch bis Anfang März, als die Renditen auf über 4,0 Prozent gestiegen waren, sah es so aus, als ob es nun in Richtung fünf Prozent gehen könnte; letztmals hatten die Zinsen kurz vor der großen Finanzkrise 2007 dieses Niveau erreicht. Damals ging es schon vor den ersten Schockwellen aus der Bankenwelt mit den Zinsen dann wieder nach unten. Auch jetzt haben sich die Renditen innerhalb von vier Wochen um einen ganzen Prozentpunkt verringert. 

Das hat vor allem zwei Gründe: Vermehrte Signale einer konjunkturellen Abwärtsbewegung und besondere Probleme, von denen vor allem kleinere und mittelgroße amerikanische Banken erfasst werden. Und beide Risiken dürften so schnell nicht vom Tisch sein. Die hartnäckig inverse Zinsstruktur, bei der die Renditen für kurze Laufzeiten höher sind als für lange, signalisiert unverändert die Gefahr einer Rezession. Und den Banken könnten nach ihren bisherigen Verlusten bei Anleihen nun auch noch vor allem durch den Wertverfall bei Gewerbeimmobilien neue Risiken drohen. 

Noch beflügeln sinkende Renditen die Aktienmärkte. Vor allem an den Technologiebörsen, die als besonders zinssensitiv gelten, sind die Notierungen in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen. Konzentriert haben sich die Käufer vor allem auf schwergewichtige Aktien wie Apple, Microsoft oder Nvidia. Das aber bedeutet: Weder zieht der breite Markt nach oben, noch sind neue Favoriten im Spiel. Der jüngste Anstieg an den Börsen sieht damit eher aus wie eine späte Folge der alten Hausse und weniger wie ein neuer Bullenmarkt. 

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Mehr Power im Dax als im Dow Jones

Hierzulande macht die Entwicklung an den Börsen einen stärkeren Eindruck. Während der Dow Jones erst vor gut einer Woche wieder über die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Tage kletterte, verläuft der Dax schon seit fünf Monaten über diesem Barometer der mittel- bis langfristigen Tendenz. 

Zudem gibt es im Dax eine ganze Reihe mittelgroßer bis schwerer Einzelwerte, die seit Monaten stabil nach oben ziehen: BMW hat die höchsten Notierungen seit 2016 erreicht und könnte nun als nächstes Ziel das Allzeithoch bei 122 Euro aus dem Jahr 2015 ansteuern. Hinter dieser Stärke steht eine gute operative Entwicklung nach dem Coronatief und eine offensichtlich wohldosierte Volte hin zur Elektromobilität. Dass BMW trotz seines umfangreichen China-Geschäfts so gut abschneidet, zeigt, wie unterschiedlich das Thema China eingeschätzt werden kann. Volkswagen-Aktien laufen derzeit wesentlich schlechter als BMW, obwohl das China-Engagement beider Unternehmen durchaus vergleichbar ist. 

Zu den Top-Performern im Dax gehört derzeit Beiersdorf. Mit 12 Prozent Umsatzwachstum im ersten Quartal legen die Hanseaten stärker zu als erwartet. Die Konzentration auf Hautpflege lohnt sich, die klassische Marke Nivea ist zugkräftig wie seit Jahren nicht mehr, E-Commerce wächst kräftig und die Gewinnmargen sind robust. Obwohl Beiersdorf-Aktien zu den teuersten Titeln im Dax gehören, haben sie das bisherige Hoch aus dem Jahr 2019 nun hinter sich gelassen. Beiersdorfs Papiere gehören zu den wenigen internationalen Aktien, die seit mehr als 25 Jahren in einer großen, wenn auch schwankungsreichen Aufwärtsbewegung verlaufen – ein Dauerinvestment im Dax. 

Die starke Verfassung von Beiersdorf sollte auch für Konkurrenten Henkel ein gutes Zeichen sein. Allerdings hängen die Düsseldorfer hier mit geringeren Wachstumsraten und Renditen hinterher. Zudem ist noch immer nicht klar, wie teuer die Trennung vom umfangreichen Russlandgeschäft letztlich wird. Der jüngste, auffällig starke Kursanstieg über das wichtige Niveau um 69 Euro, könnte ein gutes Omen für eine verträgliche Lösung der russischen Geschäftsanteile sein, die Henkel im vergangenen Jahr noch mit einer halben Milliarde Euro aktivierte. Kann sich Henkel wieder über dem Niveau von 70 Euro behaupten, dürfte dies der Anfang einer großen Wende werden. Immerhin, seit 2017 hat Henkel an der Börse die Hälfte seines Werts verloren. 

Stark im Trend ist derzeit die Deutsche Telekom. Sie profitiert von der aktuellen Favoritenrolle der Branchenpapiere, die in wackligen Zeiten als defensive Investments und gute Dividendenbringer gelten. Zudem ist die Telekom seit Kurzem mit mehr als 50 Prozent Mehrheitseigner ihres amerikanischen Ablegers T-Mobile US. Die Telekom hat zwar durch Investitionen und Zukäufe einen Schuldenberg von 142 Milliarden Euro aufgehäuft.

Das stabile Wachstum bei Umsatz und Gewinn, vor allem beflügelt durch die voll konsolidierte US-Tochter, wird an der Börse derzeit aber als wichtiger eingestuft. Bei Kursen um 23 Euro hat die T-Aktie ein Niveau erreicht, auf dem sie letztmals 2001 und 1998 notierte. Damals kam es im Bereich zwischen 23 bis 28 Euro jeweils zu mehrmonatigen Schwankungsphasen. Solche Bewegung würden auch jetzt wieder ins Kursmuster der T-Aktie passen. 

Fazit für den Dax: Nach drei Wochen steiler Kletterpartie fehlen dem Dax nur noch wenige Prozent zum Allzeithoch bei 16.272 Punkte. Die langsame Entspannung auf der Inflationsseite, die weiter im grünen Bereich laufende Konjunktur und die bei vielen Unternehmen zuversichtlichen Gewinnaussichten könnten einen solchen Kursschub noch möglich machen. 

Auf der anderen Seite könnten, vor allem nach der jüngsten Produktionsdrosselung der Opec, wieder steigende Öl- und Energiepreise sowie mögliche weitere Probleme bei US-Banken dazwischenfunken. Wie stark die amerikanische Notenbank Fed dann am 3. Mai wieder an der Zinsschraube dreht, ist ebenfalls offen. Möglich könnte abermals eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte sein. 

Für die kurzfristige Entwicklung des Dax wäre es gut, wenn der Aktienmarkt per Tagesschlussstand das Niveau um 15.200 Punkte mindestens hält. Die Marktbreite des Aufwärtstrends (bei drei Viertel der Einzelwerte verlaufen die aktuellen Notierungen oberhalb der 200 Tagelinie) ist dafür ein gutes Vorzeichen.

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